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Gleich schlägt’s ein: Martin Hinteregger (rechts) köpft das 1:0 für die Eintracht – unter gütiger Mithilfe von Donezk-Torwart Pjatow

Europa League

Eintracht: Gut, aber auch gut genug?

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Die Eintracht muss sich im Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinales  mit einem 2:2 begnügen.

Eintracht Frankfurt hat sich im Eisschrank Charkiw eine gute Ausgangsposition für das Erreichen des Achtelfinales in der Europa League verschafft. Mit einem 2:2 (1:1) bei Schachtjor Donezk haben die Hessen jetzt im Rückspiel am 21. Februar alle Möglichkeiten, ihre Erfolgsgeschichte auf internationaler Bühne fortzusetzen. Die Frankfurter profitierten freilich auch davon, dass Schachtjor gute 80 Minuten mit einem Mann weniger spielen musste. Am Ende agierten sie nicht konsequent genug, diesen Vorteil noch mehr auszunutzen. Interessanterweise endete vor fünf Jahren beim letzten internationalen Auftritt das Sechzehntelfinale ebenfalls 2:2, damals hieß der Gegner FC Porto. Und Porto schaffte im Rückspiel noch ein 3:3 und warf die Eintracht aus dem Wettbewerb. Das sollte Warnung genug sein. 

Wie erwartet hatte Trainer Adi Hütter seine Mannschaft ein bisschen defensiver ausgerichtet als in den letzten Bundesligabegegnungen. Dass aber ausgerechnet Sebastien Haller, eigentlich gesetzter Zielspieler im Zentrum, zunächst auf der Ersatzbank hatte Platz nehmen müssen, überraschte dann doch. Ante Rebic und Luka Jovic bildeten allein das stürmische Duo, als zusätzliche Absicherung neben Gelson Fernandes und Sebastian Rode nominierte Hütter Mijat Gacinovic, der im Mittelfeld hinter den Spitzen agierte.

Der Coach wollte in den zwei K.o.-Spielen nicht gleich im ersten volles Risiko gehen. Bis auf Haller spielte also jene Elf, die am vergangenen Samstag bei RB Leipzig ein torloses Remis erarbeitet hatte. „Mijat kann durch seine Spielweise, auch im defensiven Mittelfeld mal aushelfen. Er kann aber auch Akzente nach vorne setzen“, begründete Hütter. „Vorne habe ich mich diesmal für Rebic und Jovic entschieden.“ Offenbar aus dem Bauch heraus. Die Partie im eiskalten Metalist-Stadion zu Charkiw, das nicht einmal zur Hälfte gefüllt war und wo rund 3000 Frankfurter Fans für Stimmung sorgten, begann vielversprechend. Schon nach elf Minuten waren zwei Tore gefallen und Donezk-Mittelfeldspieler Taras Stepanenko nach zwei Fouls nach Ante Rebic und Sebastian Rode des Feldes verwiesen. Der Platzverweis spielte den Hessen natürlich nahezu perfekt in die Karten, 80. Minuten waren sie in Überzahl. 

Und der Eintracht war das gelungen, was ein Auftakt nach Maß genannt wurde. Bereits nach sieben Minuten hatten sie das gewünschte Auswärtstor erzielt. Freilich begünstigt durch einen schweren Fehler von Schachtjor-Torwart Andrej Pjatow, der einen Kopfball von Martin Hinteregger erst hinter der Linie zu packen bekam. Es war dies das erste Tor des linken Verteidigers für die Eintracht und entsprechend gefeiert wurde der wichtige Treffer vor der Eintracht-Kurve. Doch die Freude währte nur kurz: Keine zwei Minuten später schubste Evan Ndicka den Brasilianer Junior Moraes im Strafraum zu Boden und der englische Schiedsrichter Anthony Taylor, der keinesfalls englisch pfiff, entschied auf Strafstoß. Marlos, ein weiterer Brasilianer, ließ Kevin Trapp keine Chance, obwohl der Frankfurter Schlussmann die Ecke geahnt hatte. 

In der Folgezeit hatte die Eintracht das Spiel unter Kontrolle. Sie ließen in Überzahl Ball und Gegner laufen, ließen die Kugel zirkulieren, waren aber nach vorne nicht besonders zielstrebig, versuchten es zu häufig mit weiten Schlägen. Insbesondere Ante Rebic verzettelte sich immer wieder, verpasste den Ball, schluderte bei der Ballannahme, trotzdem hatte er noch eine gute Möglichkeit (26.), doch der Schuss strich am rechten Eck vorbei. Auch Luka Jovic, deutlich mehr bemüht als zuletzt in Leipzig, zielte einmal mit links knapp über das Tor (26.). Beide Male hatte der sehr agile Mijat Gacinovic die Vorarbeit geleistet, ohnehin gehörte der Serbe zu den Aktivposten.Er prüfte kurz vor der Pause Pjatow mit einem Fernschuss. Die Ukrainer, deren Saison erst am 23. Februar beginnt, verlegten sich vornehmlich auf Schadensbegrenzung und vereinzelte kleine Nadelstiche.

In der Halbzeitpause hatte Sportdirektor Bruno Hübner noch sehr selbstbewusst gesagt, man wolle „auf Sieg spielen“. Dazu müsste die Mannschaft „aber ruhiger am Ball bleiben, nicht so viele lange Bälle spielen und auch mal in die Tiefe gehen.“ Gesagt,getan: Keine fünf Minuten später hatte Jovic eine weite Flanke in den Strafraum gezogen, erneut machte Torwart Pjatow keine gute Figur und Filip Kostic drückte die Kugel volley zum 2:1 ins Tor (50.). Zehn Minuten später lenkte der ukrainische Schlussmann einen Freistoß von Rebic über die Latte. 

Und mitten hinein in die Frankfurter Überlegenheit fiel der Ausgleich. Er hatte sich angedeutet. Eben hatte Trapp noch klasse bei einem Schuss von Ismaily reagiert, der sich gleich gegen drei Frankfurter durchgesetzt hatte, gegen den Schuss des Superstars Taison (62.) hatte er dann keine Abwehrmöglichkeit mehr. Ohnehin wirkte die Frankfurter Hintermannschaft ein wenig zu sorglos, ließ die Ukrainer, nach wie vor in Unterzahl, immer besser ins Spiel kommen. Im Mittelfeld klaffte ein Loch, nach der Pause hatte Hütter Rode, ein Stabilisator,herausgenommen, und ihn durch Jetro Willems ersetzt. Der Niederländer fand nicht viel Bindung, vor allem war er deutlich offensiver orientiert. Und die Gastgeber kamen immer besser ins Spiel. Am 2:2 freilich änderte sich nichts mehr , selbst wenn die Hessen die Partie wieder in den Griff bekamen.

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