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Noch keine Hilfe: Eintracht-Neuzugang Sam Lammers.
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Noch keine Hilfe: Eintracht-Neuzugang Sam Lammers.

Remis im Heimspiel

Eintracht Frankfurt: Das Märchen fällt aus

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Einer langen Zeit harmlosen Frankfurter Eintracht gelingt auch im vierten Spiel kein Sieg - trotz eines Tores von Filip Kostic.

Frankfurt am Main - Am Ende hing es an ein paar Zentimetern, drei, vier vielleicht, die den Sieg von Eintracht Frankfurt verhinderten - und ein Backspin, wie Trainer Oliver Glasner hinterher fachmännisch analysierte. Was er damit meinte: Der Ball drehte beim Aufspringen weg vom Tor statt über die Linie zu hüpfen. Es lief da ja schon längst die letzte Minute der Nachspielzeit, 1:1 stand es in einem über weite Strecken eher zähen, schmucklosen Bundesligaspiel zwischen der Eintracht und dem VfB Stuttgart mit viel brotlosem, ineffizientem Ballgeschiebe, als noch einmal Filip Kostic den Turbo einschaltete.

Eintracht Frankfurt: Rafael Borré im Pech

Seinen flachen Rückpass nahm der eingewechselte Rafael Borré direkt, mit links und vollem Risiko. Von der Unterkante der Latte prallte der Ball auf die Torlinie, von dort an den Rücken des tüchtigen VfB-Torwarts Florian Müller - und dann eben nicht über die Linie, sondern in seine fangbereiten Hände. Es wäre die Entscheidung in diesem Spiel gewesen, ein paar Augenblicke später ertönte der Schlusspfiff. Wieder kein Sieg für Eintracht Frankfurt, auch nach dem fünften Pflichtspiel nicht, und wieder wird Coach Glasner später nicht „im Bett liegen und zehn Stunden Dornröschenschlaf“ halten. Diese beiden erneut - wie schon gegen Augsburg (0:0) und Bielefeld (1:1) - unnötigerweise vergebenen Punkte nagen an dem Fußballlehrer der Frankfurter, er macht da auch kein Hehl daraus: „Ich bin enttäuscht.“

Die Hausherren hätten dieses Spiel gewinnen müssen, sie waren die feldüberlegene Mannschaft, hatten viel investiert und 19 Torschüsse abgegeben. Das sah zeitweise auch ganz nett aus, zudem traf neben Borré auch noch Martin Hinteregger (62.) mit einem Kopfball die Latte, wurde ein Treffer von Daichi Kamada zurückgenommen, weil der Ball vorher den Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck berührt hatte.

Eintracht Frankfurt: Kostic bringt Schwung ins Spiel

Doch wirklich gefährlich war das Spiel der Frankfurter eine Stunde lang nicht. Es wurde erst besser als Filip Kostic und der erst in der Vorwoche verpflichtete Kristijan Jakic in die Partie kamen. Dann sah das, was Eintracht Frankfurt bot, auch wie Bundesligafußball, wie Männerfußball aus - und nicht wie zuvor wie Jugendfußball. Es war nämlich lange Zeit ein arg verschnörkeltes, viel zu kompliziert ausgerichtetes, nahezu körperloses Kurzpassspiel - bar jeglicher Effizienz. Das hatte was vom Spielen im Käfig, Pässe über zwei, drei Meter, und dann sicherheitshalber zurück. Es zeigte auch, dass die Neuen, speziell Jesper Lindström, Sam Lammers, auch der sehr hibbelige Jens Petter Hauge noch lange nicht so weit sind, den Hessen eine stabile Hilfe zu sein. Zudem hatten die falschen Leute (Lenz, Durm) zu oft den Ball am Fuß. Vieles wirkte zu verspielt, da waren reichlich Schnicker an der Kugel, die den Weg zum Tor zu selten sahen.

Man habe sich „im Zweikampf zu oft verzettelt“, habe „zu lange“ den Ball geführt statt das Spiel schnell zu machen, deckelte Oliver Glasner sanft. Er hat aber das Grundübel erkannt: „Beim letzten Ball, im letzten Angriffsdrittel fehlt die Genauigkeit.“ Entscheidungen im Fußball fallen nun mal in den Strafräumen, da „ist bei uns noch Luft nach oben“. Den Frankfurtern gebricht es vornehmlich an der erforderlichen Durchschlagskraft, am letzten Punch, sie wirkten harmlos. Vier Tore in vier Spielen sind zudem kein Ruhmesblatt. Marc-Oliver Kempf, einst bei Eintracht Frankfurt gewogen und für zu leicht befunden, sah es aus VfB-Sicht ähnlich. Klar seien die Frankfurter die spielbestimmende Mannschaft gewesen, aber „Hochkaräter“, nein, die habe er kaum gesehen bei den Hessen. Ein paar gab es freilich schon. Ohnehin hatten die Stuttgarter, sagte Trainer Pellegrini Matarazzo, in dieser Trainingswoche den Fokus auf die Verfestigung der Defensive gelegt. „Die Bereitschaft meiner Mannschaft, zu verteidigen, hat mir gefallen.“

Und doch schien vieles auf einen verdienten Frankfurter Sieg hinauszulaufen: Filip Kostic, ausgerechnet Filip Kostic, in Gnaden aufgenommener Spieler und in der 59. Minute endlich eingewechselt, hatte in seiner so typische Art die Frankfurter Führung markiert: links unten im Eck schlug sein Schuss ein (79.), Fast alles sah da nach einem Happyend aus, „ein Märchen“ schien wahr zu werden, dachte Glasner in diesem Moment noch. Und spätestens, als sich Stuttgart mit der Roten Karte von Waldemar Anton (82.) nach einer Notbremse, ein paar Zentimeter vor dem Strafraum, gegen den durchgebrochenen Rafael Borré selbst zu schwächen schien, deutete alles auf den ersten Dreier dieser Saison hin.

Eintracht Frankfurt: Kapitän Hinteregger sah ein „sehr gutes Spiel“

Doch die Schwaben kamen zurück, weil „wir uns drei, vier Minuten passiv verhalten haben“ (Glasner). Zwei Minuten vor Schluss setzte sich der erstmals in der Startformation spielenden Omar Marmoush, vom VfL Wolfsburg ausgeliehen, sehr glücklich durch, eigentlich war sein Versuch von Evan Ndicka schon abgeblockt, doch der Ball fiel dem Stürmer genau vor die Füße, er schob zum 1:1-Endstand ein. Im Augenblick „nehmen wir alles mit“, sagte Trainer Glasner, er meinte damit, dass viele knappe (Zentimeter-)Entscheidungen momentan zuungunsten der Eintracht ausfallen. „Das schweißt uns nur noch mehr zusammen.“

Der bittere Ausgleich wäre im Grunde leicht zu verhindern gewesen, hätte Martin Hinteregger besser verteidigt, ein bisschen sah er das hinterher sogar ein. Er sei „involviert“ gewesen beim Ausgleich, den „zweiten Ball muss ich besser wegköpfen“. Diesen Ball köpfte er haargenau in den Fuß eines Stuttgartes. Ohnehin waren die Aussagen des Ersatzspielführers grenzwertig bis hanebüchen. Er nämlich hatte ein „sehr gutes Spiel gesehen“, die „Mannschaft hat ein nahezu perfektes Spiel gezeigt“. Das war es nun beim allerbesten Willen nicht. (Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

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