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Eintracht-Stürmer Lucas Alario: „Ich bin ein sehr selbstkritischer Typ“

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Von: Daniel Schmitt

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„Ich will mir einen Startplatz erkämpfen“, sagt Neuzugang Lucas Alario, bisher meist Ersatz.
„Ich will mir einen Startplatz erkämpfen“, sagt Neuzugang Lucas Alario, bisher meist Ersatz. © Imago/HJS

Eintracht-Angreifer Lucas Alario spricht im Interview über schlaflose Nächte, das Bremen-Spiel, die Königsklasse, den WM-Traum und seine Liebe zum Barfußfußball.

Herr Alario, man hört, Sie spielen Fußball am liebsten barfuß. Stimmt das?

Ja, das stimmt schon (lacht). Das habe ich vor allem früher als Kind immer gemacht.

Woher kommt das? Erklären Sie bitte.

Ich liebe einfach das Gefühl, den Rasen unter meinen Füßen zu spüren. Und als Kind bin ich selbst im Alltag oft barfuß rumgelaufen. Fragen Sie mich bitte nicht warum, das war einfach so. Mittlerweile spiele ich Fußball aber meistens nur noch im Urlaub ohne Schuhe.

Im Trainingsalltag wäre das in der Tat eher schwierig. Die Stollen von, sagen wir, Evan Ndicka würden sicher sehr stark schmerzen.

Ja, das auf alle Fälle. Das lasse ich lieber bleiben (lacht).

Sie haben eben kurz von sich als Kind gesprochen. Wie sind Sie damals zum Fußball gekommen?

Meine Familie war schon immer fußballbegeistert, mein Vater, meine beiden Brüder. Wir haben uns im Fernsehen oft Spiele angesehen und sie dann am nächsten Tag nachgespielt. Daran kann ich mich sehr gut erinnern. Das hat Spaß gemacht. Es waren auch viele europäische Spiele dabei, dadurch ist die Liebe zu diesem Sport entstanden. Anfangs habe ich oft mit meinen Brüdern einfach nur daheim gekickt, später dann in einem Dorfverein, ehe es mit der Zeit immer professioneller wurde.

Und irgendwann standen Sie bei River Plate in Buenos Aires, einem der populärsten Klubs Argentiniens, unter Vertrag. Dort haben Sie unter anderem die berüchtigten Stadtderbys gegen Boca Juniors erlebt. Wie war das damals für Sie?

Meine Mutter ist ein River-Fan, meine Brüder sind eher für Boca - wir hatten da also schon innerhalb der Familie eine gewisse Rivalität. Die Derbys waren dann natürlich besondere Spiele: Da hat es schon die ganze Woche über gekribbelt, bis es endlich losging. Man hat es kaum erwarten können. Diese Duelle sind die ganz großen Spiele in Argentinien und waren daher auch für mich besondere Erlebnisse. Sie sind mit Emotionen verbunden, die ich sonst noch nirgends gespürt habe.

Sie werden Anfang Oktober 30 Jahre alt, haben bei der Eintracht einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Könnten Sie sich vorstellen, anschließend in Argentinien Ihre Karriere zu beenden?

Vorstellen kann ich mir das, ja. Mich würde es schon freuen, irgendwann noch einmal in meiner Heimat zu spielen, flüchtig habe ich mir darüber auch Gedanken gemacht. Aber, und das ist ganz klar, dies ist noch weit weg. Ich habe hier bei der Eintracht und in Europa noch ein paar Jahre vor mir, die ich nutzen und Gas geben will. Solange der Körper und der Geist mitspielen, will ich auf höchstmöglichem Niveau weiterspielen. Ich liebe Fußball.

Vor einigen Wochen noch konnten sich viele folgendes Szenario vorstellen: Flanke Filip Kostic, Kopfball Lucas Alario, Tor für Eintracht Frankfurt. Daraus wird nichts. Was geht einem Mittelstürmer durch den Kopf, wenn plötzlich der beste Vorlagengeber weg ist?

Es geht da gar nicht darum, was ich denke, sondern wie wir als Mannschaft Filips Abgang kompensieren. Er hat viele Spiele für die Eintracht mitentschieden, viele Tore geschossen, viele vorbereitet. Und es war erstmal ungewohnt für uns, ohne ihn in einem neuen System zu spielen. Aber das wird sich bessern.

Bisher saßen Sie in drei von vier Pflichtspielen zu Beginn nur auf der Bank. Unzufrieden damit?

