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Eintracht-Überflieger Lindström rockt die Liga

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Der Eintracht-Überflieger jubelt zweimal im Borussia-Park: Jesper Lindström.
Der Eintracht-Überflieger jubelt zweimal im Borussia-Park: Jesper Lindström. © Jan Huebner/Imago

Die ganz erstaunliche Entwicklung des schmächtigen Eintracht-Angreifers Jesper Lindström.

Manches spricht dafür, dass Jesper Lindström, der dünne dänische Doppelpacker von Gladbach, seine beiden Tore vor einem Jahr vermutlich nicht erzielt hätte, irgendein Torwartbein wäre dagegen gewesen oder der Ball wäre am Pfosten vorbeigerollt. Dann hätte Trainer Oliver Glasner wieder gesagt, der Jesper habe eine falsche Entscheidung getroffen.

Jetzt gehen die Bälle rein, fünf Tore hat Lindström nach elf Spieltagen in dieser Bundesligasaison bereits erzielt, so viele wie in der ganzen letzten Runde zusammen, dazu in der Champions League eines, das Siegtor gegen Olympique Marseille. Es läuft beim schnellen Offensivspieler, und er weiß auch, warum: Ruhiger sei er beim Abschluss geworden, sagte er nach der 3:1-Gala im Borussia-Park, letzte Saison sei er „hektisch, beinahe panisch“ vor dem Tor gewesen und „musste mir den Ball zehnmal zurechtlegen“. Meist war es dann für den krönenden Abschluss zu spät. Jetzt hebt Glasner seinen „guten ersten Kontakt“ hervor. Lindström sagt, er habe viel mit den Assistenztrainern gearbeitet, sei mental stärker und habe eines mit auf den Weg bekommen: „Du hast immer eine Sekunde mehr als du denkst.“

„Auf dem Boden bleiben“

Tatsächlich hat der 22-Jährige, vor eineinhalb Jahren für sieben Millionen Euro von Bröndby IF gekommen, eine erstaunliche Entwicklung genommen, Coach Glasner umschreibt sie spaßeshalber so: „vom Fehleinkauf zum Rookie des Jahres“. Diesen Titel heimste er in der vergangenen Saison ab, wurde zum besten Newcomer der Bundesliga gewählt. Den Stab hatten manche voreilig gebrochen über diesen schmächtigen Skandinavier, der anfangs allergrößte Mühe hatte, mit den deutlich kräftigeren Gegenspielern in der Liga, ja zuweilen prallte er förmlich ab von den Kanten. Doch Lindström, ein kluger Kopf, lernte schnell, er legte sich ein paar Muskeln zu, passte sich an, wurde robuster - ohne dabei seine größte Stärke einzubüßen: sein Tempo. Er zählt zu den schnellsten Spielern der Liga, ist kaum zu stoppen, und kann dazu noch ausgesprochen gut dribbeln. Der Ball gehorcht ihm.

Wenn Sturmpartner Randal Kolo Muani und er im Vollsprint in die Tiefe gehen, ist kein Kraut dagegen gewachsen, beide sind perfekte Umschaltspieler. Der Franzose, so Lindström, sei sehr wichtig für ihn, weil er Räume schaffe, die er nutzen könne. „Letztes Jahr bin ich immer alleine in die Tiefe gegangen.“ Seine beiden Treffer in Gladbach zum 1:0 und 3:0 bereitete Kolo Muani mustergültig vor. Beide haben bislang 17 Scorerpunkte gesammelt, Kolo Muani elf, Lindström sechs. Und jetzt ist Lindström vor dem Tor auch noch cooler geworden, und schön sind seine Treffer noch dazu, etwa der Lupfer vor Wochenfrist gegen Bayer Leverkusen oder unlängst das Solo gegen Union.

Längst ist sein Marktwert auf 17 Millionen gestiegen, längst hat der FC Arsenal Interesse bekundet, und intern halten sie den Rohdiamanten auf dem besten Weg, ein zweiter Luka Jovic zu werden. Den transferierte Eintracht Frankfurt für mehr als 60 Millionen Euro zu Real Madrid. Schon jetzt würde Lindström rund 30 Millionen Euro bringen. Doch verkaufen wollen ihn die Frankfurter (noch) nicht.

Der Däne, dessen Vertrag in Frankfurt bis 2026 datiert ist, ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Glasner sieht eine Menge Potenzial bei seinem Flügelmann, der liebend gerne mit Dänemark zur WM in Katar fahren will. Er sei auf „dem richtigen Weg“, habe aber „noch einige Themen“, sagt der Coach über den sympathischen Nordeuropäer, und nennt als Beispiel den „Infight“, in dem er sich noch nicht gut genug behaupte, vor allem, wenn es, etwa gegen Tottenham, gegen physisch starke Teams geht. „Da muss er geschickter werden.“

Ohnehin geht es dem Österreicher ein wenig gegen den Strich, dass im Moment die Frankfurter Offensive derart in den Himmel gehoben wird. Es seien „andere Spieler“ gewesen, die am Samstag vor den Toren die Bälle gewonnen hatten.

Im Übrigen hoffe er, Glasner, dass der Überflieger weiterhin „offen für Tipps und Ratschläge aus dem ganzen Team“ sei. Lindström möge doch bitte „bescheiden und am Boden bleiben“.

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