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Eintracht verliert gegen Real Madrid: Die Krönung fällt aus

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Von: Ingo Durstewitz

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Kein Torwart mehr im Tor - leichtes Spiel für Real-Torschütze David Alaba (Zweiter von links): Kevin Trapp kann dem Unheil nur zuschauen.
Kein Torwart mehr im Tor - leichtes Spiel für Real-Torschütze David Alaba (Zweiter von links): Kevin Trapp kann dem Unheil nur zuschauen. © Jan Huebner

Eintracht Frankfurt ist im Finale des Supercups chancenlos und muss sich Real Madrid mit 0:2 geschlagen geben.

Das große Finale im hohen Norden Europas begann für Eintracht Frankfurt so, wie auch das große Finale tief im Süden des Kontinents vor fast drei Monaten angefangen hatte: Trainer Oliver Glasner schickte am Mittwochabend in Helsinki nämlich (fast) seine komplette Endspielelf in den Supercup gegen Real Madrid, eine Reminiszenz an Sevilla, den 18. Mai, den größte internationalen Erfolg seit 42 Jahren, ein Dankeschön an die Euro-Helden. Die, die den Pott holten, sollten sich auch die Belohnung abholen im Bonusspiel gegen die Riesen aus Spanien. „Denn die Jungs haben Außergewöhnliches für die Eintracht geleistet“, wie Coach Glasner sagte. Eine schöne Geste.

Der Einzige, der da fehlte, war - Achtung Überraschung – Filip Kostic. Der Linksaußen wird sich bekanntlich Juventus Turin anschließen, weshalb er auch vor dem Anpfiff die von Uefa-Direktor Zvonimir Boban durchgeführte Ehrung zum besten Europa-League-Spieler der Vorsaison verpasste. Ausgezeichnet wurde dafür Ansgar Knauff als „Rookie“ des Wettbewerbs. Für Kostic spielte Christopher Lenz, nicht so druckvoll und offensiv-zügellos, aber recht stabil.

Am Ende sollte es für den Europa-League-Sieger aus dem Herzen von Europa aber nicht zum nächsten Titel reichen, Real Madrid, der Gewinner der Königsklasse, war eine gute Nummer zu groß für die Eintracht, die in dem von Vorstandssprecher Axel Hellmann als Spiel um „die Krone des europäischen Fußballs“ apostrophierten Duell erwartungsgemäß den Kürzeren zog. Bei der 0:2 (0:1)-Niederlage war sie chancenlos. Blamabel wie zuletzt gegen die Bayern war der Auftritt aber freilich nicht.

Schon weit vor dem Anpfiff wurde es emotional, die Eintracht-Fans feierten ihren Hinti, den eigens nach Finnland angereisten Martin Hinteregger, der mit überragenden Auftritten gegen Barcelona und West Ham großen Anteil am Titelgewinn hatte. Mittlerweile kickt er als Stürmer in der fünfte Liga, fliegt Helikopter und träumt von einer Rolle im „Bergdoktor“.

Und auf dem Feld trafen dann die Helden von damals aufeinander, von 1960, dem vielleicht besten Finale aller Zeiten, das Real gegen die Frankfurter mit 7:3 gewann. In Finnland für die Eintracht dabei waren Erwin Stein, Ekko Feigenspan, Istvan Sztani und Dieter Stinka, die auf Einladung des Klubs nach Helsinki reisten, und für die Madrilenen gab sich der einzig noch lebende Spieler die Ehre: die Real-Legende José Emilio Santamaria, 93 Jahre alt. Bewegendes Wiedersehen.

Auf dem Feld ging es nicht so gefühlsbetont, aber irgendwie doch recht freundschaftlich weiter. Die Partie hatte gerade zu Beginn den Charakter eines besseren Freundschaftsspiels, die Eintracht verdichtete geschickt die Räume und Real schien noch nicht so richtig im Wettkampfmodus. Für die Madrilenen war es das erste Pflichtspiel überhaupt, die spanische Liga beginnt erst am kommenden Wochenende.

„Wir müssen zurück zu unseren Basics. Wenn wir solche Räume wie gegen die Bayern lassen, ist es schwierig zu verteidigen“, hatte Coach Glasner gefordert und versucht, die 1:6-Klatsche gegen die Münchner mit einem netten Vergleich ein wenig zu relativieren: „Wenn Du viele Einser schreibst und dann mal eine Fünf, dann bist du jetzt nicht ein Fünfer-Schüler.“ Am Mittwoch in Skandinavien reicht es erst mal zu einer drei, halbwegs ordentlich, irgendwie. Am Ende mit einem minus versehen. Alles in allem ist das, was die Eintracht derzeit anbietet, zu bieder und hausbacken – auch wenn weder Real noch Bayern München ihre Kragenweite sind.

Die Eintracht hatte sogar erst einmal die bessere Gelegenheit, ein Tor zu erzielen: Ansgar Knauff hatte den Ball sehr resolut gewonnen, Rafael Borré die Kugel mit einem Außenristpass geschickt weitergeleitet, doch Daichi Kamada zögerte zu lange – statt den Ball mit rechts ins lange oder mit links ins kurze Eck zu schieben, schoss er Torwart Thibaut Courtois an (14.). Das hätte die Führung für den Außenseiter sein können.

Nur drei Minuten später aber hätte auch der Champions-League-Gewinner seinerseits das 1:0 machen können, doch Eintracht-Abwehrchef Tuta kratzte den Schuss von Vinicius noch von der Linie. Die Eintracht schlug sich tapfer, geriet aber dann doch zunehmend unter Druck: Erst narrte der ungemein flinke Vinicius Verteidiger Almamy Touré und scheiterte knapp an dem stark reagierenden Keeper Kevin Trapp, doch die anschließende Ecke brachte letztlich das Führungstor für die Spanier, der Ex-Bayer David Alaba drückte den Ball nach einem Gewusel über die Linie (37.).

Der Rückstand brachte die Eintracht ein wenig durcheinander. Das war auch Lenz, aber aus anderen Gründen: Der Linksverteidiger wurde gleich zweimal hart zu Boden gecheckt, konnte aber weiterspielen. Ihm wird noch externe Konkurrenz erwachsen, Sportvorstand Markus Krösche hat die Hoffnung, noch in diesen Tagen einen Nachfolger für Kostic präsentieren zu können. Einer der Kandidaten: der 23 Jahre alte Norweger Ola Solbakken von Bodo/Glimt. Man wird sehen.

Auch im zweiten Abschnitt behielten die Spanier erwartungsgemäß die Oberhand, Ex-Nationalspieler Toni Kroos spielte, wie immer, so gut wie keinen Fehlpass, der pfeilschnelle Vinicius fuhr Schlitten mit der Eintracht-Abwehr. Seinen Schuss konnte Schlussmann Trapp noch parieren (55.), Casemiros Versuch klatschte an die Querlatte (61.), doch beim 0:2 sah der 32-Jährige im Frankfurter Tor nicht gut aus: Der Schuss von Karim Benzema schlug zentral im Kasten ein (65.). Auch Trapp wird sich wieder steigern müssen.

Unter die Räder ist die Eintracht nicht gekommen, aber alles in allem war sie doch sehr weit weg von der Möglichkeit, den Titel zu gewinnen. Das Selbstvertrauen und der absolute Behauptungswillen sind irgendwo in den letzten zweieinhalb Monaten auf der Strecke geblieben. Immerhin nimmt der Klub 3,8 Millionen Euro Antrittsgage mit. Kann er gut gebrauchen.

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