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Der Trainer redet, die Spieler hören zu – und Luka Jovic (rechts) runzelt die Stirn: Das Verhältnis zwischen Adi Hütter (links) und dem Team scheint gelitten zu haben. dpa
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Der Trainer redet, die Spieler hören zu – und Luka Jovic (rechts) runzelt die Stirn: Das Verhältnis zwischen Adi Hütter (links) und dem Team scheint gelitten zu haben.

SGE

Eintracht-Trainer Adi Hütter im Abwehrmodus: Es mangelt an Selbstkritik

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht-Trainer Adi Hütter wirkt pikiert ob der an ihm aufkommenden Kritik auf seinen letzten Metern in Frankfurt. Es mangelt an Selbstkritik.

Als am Sonntagabend trotz des späten 1:1-Ausgleichtores gegen Mainz 05 im Lager von Eintracht Frankfurt ziemliche Tristesse herrschte, als des Volkes Zorn, jener der treuen Fans in den heimischen Wohnzimmern, sich in diversen Internetforen, Sozialen Medien, Kommentarspalten oder Whatsapp-Gruppen, ungefiltert (und mitunter auch überzogen) entlud, stand ein Mann ganz besonders im Auge des wütenden Sturms: Adi Hütter. Schließlich blies gar das Gerücht durch die virtuelle Welt, wonach der Trainer des hessischen Fußballbundesligisten zwei Spieltage vor Schluss womöglich vor einer Freistellung stehe. Dem ist nicht so.

Für die Eintracht-Verantwortlichen ist bei aller (berechtigter) Kritik an Adi Hütter in dieser finalen Sequenz der Saison eine Abberufung ihres Angestellten kein Thema, zumal die Alternativen ohnehin rar gesät wären. Hütters Co-Trainer, Christian Peintinger und Armin Reutershahn, verlassen den Klub aus dem Hessischen im Sommer ebenfalls mit ihrem Chef in Richtung Mönchengladbach, einen Übergangsübungsleiter von außen zu verpflichten, macht ob der Mini-Wirkungszeit von lediglich zwei Spielen keinen Sinn, sodass der Eintracht maximal die Berufung einer ihrer Jugendtrainer zum Frankfurter Bundesligaoberhaupt bliebe. Klar, Alex Meier, Thomas Broich, das sind Leute, die sich im Profigeschäft auskennen, gewiss auch viel von der Kickerei verstehen – als Trainer aber bisher absolute Novizen. Einzig Jürgen Kramny, A-Jugendcoach, betreute mal Profiteams. Nun ja.

Eintracht Frankfurt: Hütter-Freistellung kein Thema

Die Frage einer Hütter-Freistellung also stellt sich für die Eintracht nicht, wenngleich der Österreicher seit einigen Wochen und Monaten durchaus Ansatzpunkte für derlei Überlegungen geliefert hat. Erst die wochenlange Eierei bezüglich eines möglichen Vereinswechsels, dann die Abschiedsverkündung, seitdem nur ein Sieg aus vier Partien. Hütter aber findet: „An mir liegt es nicht – und an der Mannschaft liegt es auch nicht.“ An wem sonst, lässt er offen. Am Busfahrer? Am Greenkeeper? Hütter weiter: „Die Leute sollen reden, was sie wollen. Das ist mir wirklich auch egal.“ Vielleicht nicht die allerbeste Arbeitsauffassung als Hauptverantwortlichen fürs sportliche Treiben, so ohne jegliche Selbstkritik.

Selbstverständlich muss sich Adi Hütter nicht sämtliche kritische Zwischenrufe zu Herzen nehmen – nicht von den Fans, nicht von den Medien, nicht mal von allen Verantwortungsträgern innerhalb des Klubs. Auch steht der 51-Jährige seit Wochen unter immensem Druck, viel fokussiert sich auf seine Person. Ein Umgang damit ist nicht einfach, wohl für niemanden. Einerseits. Andererseits hat der Coach sich jene Situation weitestgehend selbst eingebrockt, er wollte weg, niemand hat ihn gezwungen. Kritik, Zweifel, Frust als Begleiter sind da nur logisch.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter im Abwehrmodus

Hütter wirkt zurzeit mitunter gereizt, schnell fühlt er sich und seine Arbeit angegriffen, wechselt in den Abwehrmodus, scheint pikiert darüber, dass ihm sein zweifelsohne gutes Schaffen der vergangenen Jahre kaputt geredet werden könnte. Bloß: Das will ja niemand machen. Natürlich hat der Fußballlehrer exzellent abgeliefert bei den Frankfurter, das steht außer Frage, die Erfolge sind außergewöhnlich. Europa-League-Halbfinale, Rekordsaison, spektakulärer Fußball, und, und, und. Auch wären Klubbosse, Mannschaft, Trainer, das Umfeld, vor der Saison mit einem fünften, sechsten Platz natürlich hochzufrieden gewesen. Aber: Jetzt eben nicht mehr so ganz. Selbst hatte Hütter im Januar nach dem Pokalaus gegen Leverkusen, wie er nun bekundete, sein Team darauf eingeschworen, die Champions-League-Ränge zu attackieren.

