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Die bärenstarke Eintracht-Offensive: Luka Jovic (links) und Ante Rebic (rechts) werden vom emsigen Filip Kostic geherzt.

Eintracht Frankfurt

Eintracht-Sturm: Brandgefährlich und kaltschnäuzig

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die furiose Eintracht-Offensive macht auch in Sinsheim den Unterschied.

Die Frage ist womöglich etwas provokant gewesen, sie war an den Hoffenheimer Trainer Julian Nagelsmann gerichtet und lautete in etwa, ob seine Verteidiger denn nicht in Panik verfallen seien, wenn der Frankfurter Powerriegel Ante Rebic auf sie zugestürmt kam. Julian Nagelsmann, ein moderner Trainer, der nicht so gerne verliert, stutzte einen Moment und bedeutete: „Meine Abwehrspieler haben keine Panikattacken bekommen, so viele Aktionen hatte Ante Rebic nicht.“ Eine Meinung, die der Fußballlehrer doch ziemlich exklusiv hatte. 

Der kroatische Stürmer war beim 2:1 (1:0)-Auswärtserfolg der Eintracht in Sinsheim wieder einmal der Mann, der den Unterschied machte, der die Hessen mit seinem „Weltklassetor“ (Marco Russ) zur Führung (40.) auf die Siegesstraße brachte und die Hoffenheimer mit seinen rasanten Soli gerade im zweiten Abschnitt gehörig durcheinanderwirbelte. 

Zur Wahrheit gehört auch: Ante Rebic gefährdete den Dreier der Hessen, weil er sich zu zwei unbedachten Aktionen hinreißen ließ: Im ersten Durchgang meckerte er so lange, bis er die Gelbe Karte sah, im zweiten zog er den TSG-Verteidiger Kevin Akpoguma mit so viel Verve am Trikot, dass Schiedsrichter Daniel Siebert die Ampelkarte für die richtige Antwort hielt. Eine korrekte Entscheidung. 

Das bedeutete auch, dass die Eintracht fast eine halbe Stunde in Unterzahl überstehen musste, was sie mit viel Willen, Geschick und Glück auch schaffte. Es war eine wahre Abwehrschlacht, die die tapferen Frankfurter den wild anrennenden Kraichgauern da lieferte. Die Verteidigung um die überragenden Leistungsträger Kevin Trapp und Makoto Hasebe hat den dritten Sieg hintereinander nach Hause geschaukelt– ermöglicht hat ihn erneut die Abteilung Attacke. 

In Sinsheim hatte neben Ante Rebic auch noch Luka Jovic getroffen, kurz nach der Pause zum 2:0 nach einem sehenswerten Angriff über Mijat Gacinovic und den emsigen Filip Kostic. Jovic steht nun auch schon bei vier Pflichtspieltoren, obwohl er am Anfang selten zum Zug kam. „Aus fünf Chancen macht er vier Tore“, lobte Trainer Adi Hütter den Torjäger, den er kurzerhand „Knipser“ nennt. 

Jovic mit Instinkt

Der Serbe ist ein außergewöhnlicher Angreifer, einer mit Instinkt und Gespür, ein Vollbluttorjäger. Aber auch die Sturmkollegen sind nicht von schlechten Eltern, in spielerischer Hinsicht und in puncto Kaltschnäuzigkeit. „Ich habe gewusst, dass wir Spieler haben, die relativ wenig Chancen brauchen“, sagte Coach Hütter. Die Eintracht ist sehr effektiv, viele Möglichkeiten vergeben die Stürmer in der Tat nicht, die Chancenverwertung ist herausragend. Das ist auch eine Qualität. Von den zwölf Toren in der Bundesliga sind neun von Angreifern erzielt worden.

Zudem: Die Treffer der Mittelfeldspieler Jonathan de Guzman und Gelson Fernandes sind von den Angreifern Rebic und Sebastien Haller vorbereitet worden, einzig und allein beim Tor von Evan Ndicka hatte keine Eintracht-Offensivkraft seine Füße im Spiel. Auch in der Europa League gingen drei von sechs Toren auf die Stürmer. 

Im Angriff sind die Frankfurter ausgezeichnet besetzt. Da können ihnen nicht viele Konkurrenten das Wasser reichen. „Ich war mir unserer Durchschlagskraft und Power von Anfang an bewusst“, betonte der Coach. „Da sind wir im Bundesligavergleich gut aufgestellt.“ Am Sonntag im Kraichgau erhielt Sebastien Haller mal eine Verschnaufpause, weil der Franzose fast alle Spiele gemacht hatte. Der 24-Jährige, der bisher drei Treffer erzielt hat, hat nun schon seit sechs Pflichtspielen nicht mehr getroffen, aber das soll seine Leistungen keineswegs schmälern. Im Gegenteil: Der Mittelstürmer hält die Bälle, hat sich spielerisch klar verbessert und ist an fast allen Frankfurter Toren beteiligt. Wohl dem, der eine solche Offensivreihe für sich arbeiten lassen kann. 

Ante Rebic, der kroatische WM-Star und Frankfurter Pokalheld, ist dennoch der Spieler da vorne, der noch heraussticht, der durch seine ungezügelte Art und seine Unberechenbarkeit den Unterschied macht, der durch seine Geschwindigkeit, seine Robustheit und Dynamik dem Gegner wehtun und empfindlich treffen kann. „Dass er mit einem Topspeed von 34 km/h auch mal Kontersituationen heraufbeschwören kann, ist ja klar“, bekundete denn sogar TSG-Coach Nagelsmann. 

Das Spiel in der Rasenfunk-Schlusskonferenz Analyse

Für Eintracht-Kapitän Marco Russ ist Rebic einfach ein „Ausnahmespieler“, da wollte Arbeitsbiene Gelson Fernandes nicht zurückstehen und lobte ausgiebig: „Er spielt sauber und konzentriert. Er ist klar im Kopf und hat Ambitionen. Das merkt man. Wir müssen hoffen, dass er gesund bleibt.“ 

Rebic mit Impulsivität

Trainer Hütter bezeichnet den den 24-Jährigen als „unangenehmen, außergewöhnlichen Spieler“, der glücklicherweise die Farben der Eintracht trägt. „Ich bin froh, ihn in den eigenen Reihen zu haben und nicht beim Gegner zu wissen.“ Die Gelb-Rote Karte nahmen ihm die Mitspieler nicht krumm. Der impulsive Rebic, sagte Mitspieler Mijat Gacinovic, pendele so ein bisschen zwischen Genie und Wahnsinn, und dann kommen solche Aktionen schon mal vor. „Es ist auch, weil er so aggressiv spielt.“ Ändern wolle man ihn nicht. „Man sieht, wie wichtig er ist“, führte Gacinovic aus. „Wahnsinn, was er leistet.“

Und dann, ganz zum Schluss, sagte Adi Hütter einen Satz, der zwar lapidar klang, aber bei genauerer Betrachtung fast schon als Drohung interpretiert werden könnte: „Ante hat noch gar nicht den Rhythmus, den kann er nach der langen Pause noch gar nicht haben. Er ist noch nicht bei 100 Prozent.“ Alles eine Frage der Zeit, und vielleicht überzeugt er dann auch Julian Nagelsmann. 

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