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Eintracht-Verteidiger Willian Pacho: Ein bisschen Weltklasse

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Gibt alles im Zweikampf: Willian Pacho belagert den Leipziger Stürmer Lois Openda.
Gibt alles im Zweikampf: Willian Pacho belagert den Leipziger Stürmer Lois Openda. © IMAGO/Nordphoto

Zweite Reihe: Willian Pacho. Der Eintracht-Verteidiger könnte schon nach einer Saison gehen – und Platz machen für Koulierakis.

Man kann nun nicht behaupten, dass Konstantinos Koulierakis aus seinem Herzen eine Mördergrube machen würde. Ganz und gar nicht. Im Interview mit dem Fachmagazin „Kicker“ plauderte der griechische Verteidiger jetzt frank und frei aus, dass der Frankfurter Fußballbundesligist intensiv um ihn werbe, seit dem Winter schon. „Natürlich kenne ich das Interesse der Eintracht. Aber all diese Angelegenheiten regelt mein Berater. Ich habe einen Vertrag mit Paok, aber es ist natürlich angenehm, im Visier großer Teams aus den europäischen Topligen zu sein“, sagt der 20-Jährige.

Die Eintracht sei aber nicht der einzige deutsche Bewerber, für den Linksfuß sei das eine „große Ehre“, denn: „Es gibt eine lange Liste griechischer Spieler in Deutschland.“ In Frankfurt wird diese ganz sicher angeführt von dem langjährigen Kapitän Ioannis Amanatidis, aber auch Sotirios Kyrgiakos, der Koloss von Rhodos, oder Nikos Liberopoulos, das Schlitzohr, haben Spuren hinterlassen.

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Das hat auch Nationalspieler Koulierakis in gewisser Weise schon, spätestens nach dem Hinspiel der Conference League war er auf dem Schirm der Frankfurter: In der Nachspielzeit machte er den 2:1-Siegtreffer für Paok und ließ die Sicherungen bei allen Beteiligten durchbrennen: Rudelbildungen, wüste Beschimpfungen, Schubsereien und Rote Karten sollten folgen. Nicht schön, aber haften geblieben.

Und kommt dieser selbstbewusste Bursche nun nach Frankfurt? Das Interesse der Eintracht ist, wie er selbst bestätigt, verbrieft, aber der Deal ist noch nicht mal im Ansatz durch. Denn der Frankfurter Klub müsste, mal wieder, tief in die Tasche greifen, gut zehn Millionen Euro wären für den bis 2026 gebundenen Abwehrmann fällig. Nicht wenig Geld. Zumal die Eintracht in der Abwehr ganz vernünftig aufgestellt ist, in Aurele Amenda kommt von Young Boys Bern noch ein talentierter Verteidiger dazu, mehr als zehn Millionen hat der 20-Jährige gekostet, der aber jetzt die Enttäuschung wegstecken muss, vom Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin aus dem EM-Aufgebot gestrichen worden zu sein. Und die Frage in Frankfurt lautet: Bleiben alle Verteidiger an Bord?

Ganz sicher ist das nicht, Hrvoje Smolcic will und soll den Verein verlassen. Doch der Kroate spielte sowieso keine Rolle. Im Gegensatz zu Willian Pacho, vor der Saison für neun Millionen Euro von Royal Antwerpen zur Eintracht gekommen. Der Linksfuß hat die Späher auf der Insel überzeugt. Interesse des FC Liverpool hält sich hartnäckig.

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Konkretes oder Belastbares gibt es noch nicht, was auch daran liegen könnte, dass der ecuadorianische Nationalspieler sein Niveau aus der Vorrunde nicht ganz halten konnte – was bei einem 22-Jährigen aber gewiss zum Entwicklungsprozess dazugehört, zumal er sein erstes Jahr in der Bundesliga hinter sich gebracht hat. Schwankungen sind da normal.

Eintracht-Zeugnis

Eintracht Frankfurt läuft am Ende auf Rang sechs ein, kann aber die Menschen in der abgelaufenen Saison nicht begeistern. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 3- für den Bundesligisten.

Das große Klassenbuch gibt’s dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – vom Primus über den Musterschüler bis hin zu den Sitzenbleibern.

Heute im Check: Willian Pacho.

Alles in allem ist das Meckern auf hohem Niveau, Pacho hat seinen Vorgänger, den ungleich eleganteren Evan Ndicka, schnell vergessen machen lassen. Seinen Marktwert hat er mehr als verdreifacht: Von elf Millionen auf aktuell 35 Millionen. Potzblitz.

Pacho hat eine insgesamt sehr zufriedenstellende Runde gespielt, in der Vorrunde begeisterte er nicht nur die Fans mit seinem resoluten und cleveren Defensivverhalten, sondern auch seinen Trainer Dino Toppmöller: „Seine Boxverteidigung ist absolute Weltklasse.“ Mehr Superlativ ging nicht. Würde er jetzt so auch nicht mehr artikulieren.

Eintracht: Das Formbarometer zeigt nach unten

Nach dem Jahreswechsel zeigte das Formbarometer, wie bei der ganzen Mannschaft, nach unten, er streute so manchen Bolzen in sein Spiel, der auch zu Gegentoren führte. Auch seine Spieleröffnung ist zu durchschaubar, er spielt zu oft den einfach Ball die Linie entlang, anstatt es mit einem öffnenden Diagonalball zu versuchen. Wohl auch eine Frage des (schwindenden) Selbstvertrauens.

Wird also Pacho nach nur einer Saison schon wieder weiterziehen? Er würde auf jeden Fall eine Lücke reißen, ist er doch unangefochtener Stammspieler, stand in 33 Bundesligapartien in der Startelf. Die Eintracht würde für den schnellen Mann eine nicht unerhebliche Ablöse aufrufen, 35 Millionen Euro mindestens, eher 40 Millionen. Sie müsste ja, siehe Konstantinos Koulierakis, Ersatz holen.

Oder aber sie zieht doch noch in die Champions League ein, was den Spielraum auf einen Schlag um 30 bis 40 Millionen Euro vergrößern würde. Dazu müsste Borussia Dortmund am Samstag „nur“ das Finale der Königsklasse gegen Real gewinnen. Sportvorstand Markus Krösche ist im Wembleystadion live vor Ort. Wem er die Daumen drückt, ist nicht schwer zu erraten.

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