+
Trifft, wie er will, mit dem Fuß, mit dem Kopf, nur ohne Zopf: Luka Jovic, Eintracht-Stürmer.

Eintracht-Spieler gegen Deutschland

Eintrachts serbische Connection

  • schließen

Die Nationalspieler Jovic, Kostic und Gacinovic tragen maßgeblich zum Aufschwung der SGE bei und spielen am Mittwoch gegen Deutschland.

Für Luka Jovic begann der schwierigste Teil des sonntäglichen Arbeitstages, als die Kollegen längst unter der Dusche standen. Dieses Mal musste der 21-Jährige noch mal in einen letzten Zweikampf, in das Gespräch mit den Medien, und obwohl ihm mangels Sprachkenntnissen eine charmante Dolmetscherin zur Seite gestellt war, war dem Stürmerstar von Eintracht Frankfurt der Auftritt im Rampenlicht sichtbar unangenehm. Und dann musste er auch noch vor die Fernsehkamera. Dann lieber noch mal 90 Minuten gegen Inter Mailand.

Eintracht Frankfurt trifft auf Jovics alten Verein

Luka Jovic, über den mittlerweile halb Europa spricht und mit Dollarscheinen wedelt, ist ja keiner, der so furchtbar gern im Fokus steht, zumindest nicht, wenn kein Ball im Spiel ist. Dann wird der im Strafraum so muskelbepackte, überlebensgroße, furchtlose Athlet ganz schüchtern und zurückhaltend, redet nur das Notwendigste, bleibt im Ungefähren. Zu den Frankfurter Möglichkeiten, die Champions League zu erreichen, fiel ihm nur ein „immer weiter machen und das Beste herausholen“ ein. Und zur Europa League-Auslosung, die die Eintracht auf seinen alten Klub Benfica Lissabon treffen lässt: „Ich bin froh, dorthin zurückkehren zu können.“ Nein, ein Lautsprecher, ein Sprücheklopfer ist der heißeste Angreifer der Bundesliga wahrlich nicht, eher einer, der manchmal selbst etwas erstaunt wirkt über die eigene sensationelle Entwicklung vom No-name-Kicker, abgeschoben in die zweite Mannschaft Benficas, zum begehrtesten Stürmer Europas, dessen Marktwert auf runde 55 Millionen Euro taxiert wird. 

Nimmermüder Dampfmacher über links: Filip Kostic.

In dieser Saison, in der er den Durchbruch zum internationalen Topangreifer schaffte, hat der Serbe in 36 Pflichtspielen 22 Tore erzielt, 15 in der Liga, sieben in der Europa League. Seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, seine Abgezocktheit im Strafraum sind fast legendär, der Treffer zum 1:0 gegen Inter Mailand letzte Woche steht symptomatisch. Da lupft er die Kugel ins Eck, so als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Jovic, den sein Vater als Kind täglich die 150 Kilometer von seinem Heimatort nach Belgrad zum Training bei Roter Stern kutschierte, verfügt dazu über eine hervorragende Schusstechnik, ist beidfüßig und erstaunlich flink auf den Beinen. Und er braucht wenige Chancen, ein Tor zu erzielen, in der Bundesliga trifft er alle 106 Minuten. Und womöglich am Mittwoch im Freundschaftsspiel mit den Serben (gemeinsam mit Filip Kostic und Mijat Gacinovic) gegen Deutschland. Sofern ihn Nationaltrainer Mladen Krstajic aufstellt.

Bisher durfte er nur ganze dreimal in der serbischen Nationalelf spielen, warum auch immer; Krstajic vertraute mehr Aleksander Mitrovic vom FC Fulham, und ließ Jovic links liegen, bei der WM in Russland etwa kam Jovic gerade zwei Minuten zum Einsatz. Mittlerweile schwärmt der ehemalige Bundesligaprofi förmlich vom Frankfurter: „Er kann Großes erreichen“. Und vergleicht ihn kühn mit Barcelonas Luis Suarez.

