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Frust pur: Kevin-Prince Boateng.
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Frust pur: Kevin-Prince Boateng.

Eintracht - Freiburg

Eintracht sucht die Balance

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Der Frankfurter Bundesligist kommt gegen den SC Freiburg nicht über ein Remis hinaus, zeigt aber zeitweise eine spielerisch ansprechende Leistung.

Lukas Hradecky, eigentlich ein umgänglicher, freundlicher und aufgeschlossener Mann im besten Alter, stiefelte wie von der Tarantel gestochen in die Kabine. Kein Blick nach rechts oder links, ab durch den Tunnel hinein ins Heiligste einer Fußballmannschaft. Der Torwart beendete seinen Arbeitstag mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch und noch mehr Frust im Kopf. Auch Trainer Niko Kovac war sichtlich angefressen. „Ich ärgere mich immens“, giftete er. „Ich bin maßlos verärgert, ich bin stinkig.“ Dicke Luft im Stadtwald. 

In erster Linie war es die mangelhafte Chancenverwertung seiner Mannschaft, die ihm die Laune verdorben habe. „Wir hatten gefühlt, vier, fünf Hochkaräter.“ Doch wenn man sie nicht nutze, dann steht man eben mit leeren Händen oder fast leeren Händen da. Denn dieses 1:1 (1:0) gegen den SC Freiburg fühlte sich an wie eine Niederlage. Keine Frage. Und es sind gewiss nicht nur die Fahrkarten, die dem Fußballlehrer den Tag vergällt haben. Auch der eklatante Leistungsabfall nach der Pause dürfte ihm ein Dorn im Auge sein und ihn nachdenklich stimmen. 

„Die zweite Halbzeit war schlecht, aber es war ja auch nicht so, dass uns Freiburg an die Wand gespielt hat“, urteilte er. Im Eintracht-Lager war die Enttäuschung auch deshalb so groß, weil die Mannschaft einen Big Point verbaselt und die große Chance verpasst hat, sich oben festzusetzen. Wenn man das möchte, dann muss man eine Führung verteidigen und ein solches Spiel gegen biedere Breisgauer gewinnen – egal wie. Allein die Torschussstatistik spricht Bände: 14:2 für die Eintracht. 

Es war dennoch bedenklich, wie die Frankfurter im zweiten Durchgang abfielen und sich durch das Gegentor durch Robin Koch (51.), der die Führung durch Sebastien Haller (25.) egalisiert hatte, aus der Bahn werfen ließen. Da schien es, als habe ihnen jemand den Stecker gezogen. Dabei hatten die Schwarzwälder nur an ein paar wenigen Stellschrauben drehen müssen, um der Eintracht den Saft abzudrehen. SC-Trainer Christian Streich machte mit der Einwechslung von Mohamed Dräger die rechte Flanke zu, auf der Timothy Chandler in der ersten Halbzeit Betrieb gemacht hatte, er verdichtete das Mittelfeld und ließ sein Team einen Tick aggressiver und früher attackieren. Im Grunde brachten die Hessen in der zweiten Halbzeit 35 Minuten lang nichts Konstruktives mehr auf die Reihe, da verfielen sie in den alten Trott.

Erst in den letzten zehn Minuten konnten sie wieder mehr Druck entwickeln, hatten das Spiel in den Griff bekommen und noch Möglichkeiten, den Sieg zu erzwingen. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Frankfurter eine gute, ansprechende erste Hälfte hingelegt hatten. „Ich bin glücklich, wie wir in den ersten 45 Minuten Fußball gespielt haben. Dafür muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen“, sagte der Trainer. Da war das Bemühen zu spüren, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen zu wollen. Endlich wurden die Bälle mal nicht nur lange nach vorne gespielt in der Hoffnung, Sebastien Haller werde schon irgendetwas damit anfangen können. Es wurde versucht zu kombinieren und den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen.

Spielerisch war es auch deshalb ansehnlich, weil in Rückkehrer Omar Mascarell, Kevin-Prince Boateng, Mijat Gacinovic, Marius Wolf oder auch Makoto Hasebe Spieler in der Anfangsformation standen, die mit der Kugel nicht auf Kriegsfuß stehen. Dieser Weg ist der richtige, er sollte nicht verlassen werden – auch wenn es Rückschläge geben sollte.  Was auffällt, ist, dass die Frankfurter  zu unstet sind, keine Konstanz in ihrem Spiel haben, zumindest nicht über die gesamte Distanz. „Wir schaffen es einfach nicht, zwei gute Halbzeiten zu spielen“, kritisierte Kovac. Mal ist das Ensemble zu Beginn schläfrig (Berlin, Hamburg), mal eher im zweiten Abschnitt wie in Hoffenheim oder gegen Freiburg. Die Eintracht sucht die Balance, den gesunden Mittelweg. 

Kovacs Arbeit ist noch lange nicht abgeschlossen, er werkelt weiterhin beharrlich an den Schwächen seiner Spieler. Im zweiten Abschnitt etwa habe seine Mannschaft nicht mehr die Ruhe gehabt, sich zu befreien. Sie habe zu wenige diagonale Bälle und generell ohne „gesunde Passschärfe“ gespielt, sich zudem nicht schnell genug orientiert. Was vordergründig belanglos klingt, sind für den Fußballlehrer die elementaren Dinge auf diesem Niveau; Kleinigkeiten, die eine gute von einer sehr guten Mannschaft unterscheiden. Die Fähigkeit, schon vorher zu wissen, was im Rücken abläuft, welche Räume sich ergeben und eben die nötige Präzision und Härte der Pässe stehen für Niko Kovac über allem. „Da müssen wir reifen.“ Das könnte noch eine Zeitlang dauern.

Die Europapokalplätze sind für die Eintracht, bei der gegen Freiburg interessanterweise nur drei Neuzugänge in der Startelf standen (im ersten Saisonspiel an der Dreisam waren es doppelt so viele), nach wie vor in erreichbarer Entfernung, aber selbst wenn sie im Mittelfeld des Tableaus verweilen sollte, ist das in Ordnung und mehr als ihr vor Saisonbeginn zugetraut wurde. Die Mannschaft ist generell auf einem guten Weg, aber sie hat eben auch natürliche Grenzen, an die sie manches Mal stößt. „Die Mannschaften, die vor uns stehen, stehen dort zu Recht. Sie haben andere Möglichkeiten und eine ganz andere Qualität“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. 

Eine gute Chance verpasst

Und wenn die Eintracht wirklich die internationalen Startplätze attackieren wollte, müsste sie dringend an ihrer Heimbilanz arbeiten. Denn die ist ziemlich kümmerlich. Auch am Samstag hat sie wieder eine gute Chance verpasst, auf diesem Sektor zu punkten. Die Frankfurter haben von neun Heimpartien lediglich zwei gewonnen (aber vier verloren), dabei ein negatives Torverhältnis (10:12). Nur Bremen und Köln sind zu Hause noch schlechter. Am kommenden Samstag tritt die Eintracht gegen den VfL Wolfsburg an – glücklicherweise in der Autostadt.

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