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Eintracht: Torhüter Kevin Trapp folgt seinem Herzen und sagt Manchester United ab

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Von: Daniel Schmitt

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Torwart Kevin Trapp beendet die Wechselspekulationen höchstpersönlich und bleibt bei Eintracht Frankfurt. Ihm winkt nun eine Vertragsverlängerung.

Frankfurt - Bei dieser Nachricht flogen ihm endgültig die Herzen zu - bildlich wie virtuell. Am Donnerstagvormittag, eine knappe Stunde vor der ersten Trainingseinheit des Tages, zog Kevin Trapp höchstselbst einen Schlussstrich unter das Transfertheater um seine Person. Die Kernbotschaft seiner Instagram-Nachricht: Er, der Torhüter von Eintracht Frankfurt, bleibt dem hessischen Fußball-Bundesligisten weiterhin erhalten. „In den vergangenen Tagen wurde viel über das Interesse von Manchester United berichtet“, begann der 32-Jährige: „Es stimmt, dass ein schriftliches Angebot vorliegt.“

Und da es sich bei den Engländern eben um den Premier-League-Rekordmeister und eine Weltmarke des Fußballs handele, könne hoffentlich jeder verstehen, „dass ich mich damit auseinandersetze.“ Aber, so Trapp: Am Mittwoch habe er den Verantwortlichen beider Verein mitgeteilt, „dass ich mich für die Eintracht entschieden habe.“ Ay Caramba, Thema durch. Kollektives Aufatmen in Frankfurt, vor allem bei den Fans, die doch arg nervös geworden waren in den vergangenen Tagen, ob womöglich nach Martin Hinteregger und Filip Kostic eine weitere tragende Säule des Teams wegbrechen würde.

Frankfurter gute Laune: Beim Benefizspiel zu Ehren von Michael Schumacher traf Eintracht-Torwart Kevin Trapp auf Dirk Nowitzki.
Frankfurter gute Laune: Beim Benefizspiel zu Ehren von Michael Schumacher traf Eintracht-Torwart Kevin Trapp auf Dirk Nowitzki. © dpa

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp bleibt

Doch sicher auch bei den Eintracht-Verantwortlichen. Die waren zwar stets ruhig geblieben in ihrer Außendarstellung, vermittelten nie den Eindruck, ein Trapp-Verkauf stehe ernsthaft im Raum, doch: Man weiß ja nie in dieser verrückten Fußballwelt. Festzuhalten bleibt auch: Ein Angebot von Manchester United lag bei der Eintracht nie auf dem Tisch.

„Ich habe hier in Frankfurt Unvergessliches erlebt und wir haben zusammen Geschichte geschrieben“, so Trapp weiter: „Der Saisonstart war holprig, aber ich habe absolutes Vertrauen in uns.“ Entsprechend der morgendlichen Ankündigung war der Ballfänger kurz drauf natürlich auch dabei im Mannschaftstraining. Ohnehin zählt er ja immer zu den lautesten Spielern auf dem Platz - so auch diesmal. Dort, auf den Fußballfeldern im Schatten der Arena, fühlt er sich einfach wohl, dort macht er sich nicht nur lang und wirft sich quer, dort schreit er auch seine Vorderleute an, kritisiert ihre inkonsequente Abwehrarbeit und zögerlichen Angriffsbemühungen. Nun ist Trapp kein Griesgram, der solche Arbeitstage unter der Woche gerne meckernd verbringt, im Gegenteil: Er will damit seine Mitspieler motivieren, sie antreiben zu besseren Leistungen – im täglichen Training, vor allem aber im nächsten Bundesligaspiel am Sonntag beim Aufsteiger Werder Bremen. Dort kommt’s drauf an, dort will und sollte die Eintracht liefern, den ersten Saisonsieg einfahren. Das weiß auch Kevin Trapp.

Solch eine Anfrage eines Weltklubs wie United flattert selbst bei einem Mann von Welt wie Kevin Trapp nicht jedes Jahr rein. Höchstens zweimal in der Karriere. Da fühlt man sich natürlich geschmeichelt, ist stolz darauf, dass die eigenen Leistungen derart anerkannt werden, man kommt ins Grübeln.

Eintracht Frankfurt: United-Trainer Erik ten Hag ist großer Fan von Trapp

Gerade United-Trainer Erik ten Hag soll ein großer Fan des deutschen Internationalen sein, wollte ihn nach Manchester lotsen. Letztlich entschied der 32-Jährige sich dagegen, folgte dem Ruf von der Insel nicht. Ein Teil der Wahrheit ist aber auch: Die Eintracht saß in diesem Fall am längeren Hebel. Der bis 2024 geltende Kontrakt des Torhüters, der nun alsbald verlängert werden soll, brachte sie in diese komfortable Lage. Die Hessen konnten für sich bestimmen, ob und wenn überhaupt, ab welcher Ablösesumme sie doch weich werden würden.

Ein hoher einstelliger Millionenbetrag, wie kolportiert und nie bei ihnen als Angebot eingereicht, wäre das gewiss nicht gewesen, eher das Doppelte. Dass Manchester United ein derartiges Gesamtpaket (Vierjahresvertrag mit hohem Gehalt sowie eine hohe Ablöse) für einen Torwart in den Tagen bis zum 1. September überhaupt noch zu stemmen bereit gewesen wäre, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Engländer weitere kostenintensive Transferziele haben, ist zumindest fraglich. Finanziell wird sich das Transfergeschacher für Trapp, beraten von Volker Struth, einem Meister seines Fachs, dennoch mit der Vertragsverlängerung und den erhöhten Bezügen auszahlen.

Wie auch immer: Trapp bleibt. Das ist die Nachricht. Er wird sich mit der Eintracht alsbald mit vollem Elan ins Abenteuer Champions League stürzen. Etwas, das er mit Paris Saint-Germain zwar bereits erlebt hat, das für den Routinier im Kasten dennoch keine Routine ist. Nach zwölf Spielen im europäischen Elitewettbewerb ist nun wahrlich keine Sättigung von Königsklassen-Fußball bei ihm eingetreten.

Eintracht Frankfurt: Konzentration im Training

Die Frankfurter Mannschaft scheint von den Trapp-Turbulenzen der vergangenen Tage ohnehin kaum angefochten, sie erledigt ihren Dienst konzentriert und engagiert. Coach Oliver Glasner greift viel ein in den Trainingseinheiten, unterbricht oft, feuert seine Spieler lautstark an - und er schlägt auch mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn die Offensivkräfte einen falschen Laufweg hinlegen. In diesen Szenen scheint er kurz zu verzweifeln am Rand, ehe sofort des Trainers Korrektiv folgt. Glasner läuft dann mitten auf den Platz, holt sich die Alarios, Lindströms, Kolo Muanis heran und erklärt. Gestenreich, deutlich vernehmbar, auf Deutsch, Englisch, oft auf Denglisch.

Das Schöne daran aus Sicht des Trainers: Es zeigte Wirkung. Am Mittwochabend zum Beispiel, nur ein, zwei Angriffe nach einer Kurskorrektur des Fußballlehrers, bietet sich Lucas Alario im Zentrum kurz an. Der Stürmer lälsst den Ball abtropfen auf einen Mittelfeldspieler, der sofort den durchstartenden Ansgar Knauff steil schickt. Ein Schuss, ein Tor, Glasner Reaktion: „Yes, yes, ja, ja.“ Und hinten im Kasten klatscht Kevin Trapp gut gelaunt vor sich hin. (Daniel Schmitt)

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