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Eintracht steht vor Herkulesaufgabe bei Tottenham Hotspur

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Von: Thomas Kilchenstein

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04.10.2022 xjfx Fussball Champions League Group D Eintracht Frankfurt - Tottenham Hotspur emspor, v.l., Eintracht Frankf
Warmlaufen fürs große Spiel: Die Eintracht-Profis müssen gegen Tottenham hellwach und fit sein. © IMAGO/Joaquim Ferreira

Eintracht Frankfurt steht bei Tottenham Hotspur vor einer Herkulesaufgabe - Platz drei in der Gruppe bleibt aber weiterhin ein sehr realistisches Ziel.

Frankfurt – Wer will, kann sich den Sportplatz auch aus luftigster Höhe anschauen, vorausgesetzt er schafft die 4155 Stufen, hat keine Höhenangst und ist angeleint: Das und ein paar Pfund, die man berappen muss, benötigt man für den Skywalk hoch auf dem Dach über dem milliardenteuren Tottenham-Hotspur-Stadium im Norden Londons, 782 High Road, der Heimspielstätte der gleichnamigen englischen Spitzenmannschaft. Gut, das Spiel am Mittwochabend zwischen Tottenham und Eintracht Frankfurt (21 Uhr/Dazn) kann man nicht von oben sehen, die Tour ist nur an spielfreien Tagen buchbar oder wenn nicht gerade American Football gespielt wird im eigentlichen Fußballtempel.

Am vergangenen Sonntag warfen sich da Spieler der New York Giants und der Green Bay Packers das ovale Ei um die Ohren bei den London Games, die NFL schwappt bekanntlich auch nach Europa. Immerhin muss Eintracht-Trainer Oliver Glasner nicht fürchten, dass die schweren Jungs den fast heiligen Rasen niederkartätscht haben: Für die NFL-Spiele wird ein Football- Spielfeld ins Stadion geschoben, 25 Minuten benötigt die ausgefeilte Technik nur dafür. Und für Mittwochabend ist auch wieder der richtige Untergrund, aus zwei Metern Tiefe, in die Arena gefahren worden. Satt grün der Rasen, der täglich gemäht und geschnitten wird, wie es heißt. Vermutlich sogar mit der Nagelschere.

Eintracht Frankfurt ist zu Gast in Tottenham

Am Geläuf wird es also nicht liegen, falls es nichts wird mit einem, sagen wir, Kantersieg, auch nicht an der Rotation. Glasner wird nach den unangenehmen Erfahrungen von Bochum wieder seine stärkste Elf aufbieten, die geschonten Herren sollten wieder ins Laufen kommen dürfen. Da wird, so viel dürfte sicher sein, eine andere Mannschaft auf dem Rasen stehen, sowohl was die Personen angeht als auch an mentaler Stärke.

Am gewohnten Ablauf hat der Frankfurter Fußballlehrer nichts verändert, am Dienstag, zur Mittagszeit, bat der Coach noch mal zum Abschlusstraining hinters Stadion im Stadtwald, danach ging es in die englische Kapitale, die die Frankfurter Entourage bei Sonnenschein empfing. Britisches Schmuddelwetter ist nicht angesagt, immerhin.

Tja, und wie sind nun die Aussichten der Hessen, den Vorgaben von Sportvorstand Markus Krösche zu entsprechen, international zu überwintern? Nachdem die Eintracht einmal gegen alle Widersacher am Ball war, mit durchaus nicht enttäuschenden Leistungen, scheint das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League zwar immer noch möglich, dazu wäre aber ein Erfolg in London schon beinahe zwingend - und da, bei den sehr heimstarken und auch qualitativ am besten besetzten Engländern, hängen die Trauben extrem hoch. Und es ist die Frage, ob die Eintracht stets, quasi auf Knopfdruck, diesen ganz besonderen Spirit kreieren kann, der große Leistungen wie in Barcelona, West Ham oder in Sevilla möglich machen. Andererseits: Gerade in den internationalen Auswärtsspielen haben sich die Hessen von ihrer Sahneseite gezeigt, beim Titelgewinn in der vergangenen Saison hatten sie keine Partie in der Ferne verloren, auch der bislang einzig Sieg in der Königsklasse war ein 1:0 bei Marseille. Ein gutes Omen? Oder geht in Tottenham eine stolze Serie zu Ende?

Eintracht Frankfurt: Platz drei bleibt realistisches Ziel

Selbst bei einer Niederlage bei den punktgleichen Londonern (vier Zähler) muss das freilich noch lange nicht das Aus bedeuten, dazu ist diese Gruppe D zu ausgeglichen besetzt. Den momentan Letzten, Olympique Marseille (drei Punkte), trennt genau ein Sieg gegen den Ersten, Sporting Lissabon (sechs), von der Tabellenführung. „Es ist weiterhin alles eng beieinander“, sagte Kapitän Sebastian Rode vor einer knappen Woche nach dem mannhaft errungenen torlosen Remis gegen die Spurs. Die vier Zähler, die die Eintracht bislang bei ihrem Champions-League-Debüt aufs Konto geschaufelt hat, brachte ihr 3,73 Millionen Euro an Prämie ein - 2,8 Millionen für einen Sieg, 930 000 bei einem Remis.

Am realistischsten ist momentan ein Szenarium, das die Eintracht auf Platz drei in der Gruppe ankommen lässt - zumal die 0:3-Niederlage im Auftaktspiel gegen Sporting Lissabon eine zusätzliche Hürde ist. Denn in der Champions League zählt bei Punktgleichheit der direkte Vergleich, die Hessen müssten also das Rückspiel am 1. November in Lissabon mit mehr als drei Toren Differenz gewinnen, schwierig - selbst wenn die Portugiesen bis dahin schon für das Achtelfinale qualifiziert sein sollten.

Von entscheidender Bedeutung im Kampf um den dritten Platz könnte der 5. Spieltag sein, da empfängt die Eintracht am 26, Oktober nämlich Marseille im eigenen Stadion. Da sind die Frankfurter praktisch zum Sieg verdammt, und ein Dreier wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichbedeutend mit dem Überwintern auf internationaler Bühne. Allerdings womöglich in der Europa League, einem Wettbewerb, den die Frankfurter lieben und, nur mal nebenbei, in dem sie zudem Titelverteidiger sind.

Als Gruppendritter in der Champions League müsste die Eintracht zunächst in ein Playoff-Spiel zur Qualifizierung für das Achtelfinale (im März), am 1. und 23. Februar im nächsten Jahr werden diese Partien angepfiffen.

Natürlich sind die finanziellen Welten erheblich, die beide Wettbewerbe trennen, für das Achtelfinale in der Königsklasse werden 9,3 Millionen Euro ausgeschüttet, in der Europa League warten lediglich 1,2 Millionen auf den Teilnehmer.

Andererseits sind die Chancen der Frankfurter in der Europa League, noch die eine oder andere Runde mehr zu erreichen, ungleich größer als bei den Champions. Das haben die Frankfurter ja bereits in der Gruppenphase feststellen müssen, wie intensiv, anstrengend diese Begegnungen sind, auf welchem Niveau sie angesiedelt sind. Das ist dann schon eine andere Hausnummer. Aber sie haben trotzdem gezeigt, dass sie, bei vollem Einsatz und höchster Konzentration, zumindest mithalten können im Konzert der Großen. Das ist mehr als viele vorher gedacht hatten. (Thomas Kilchenstein)

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