Torwarttalent verstärkt die Eintracht

Diant Ramaj wechselt im Sommer vom 1. FC Heidenheim zur Eintracht. Der 19-jährige Torwart erhält einen Vertrag bis 2024. Der gebürtige Stuttgarter durchlief den Nachwuchsbereich des VfB, der Stuttgarter Kickers und zuletzt den in Heidenheimer. Bei den FCH-Profis durfte der deutsche U-20-Nationalkeeper mittrainieren, zum Einsatz kam er in der zweiten Liga nicht. Zuletzt fiel Ramaj aufgrund einer Meniskus-OP im Knie länger aus. „Mit Diant konnten wir einen sehr entwicklungsfähigen, jungen, deutschen Nationalspieler für uns gewinnen, der trotz seiner erst 19 Jahre bereits seit zwei Jahren auf Profi-Niveau trainiert“, so Frankfurts Torwarttrainer Jan Zimmermann. (dani)

Des Trainers sonntäglicher Verweis darauf, dass die Truppe teilweise über ihren Verhältnissen gespielt hätte, „auch mal an der Obergrenze“, ist faktisch richtig, fängt gefühlsmäßig aber mitnichten die Lage rund um den Klub ein. Dieses Gespür für die feinen Schwingungen innerhalb und außerhalb des Vereins ist Hütter offenbar im Zuge seines Abnabelungsprozesses von Frankfurt nach Gladbach abhanden gekommen. Ein weiteres Beispiel: „Die Champions League ist ja nur ein Traum.“ Ein kleines Wörtchen, dieses „nur“, aber eben eines zu viel. Selbstvertrauen für die letzten Spiele auf Schalke und gegen Freiburg dürften derartige Aussagen jedenfalls kaum geben.

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp bleibt kämpferisch

Recht hat Hütter damit, dass noch viel drin ist. Aufgeben darf aus Eintracht-Sicht keine Option sein. Kevin Trapp, der Torwart für klare Worte, äußert sich entsprechend kämpferisch: „Wir werden Platz vier noch schaffen. Ich will die Wörter Angst und Druck nicht hören. Seit wann hatte die Eintracht Druck, in die Champions League zu kommen? Dortmund hatte den Druck, nicht wir.“ Das stimmt. Spätestens jetzt wieder haben die Frankfurter nichts zu verlieren. Auch die Spieler sind mehr denn je in der Pflicht.

Bloß: Es könnte schon zu spät sein. Die drittplatzierten Wolfsburger liegen drei Zähler vor der Eintracht, haben zudem die um zehn Treffer bessere Tordifferenz und werden somit nur schwer einzuholen sein. Und Borussia Dortmund, nur einen Zähler davor, ebenfalls jedoch um zehn Tore besser, scheint zu alter Stärke zurückgefunden zu haben. Zwar steht für den BVB am Donnerstag das Pokalfinale in Berlin auf dem Plan, am Sonntag in Mainz sowie danach gegen Leverkusen ist die Borussia aber jeweils Favorit. Zudem: Die Mainzer könnten, wenn alles normal läuft am Bundesligasamstag, tags drauf vor dem Duell mit dem BVB bereits endgültig gerettet sein.

Eintracht Frankfurt: Wie geht‘s weiter mit Amin Younes?

Und: Wie soll bei der Eintracht rein fußballerisch nun überhaupt ein Umschwung gelingen, ist die spielerische Leichtigkeit doch weg? Vieles führt bei dieser Frage zu Amin Younes. Auch intern will so recht niemand verstehen, warum Hütter zuletzt so oft und so lange auf den Nationalkicker verzichtete. Nicht nur wegen des Spielers selbst, sondern auch aufgrund der durch ihn bedingten taktischen Ausrichtung des gesamten Teams. Zwei Spitzen oder zwei Zehner - es ist eine der wichtigsten Fragen dieser Eintracht-Saison. Die Statistik ergibt folgende Antwort: Mit zwei Zehnern in der Startelf (Aus dem Trio Kamada, Younes, Barkok) holte die Eintracht 31 Punkte in 16 Spielen, mit zwei Spitzen deren 26 Zähler in 16 Spielen. Zudem: Stand Younes von Beginn an auf dem Rasen, kamen im Schnitt 2,26 Punkte dabei heraus, spielte er nicht oder wurde nur eingewechselt, waren es lediglich 1,35. (Daniel Schmitt)

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