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Erst eingewechselt, dann Torschütze: Ante Rebic (m.) brachte neuen Schwung.
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Erst eingewechselt, dann Torschütze: Ante Rebic (m.) brachte neuen Schwung.

Frankfurt in Leipzig

Eintracht unterliegt in Leipzig

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verliert in Leipzig mit 1:2, weil der Bundesligist die erste Halbzeit total verschläft und zu spät aufwacht. Ante Rebic erzielt den Treffer für die Hessen.

Es waren nur noch ein paar Minuten zu spielen im Leipziger Stadion, als den mitgereisten Eintracht-Fans der Torjubel im Hals stecken blieb.  Den Kopfball von Simon Falette, drei, vier Minuten vor dem Ende,  hätte Peter Gulacsi nie und nimmer erreichen können, doch der Ball klatschte ans Aluminium. Und dann hatte der Schlussmann der Leipziger nur noch Glück: Vom Pfosten nämlich prallte der Ball an seinen Rücken, dann an seine Wade – und kullerte schließlich nicht ins Tor, sondern  ins Seitenaus. Es hat schon Situationen gegeben, da hatte der Torwart die Kugel auf diese Art und Weise ins eigene Netz bugsiert. Dieses Mal war RB Leipzig mit Fortuna im Bunde, wäre der Ball im Tor gelandet, hätte es 2:2 gestanden. Womöglich wäre es des Guten zu viel gewesen für Eintracht Frankfurt.

So unterlagen die Hessen erwartungsgemäß 1:2 (0:1) – vor allem deswegen, weil sie in der ersten Halbzeit überhaupt nicht am Spiel teilgenommen und ihr Heil einfach nur darin gesucht hatten, massiert vor dem eigenen Strafraum zu stehen und die Bälle wegzuholzen. Das ist für die Bundesliga schlicht zu wenig. In der ersten Halbzeit hatten die Sachsen sage und schreibe 76 Prozent Ballbesitz. Die Frankfurter spielten erst in der letzten halben Stunde mit.

Trainer Niko Kovac hatte sein Team sehr defensiv in die Partie geschickt. „Das Konzept, das wir gewählt haben, war richtig. Man kann in Leipzig nicht schon gleich die Maske hochziehen. Nach dem Spiel kann jeder General sein“, verteidigte der Fußballlehrer seine anfängliche sehr vorsichtige Herangehensweise, räumte aber ein: „In der ersten Halbzeit waren wir zu verhalten.“  Dazu hatte er überraschenderweise Marius Wolf (statt Mijat Gacinovic) für die Startelf nominiert, auch Ante Rebic, Taleb Tawatha und Kevin-Prince Boateng blieben zunächst auf der Bank. Im vorderen Bereich sollte Daichi Kamada agieren, doch auch diese Partie machte erneut klar, dass der Japaner noch lange nicht so weit ist, in der Bundesliga mitzuhalten. Auch Wolf, der sogar durchspielen durfte, war – bis auf eine Szene – heillos überfordert.

Die Eintracht versteckte sich in den ersten 45 Minuten total. Sie agierte nur, stand nur rund um den Strafraum, bolzte die Bälle einfach nur nach vorne, wo Sebastien Haller zwar allein auf weiter Flur stand, dennoch  einmal mehr eine mehr als unglückliche Figur abgab. Das Auftreten der Frankfurter im ersten Abschnitt hatte mit Bundesliganiveau nichts zu tun, die Hessen spielten Angsthasen-Fußball. Da war keiner, der den Ball forderte, der das Spiel kontrollieren wollte, der es an sich reißen mochte. Die Hessen verkrochen sich, wirkten lange Zeit wie das Kaninchen vor der Schlange, hilflos und schlicht überfordert. „Anfangs haben wir zu defensiv gespielt“, sagte Rechtsverteidiger Timothy Chandler. „Dann haben wir gemerkt, dass das Quatsch ist.“

Bezeichnend war auch das 0:1 in der 28. Minute. Der unmittelbar zuvor für den verletzten Gelson Fernandes eingewechselte Boateng spielte, 15 Meter in der Leipziger Hälfte, einen sinnlosen Rückpass auf Torwart Lukas Hradecky. Er habe „das Spiel beruhigen wollen“, sagte Boateng zu dieser Schlüsselszene. Den Rückpass wiederum konnte der Schlussmann nicht richtig verarbeiten, mit links schlug er den Ball beinahe kläglich und viel zu kurz nach vorne. Den anschließenden Zweikampf verweigerte der erneut denkbar schwache Jonathan de Guzman - und schon nahm das Unheil seinen Lauf: Den Schuss von Timo Werner konnte Hradecky nur abklatschen, Augustin brauchte nur noch abzustauben. Damit war die Taktik von Kovac, möglichst lange auf zu Null zu spielen, dahin. Hinterher räumte Boateng mannhaft seinen Fehler ein. „Ich muss die Sache auf mich nehmen.“ Das ehrt ihn zwar, erneut konnte er aber nicht den Nachweis erbringen, dieser Frankfurter Mannschaft weiterhelfen zu können.

Auch in dieser Partie, in die er erst nach der 25. Minute kam, pumpte er am  Ende merklich.

Die taktischen Fesseln abgelegt

In der zweiten Halbzeit nahm die Eintracht dann endlich auch am Spiel teil, bald kamen Ante Rebic (für Kamada) und Luka Jovci (für Haller) – und plötzlich vermochten die Hessen mitzuhalten. Vor allem die Auswechslung des unbeweglichen  Haller tat dem Frankfurter Spiel gut, auch wenn die Eintracht durch Timo Werner (68.) das 0:2 hinnehmen musste. Makoto Hasebe sah zuvor nicht besonders gut aus. Doch die Eintracht  war jetzt im Spiel. Und sie hatten eigentlich schon das 1:1 erzielt. Nach einer Ecke von de Guzman hatte Rebic den Ball ins Tor geköpft, doch Schiedsrichter Benjamin Brand gab den Treffer nicht, weil zuvor der Linienrichter den Eckball im Aus gesehen haben wollte. „Der Linienrichterist ist für mich der Superheld. Wenn er das gesehen haben will, kann er bei Hollywood anfangen mit Superkräften“, sagte Timothy Chandler sarkastisch. Tatsächlich konnte keine Zeitlupe die Szene aufklären, und der Videobeweis fand da keine Anwendung. Zumal der Schiedsrichter schon vor dem Überschreiten der Torlinie hörbar abgepfiffen hatte.

Nach dem  0:2-Rückstand hatte die Eintracht komplett die taktischen Fesseln abgelegt. Endlich wurde wieder etwas mehr Fußball gespielt, endlich traute sich die Eintracht mehr zu. Prompt kam sie durch Rebic (77.) nach schöner Vorarbeit von Wolf, seiner einzigen gelungenen Aktion, zum Anschlusstreffer. Doch zu mehr reichte es nicht, auch weil der Pfosten kurz vor Schluss im Wege stand. „Am Ende hätten wir ein Unentschieden verdient gehabt wegen des Kampfes“, fand Boateng. „Wenn es zwei Minuten länger dauert, schaffen wir noch das 2:2 oder sogar das 3:2.“

So bleibt der fade Beigeschmack, dass sehr viel mehr drin gewesen wäre, wenn die Frankfurter einfach etwas mutiger aufgetreten wären. „Es war okay“, sagte Trainer Kovac. „Aber es hat nicht zu Punkten gereicht.“ Etwas weniger Verzagtheit und Ehrfurcht würde Eintracht Frankfurt gut zu Gesicht stehen.

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