Mir geht es gut, ich fühle mich hier wohl. Es ist normal, dass sich die neuen Spieler erst an die Vorgaben des Trainers gewöhnen müssen. Ich will mich einfach für jedes Spiel gut vorbereiten, konzentriert sein und die Zeit nutzen, die ich auf dem Platz stehe, um der Mannschaft zu helfen.

Zur Person

Lucas Alario , 29 Jahre alt, geboren in Tostado im Nordwesten Argentiniens, schießt in jedem zweitem Bundesligaspiel ein Tor - zumindest statistisch. Obwohl er in den letzten fünf Jahren bei Bayer Leverkusen nicht immer zum Stammpersonal zählte, beförderte der Stürmer den Ball im Schnitt alle 139 Minuten ins Netz. Bei der Eintracht unterschrieb Alario einen Dreijahresvertrag. Titel sammelte er bisher nur in seiner Heimat, mit River Plate, dem Klub aus Buenos Aires, holte er 2015 die Copa Libertadores, die südamerikanische Champions League. Liiert ist Alario mit Agustina Albertario, einer professionellen Hockeyspielerin, die mit Argentinien bei den Olympischen Spielen in Tokio die Silbermedaille gewann. Die 29-Jährige ist in ihrer Heimat deutlich bekannter als Alario. Sie spielt derzeit für den deutschen Meister aus Düsseldorf. dani

Aber Sie wollen doch einen Platz in der Startelf, oder?

Klar, das will doch jeder, natürlich will ich mir einen Startplatz erkämpfen. Aber das ist nun mal die Entscheidung des Trainers. Ich will gut und konzentriert arbeiten, um der Mannschaft bestmöglich zu helfen.

Beim Spiel in Berlin haben Sie eine Riesenchance ausgelassen. Was macht so etwas mit Ihnen? Schlafen Sie danach schlecht oder fällt es Ihnen leicht, auch negative Momente abzuhaken?

Ich bin ein sehr selbstkritischer Typ. Diese vergebene Chance hat mich sehr geärgert, weil mir sofort bewusst war, dass sie den ganzen Spielverlauf hätte ändern können. Aber es ist nicht mehr zu ändern. Ich blicke nach vorne und will es beim nächsten Mal besser machen.

Am Sonntag (17.30 Uhr/Dazn) steht das Spiel bei Werder Bremen an. Was erwarten Sie?

Werder wird sehr motiviert sein. Sie sind ein Aufsteiger, spielen daheim vor einer lauten Kulisse, zudem haben sie zuletzt in Dortmund das Spiel noch mit drei späten Toren gewonnen. Sie werden mit viel Selbstvertrauen in die Partie gehen. Ich rechne daher mit einem ausgeglichenen Spiel. Aber auch wir haben es zuletzt gegen Köln besser gemacht. Es fehlt uns noch, im letzten Drittel genauer zu sein, die Tore zu machen und damit die Spiele zu gewinnen.

Nach Bremen wartet bald die Champions League. Sie haben mit Bayer Leverkusen fünfmal in der Königsklasse auflaufen dürfen. Was bedeutet dieser Wettbewerb einem Fußballer?

Einer von mehreren Punkten für meinen Wechsel zur Eintracht war, dass wir Champions League spielen. Es ist einer der besten Wettbewerbe der Welt, der einen Riesenspaß macht. Es motiviert mich, neben der attraktiven Bundesliga auch gegen internationale Top-Mannschaften große Spiele und emotionale Abende zu erleben. Ich freue mich sehr darauf.

Und was ist drin?

Alle Mannschaften haben das Ziel, in ihrer Gruppe weiterzukommen. Dass das nicht einfach wird, darüber brauchen wir nicht reden. Es gilt einfach, sich gut auf die Spiele vorzubereiten, sie mit viel Freude anzugehen und das Beste herauszuholen.

Um in der Zeit noch ein paar Monate weiter zu springen: Ist für Sie eine WM-Teilnahme mit Argentinien noch ein Thema? Sie haben bisher neun Spiele für die Albiceleste gemacht, das letzte jedoch im November 2020.

Ja, der Traum und die Hoffnung sind immer da. Es ist zwar wenig Zeit bis zur WM, dafür stehen aber viele Spiele an, in denen ich mich empfehlen kann. Auch wenn gerade die Offensive bei unserem Nationalteam stark besetzt ist, werde ich alles dafür geben, dabei zu sein. Ich gebe den Glauben daran nicht auf.

Interview: Daniel Schmitt

Übersetzung: Rafael Francisco

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