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Bittet zum Schwof: Goncalo Paciencia.

Eintracht - Inter

Auf ein Tänzchen

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    Daniel Schmitt
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Stürmer Paciencia bringt eine neue Note ins Offensivspiel der Eintracht, in Mailand wird er dennoch erst mal zuschauen müssen.

Knapp zehn Minuten vor dem Abpfiff bat Goncalo Paciencia zum Tänzchen. Er, der Stürmer von Eintracht Frankfurt, mit dem Ball am Fuß. Sie, die zwei Düsseldorfer Mittelfeldspieler, mit völliger Beinfreiheit. Goncalo Paciencia also eröffnete. Er tippte mit der Sohle kurz auf den Ball, die beiden Düsseldorfer wackelten im Takt zur Seite. Dann eine schnelle zweite Berührung, und husch, bevor die zwei Gastgeber überhaupt ihren zweiten Schritt machen konnten, war der geschmeidige Paciencia schon an ihnen vorbeigezogen. Eine Raunen hallte durchs weite Rund, gefolgt vom Szenenapplaus aus der Frankfurter Fankurve und einem Sonderlob nach Spielschluss von Adi Hütter: „Goncalo hat eine ausgesprochen gute Technik“, sagte der Frankfurter Trainer nach dem verdienten 3:0-Erfolg seiner Mannschaft in Düsseldorf: „Es macht Spaß, ihm zuzuschauen.“

Goncalo Mendes Paciencia, von den Teamkollegen nur Gonco genannt, 24 Jahre alt, in Porto geboren, ab dem achten Lebensjahr beim dortigen Vorzeigeklub zum Fußballprofi ausgebildet, war zuletzt zweimal der Unterschiedsspieler der Eintracht. Vor elf Tagen köpfte er im Heimspiel gegen Hoffenheim in allerletzter Minute den 3:2-Siegtreffer, am Montagabend in Düsseldorf nickte er kurz nach der Pause in nahezu identischer Manier den Ball zur 1:0-Führung über die Linie. Ob er denn besorgt sei, nur auf diese Art und Weise Tore erzielen zu können, also per Kopf aus kurzer Distanz, wurde Paciencia scherzhaft anschließend gefragt. Seine Antwort: „Wenn ich in jedem Spiel so treffe, bin ich nicht besorgt.“ Der portugiesische Strahlemann strahlte.

Eintracht-Stürmer Paciencia ist ein technisch begabter Kicker

Im Angriff der Eintracht läuft es dank des Trios Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic ja die ganze Saison schon äußerst passabel, ach was überragend. Nur die Ausnahmeklubs aus Dortmund und München erzielten bisher mehr Tore in der Liga. Durch den in der Hinrunde wegen eines Außenmeniskusrisses im Knie ausgefallenen Paciencia hat Trainer Hütter mittlerweile aber eine vierte Alternative hinzugewonnen. Eine, die eine Qualität mitbringt, die die anderen nicht in dieser Ausgeprägtheit vorzuweisen haben - fußballerische Eleganz.

Paciencia ist trotz seiner 1,84 Meter Körperlänge und der damit verbundenen Kopfballstärke vor allem technisch ein äußerst begabter Kicker. „Wir sind in der Breite durch Goncalo noch besser aufgestellt, er macht uns noch schwieriger ausrechenbar“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Paciencia stand bisher in sechs Pflichtpartien auf dem Rasen, er spielte insgesamt nur 123 Minuten, erzielte dabei drei Tore, der Ball zappelte also alle 41 Minuten im Netz. Nicht ganz schlecht.

Aber sicher noch nicht gut genug, um am Donnerstagabend im Rückspiel des Europa-League-Achtelfinales bei Inter Mailand erneut den Vorzug vor dem zweiten Frankfurter Tänzer mit dem Ball zu erhalten: Sebastian Haller. Der Franzose wurde von Coach Hütter in Düsseldorf für höhere Aufgaben im San Siro geschont, kam spät in der 80. Minute, fiel danach erst einmal durch zwei einfache Ballverluste auf, ehe er in der Nachspielzeit mit einem gekonnten Hüftwackler erst Fortuna-Keeper Rensing und dann zwei Abwehrmänner ins Leere laufen ließ. Haller traf und setzte kurz darauf per Abstauber seinen 14. Saisontreffer noch obendrauf. In Mailand wird er ganz sicher wieder von Anfang an stürmen.

Bei Ante Rebic „wird es eng“

An seiner Seite dürfte dann entweder Luka Jovic attackieren, der in Düsseldorf auffällig bemüht agierte, fünf Mal aufs Tor zielte, den Ball aber nicht unterbrachte, oder aber Ante Rebic. Der Kroate reiste vor Wochenfrist wegen seiner Kniebeschwerden nach Belgrad zu einem Arzt seines Vertrauens, absolvierte dort unter anderem muskelaufbauendes Krafttraining im Fitnessraum und kehrte gestern Mittag nach Frankfurt zurück.

Detaillierte Infos über seinen Gesundheitszustand und die Einsatzchancen am Donnerstag gibt es keine. Die Eintracht hält sich bedeckt. Direkt nach dem Spiel in Düsseldorf sagte Sportdirektor Hübner lediglich, dass es bei „Ante eng wird“. Eine Aussage, die die Verantwortlichen schon vor einer Woche getätigt hatten. Vielleicht ein gewiefter Bluff? Zumindest nicht unwahrscheinlich, immerhin sollen die Bänder im Knie des 25-Jährigen stabil sein. Trainer Hütter blieb ebenfalls vage: „Vielleicht ist er eine Option für Inter am Donnerstag.“

Wichtig wäre es aus Eintracht-Sicht allemal, wenn die Frankfurter in Mailand auf ihren wildesten Stürmer zurückgreifen könnten. Denn genau diese Zutat im Spiel der Hessen, diese Fähigkeit von Rebic, verrückte Dinge zu probieren, auch mal mit dem Kopf durch eine Abwehrwand zu donnern, hatte beim 0:0 im Hinspiel ein wenig gefehlt. Doch auch ohne Rebic sind die Frankfurter für den Fall der Fälle vorbereitet. „Wir können vorne wechseln, ohne an Torgefahr einzubüßen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner.

Die Frankfurter Tänzer mit dem Ball haben sich jedenfalls schon mal eingegroovt.

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