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Eintracht-Torhüterin Merle Frohms erklärt ihren Wechsel

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Von: Frank Hellmann

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Großer Moment: Merle Frohms (Mitte) pariert 2019 vor 80 000 Fans im Wembley-Stadion einen Elfmeter.
Großer Moment: Merle Frohms (Mitte) pariert 2019 vor 80.000 Fans im Wembley-Stadion einen Elfmeter. © imago images/Action Plus

Nationaltorhüterin Merle Frohms erinnert sich gerne an ein Länderspiel in England und erklärt ihren Wechsel von Eintracht Frankfurt nach Wolfsburg.

Merle Frohms, so viel steht fest, besaß am 9. November 2019 noch nicht annähernd so viel Selbstbewusstsein wie heute. Die Torhüterin hat damals nur in Trance erlebt, wie die mit Spottpreisen ins Wembleystadion gelockten Menschenmassen den Torschrei schon auf den Lippen hatten, als den englischen Fußballerinnen ein Elfmeter zugesprochen wurde. Nikita Parris schoss, Frohms flog – und parierte mit dem Fuß. Plötzlich war es in der heiligen Kathedrale mucksmäuschenstill. Als dann ihre damalige Vereinskameradin vom SC Freiburg, Klara Bühl, noch den 2:1-Siegtreffer schoss, waren die deutschen Frauen tatsächlich als Partycrasher für fast 78 000 unterwegs gewesen.

All das hat sich die Torhüterin von Eintracht Frankfurt vor dem erneuten Aufeinandertreffen mit den Engländerinnen im letzten Spiel des Viernationenturniers (Mittwoch 20.30 Uhr/zdf.de) um den Arnold Clark Cup wieder in Erinnerung gerufen. „Das war für uns alle etwas Einmaliges. Das wurde vielen von uns erst im Nachhinein bewusst. Das war für einige von uns vielleicht auch der Höhepunkt der Karriere“, sagt die 27-Jährige, die sich genau daran für ihr 24. Länderspiel wieder orientieren möchte: „Wir werden alles daran setzen, dass wir die englischen Fans so ein bisschen zum Schweigen bringen. Die Vorfreude ist riesig und steigert bei mir die Anspannung.“

Im Stadion der Wolverhampton Wanderers wartet ein hochmotivierter EM-Gastgeber, der diesmal mit der Rückendeckung von erwarteten 13 000 Fans siegen will. Deutschland kann nach den Partien gegen Spanien (1:1) und Kanada (0:1) zwar das Turnier nicht mehr gewinnen, aber viel fürs Renommee tun.

Frohms gibt seit jenem England-Erlebnis einen zuverlässigen Rückhalt der DFB-Frauen. Es deutet alles darauf hin, dass ihr Ann-Katrin Berger vom FC Chelsea oder Almuth Schult vom VfL Wolfsburg den Platz für die EM (6. bis 31. Juli) nicht mehr streitig machen können. Dafür hält die Nummer eins viel zu konstant. Auch ihr persönlicher Reifeprozess ist beachtlich. Es gelingt ihr immer besser, sich auch abseits des Platzes als Nummer eins zu präsentieren, wie das Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg von ihr fordert.

Klarer Karriereplan

Gerade deshalb tut es der Eintracht ja so weh, dass die in Celle geborene Torfrau den Weg in Frankfurt nicht mitgeht, sondern im Sommer nach Wolfsburg zurückkehrt, wo Schult ihren Vertrag nicht verlängert. „Ich weiß sehr zu schätzen, was für ein Umfeld mir in Frankfurt geboten wird, was die Mannschaft für ein Potenzial hat – und was sie auch in den nächsten Jahren erreichen wird. Allerdings hat sich für mich die Frage gestellt, was ich in den nächsten Jahren mit Blick auf die anstehenden Turniere brauche, um mich weiterzuentwickeln. Und da habe ich für mich beschlossen, dass ich den internationalen Wettbewerb auf Vereinsebene möchte“, erklärt Frohms. „Und dann kamen in Deutschland nur wenige Mannschaften infrage. Dass es dann letztlich Wolfsburg wurde, ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass ich aus der Nähe komme, dass meine Familie in der Nähe ist, dass ich den Verein schon kenne.“

Auch Offerten aus dem Ausland waren an sie herangetragen worden, „das habe ich aber relativ schnell beiseite geschoben“, weil sie fürchtete, dass der Austausch mit den DFB-Torwarttrainern leiden könnte. Sie hat sich nämlich fest vorgenommen, im Nationalteam die nächste Ära zu prägen. Die Messlatte liegt hoch: Vor Almuth Schult haben auf dieser Position mit Nadine Angerer und Silke Rottenberg zwei weitere Persönlichkeiten jede auf ihre Art das Torwartspiel im internationalen Vergleich geprägt – und fast nebenbei noch reichlich Titel eingesammelt.

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