Vorfälle in Mailand: Zwietracht unter den Fans

Er sei auf dem besten Weg „zur Weltklasse“, hatte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic vor einigen Wochen gesagt, „wenn er jetzt noch begreift, dass er manchmal noch ein paar Meter nach links und rechts mehr machen muss“. Offenbar hat Jovic das mittlerweile getan. Inzwischen spielt er mit, schießt nicht nur Tore. Zuletzt in Mailand oder am Sonntag gegen Nürnberg war er richtig gut ins Spiel eingebunden, er verteilte die Bälle, ließ sich zurückfallen, kombinierte und ackerte für die Mannschaft. Dass es sein brillanter Pass auf Landsmann Filip Kostic war, der die Nürnberger Abwehr vor dem 1:0-Siegtreffer aushebelte, sei nur am Rande erwähnt. „Er hat so viel Power und Punch“, lobte Trainer Adi Hütter, „dass er jetzt auch nach hinten arbeitet.“ Jovic gilt unter den vier außergewöhnlichen Frankfurter Angreifern als der kompletteste, als der, der fast keine Schwächen hat. Sebastien Haller, mit 14 Treffern und elf Vorlagen in der Liga auch kein ganz Schlechter, findet: „Er ist der Beste von uns.“ Sein Talent, genau da zu stehen, wo der Ball hinkommt, seine fast gnadenlose Kühle vor dem Tor seien „ihm von Gott mitgegeben“, sagte er einmal im FR-Interview. Er wisse auch nicht, woher er diese Gabe besitze. 

Dauerläufer im Mittelfeld, zuweilen ohne Fortune: Mijat Gacinovic.

„Wenn Luka den Ball hat, passiert immer etwa Herausragendes“, lobte Verteidiger Martin Hinteregger den Kollegen, dem es als erster Eintracht-Profi der Klubgeschichte gelungen war, fünf Tore in einem Spiel zu erzielen, das war beim 7:1 gegen Düsseldorf..

Für Eintracht Frankfurt könnte der Verkauf des Spielers, den der Klub noch für weniger als sieben Millionen Euro von Benfica auslösen muss, zu einem zukunftsweisenden Geschäft werden – um die 60, 70, vielleicht gar 80 Millionen Euro dürften die Hessen bei einem Transfer erzielen. Geld, das - vernünftig investiert - die Mannschaft noch einmal auf eine andere Stufe stellen könnte. Interessenten für Luka Jovic jedenfalls stehen Schlange.

Filip Kostic leicht verletzt

Neben Jovic ist es Filip Kostic, der maßgeblich für die Frankfurter Wucht und Dynamik verantwortlich ist. Kostic, dessen Einsatz am Mittwoch wegen Adduktorenproblemen fraglich ist, ist auf dem linken Flügel ein unermüdlicher, unaufhörlicher Antreiber, ein Powerpaket, eine regelrechte Maschine. Wie viele Sprints der 26-Jährige Spiel für Spiel auf seiner Seite herunterreißt, ist nahezu unglaublich. In Düsseldorf, vor Wochenfrist, ließ er selbst in der fünften Minute der Nachspielzeit bei einem Spurt aus der eigenen Hälfte zwei Düsseldorfer stehen wie Buben und legte das 3:0 millimetergenau auf. Wenn Kostic den Ball hat, wird es für jeden Gegner gefährlich.

Zwar mögen Jovic, Rebic und Haller wegen ihrer Tore mehr in den Schlagzeilen sein – eines der Erfolgsgeheimnisse des Frankfurter Höhenflugs ist ohne Zweifel der Druck, den Kostic über den Flügel entwickelt. Weil er permanent steil geht, hebelt er mit seiner Schnelligkeit regelmäßig die gegnerischen Abwehrverbände auf.

Seine Hereingaben sind brandgefährlich, neun Tore hat er in der Liga aufgelegt, er ist der Flankengott, mehr schlägt keiner. Am Sonntag gegen den Club waren es wieder 13 Flanken. Und dass es Jovic und Kostic waren, die den Siegtreffer vorbereitet hatten, war nun wirklich kein Zufall. Filip Kostic, auch daran gibt es keine zwei Meinungen, ist in Frankfurt die Entdeckung der Saison, die Umschulung vom Linksaußen auf linker Verteidiger war eine der besten Entscheidungen von Trainer Hütter. Denn Kostic kann aus der Abwehr heraus sein Tempo ausspielen und mit Anlauf auf die Gegenspieler zulaufen - in der momentanen Form hält ihn eh keiner.

Ein bisschen im Schatten dieser beiden steht der dritte Serbe im Bunde, Mijat Gacinovic. Der 24-Jährige, bislang elfmal für die A-Auswahl nominiert, aber für der WM in Russland gestrichen, agiert aktuell arg unglücklich. Sein Einsatz, seine Laufbereitschaft, sein Engagement sind tadellos, doch der Ertrag ist viel zu gering. Vieles, was er sich mit viel Verve aufbaut, reißt er sich im nächsten Moment durch überhastetes Abspiel selbst wieder ein. Ihm mangelt es an Ruhe am Ball, an Gelassenheit, vielleicht auch an der Coolness, die Jovic auszeichnet. Ein wertvoller Mannschaftsspieler ist der schmächtige Gacinovic aber allemal.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare