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Musste zum Auftakt der U-21-EM in Tschechien noch zuschauen: der Frankfurter Vaclav Kadlec (rechts). Spielt er künftig in Dänemark?

Eintracht-Kaderplanung

Eintracht spielt auf Zeit

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Die Kaderplanung bei Eintracht Frankfurt läuft auf vollen Touren: Die Eintracht würde außer Torhüter Kevin Trapp auch noch Takashi Inui,Vaclav Kadlec und Nelson Valdez ziehen lassen.

Natürlich hat Bruno Hübner seinen Sommerurlaub mal wieder absagen müssen. „Das kenn’ ich ja nicht anders“, sagt der Sportdirektor der Frankfurter Eintracht. „Letztes Jahr habe ich einen Trainer geholt, dieses Jahr habe ich einen Trainer geholt“, zählt der 54-Jährige auf. Aber er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass „mir das nächstes Jahr erspart bleiben wird“.

Nebenbei muss ja auch noch der Kader bestückt werden. Vier neue Spieler sollen mindestens kommen, doch unter Zeitdruck sieht sich Hübner nicht. Auch der Trainingsstart in elf Tagen am 1. Juli sei da kein Fixpunkt, an dem man sich orientieren könne. „Das mit den Neuen wird dauern“, betont Hübner. Aber es sei nicht so, dass Trainer Armin Veh aufgeregt mit den Hufen scharre. „Der Armin weiß das alles“, sagt Hübner. In der Vergangenheit konnte der Fußballlehrer seine Ungeduld dennoch nur schwerlich zügeln. In der Vorbereitung nach dem Wiederaufstieg machte Veh merklich Druck, weil die Eintracht zu wenige Abwehrspieler in ihren Reihen hatte. „So gewinnst du in der Bundesliga kein Spiel. Das ist Harakiri.“

Jetzt sei Veh deutlich entspannter, er wisse um die Situation und trage die Entscheidungen mit. „Wir telefonieren mehrmals täglich“, sagt Hübner. Veh sei über jeden Schritt informiert. Und: „Er ist total motiviert.“

Für Hübner hat jetzt die heiße Phase begonnen, es gehe nun „um die Machbarkeit“ verschiedener angedachter Transfers „und ob unsere Ideen greifen können“. Klar ist, dass die Preise jetzt noch relativ hoch sind und erst gegen Ende der Transferperiode fallen. Aber so lange wird die Eintracht sicher nicht bei allen Neuerwerbungen warten können und wollen. Und natürlich wäre es hilfreich, wenn sich die Einnahmenseite noch verbessern ließe.

Der wirtschaftliche Spielraum ist nämlich begrenzt, „die Finanzen sind ausgereizt“, befindet der Manager. Deshalb müsse der Klub entweder mit der einen oder anderen Spielerfinanzierung „ins Risiko gehen“ oder aber eigene Profis „werthaltig abgeben“. Das würde Freiräume schaffen, um die Mannschaft zu verstärken. „Wir haben ja immer gesagt, dass es ein Ziel von uns sein muss, Transfererlöse zu erzielen.“

Da ist die Sportliche Führung recht optimistisch. Bei Vaclav Kadlec sehen die Hessen gute Chancen, ihn für gutes Geld abgeben zu können. Verbrieft ist das Angebot des dänischen Meisters FC Midtjylland, der 2,5 Millionen Euro bietet. Kadlec ist auf dem Markt aber sehr begehrt, „er hat eine Wertigkeit“, bekundet Hübner. „Das merken wir.“ Deshalb hat die Eintracht auch keine Eile, ihn vorschnell abzugeben.

Die U-21-EM in Tschechien spielt dabei aber eher eine untergeordnete Rolle. Dass sich Kadlec, der im ersten EM-Spiel gegen Dänemark (1:2) gesperrt war, beim kontinentalen Titelkampf noch selbst ins Schaufenster stellen kann, glaubt der Sportdirektor nicht wirklich. Die Gastgeber spielen am 20. Juni gegen Serbien (18 Uhr), abschließend dann am 23. Juni gegen Deutschland (20.45 Uhr). Da kann so ein Turnier schneller beendet sein als es begonnen hat.

„Ich glaube nicht, dass Vaclav sich da noch großartig präsentieren kann“, sagt Hübner, der aber der festen Überzeugung ist, den vor zwei Jahren für 3,2 Millionen Euro gekommenen Stürmer veräußern zu können. „Wir werden da eine Lösung finden.“ Und wenn nicht? „Dann bleibt er bei uns.“ Die Frankfurter wären mittlerweile heilfroh, den 23-Jährigen kostenneutral wieder abgeben zu können. Der Plan war eigentlich mal ein anderer. Kadlec sollte der erste große Transfer mit Leuchtturmfunktion sein. Als er nach Frankfurt kam und gleich prächtig einschlug, da glaubten schon viele, dass es dieser Kadlec wäre, der sich mal gewinnbringend veräußern ließe.

Bauthéac kommt nicht

Diese Hoffnung trägt nun ein anderer auf seinen breiten Schultern, der Torhüter Kevin Trapp. Vieles wird bei den Frankfurter Transferbemühungen auch davon abhängen, wie es jetzt mit dem Schlussmann weitergeht. Bekannt und gesichert ist das Interesse von Paris Saint-Germain, dem Champions-League-Abonnenten. Doch zurzeit ist es ruhig. Die Eintracht spielt auf Zeit. Sie hat in einem ersten Schritt erst einmal erklärt, den Torhüter gerne halten zu wollen.

Das ist natürlich eine Facette des Pokerspiels. Nun liegt der Ball wieder beim Scheichverein aus Frankreich. Wenn dieser wirklich ernst macht und den Eintracht-Kapitän loseisen will, wird Paris Saint-Germain, dabei bleibt es, einen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben müssen. „Wir sind da ganz gelassen“, sagt Hübner. Einen warmen Geldregen könnte der Klub aber sehr wohl gut gebrauchen.

Freilich nicht, um Eric Bauthéac aus Nizza zu holen. Aus Frankreich hieß es, die Eintracht habe ein Auge auf den Linksaußen geworfen. Doch Hübner winkt ab. „Er ist uns angeboten worden, aber wir glauben nicht, dass er uns deutlich weiterhilft.“ Der nur 1,69 Meter große Flügelmann sei ein wuseliger Spieler, der jedoch oftmals den Überblick verliere. „Er hat den Kopf zu oft unten“, umschreibt es der Manager. Da sei Takashi Inui klar stärker. Und so lange die Eintracht keinen besseren als den Japaner habe, werde dieser auch bleiben. Für Inui kann die Eintracht auf eine angemessene Ablöse hoffen.

Sicher ist auch nicht, dass Nelson Valdez in Frankfurt bleiben wird. Der Paraguayer, zurzeit bei der Copa America für sein Land am Ball und mit einem schönen Tor gegen Argentinien am Start, ist ein Schützling von Ex-Trainer Thomas Schaaf gewesen. Ob Nachfolger Veh wirklich auf seine Dienste setzt, ist zweifelhaft. Doch ob es für den 31-Jährigen einen Markt gibt, steht auf einem anderen Blatt.

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