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Eintracht Frankfurt siegt gegen Bochum: Gruß nach oben an Jürgen Grabowski

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Ehre, wem Ehre gebührt: Filip Kostic legt Jürgen Grabowskis Trikot im Mittelkreis nieder.
Ehre, wem Ehre gebührt: Filip Kostic legt Jürgen Grabowskis Trikot im Mittelkreis nieder. © IMAGO/osnapix

Eintracht Frankfurt dreht das „Abschiedsspiel“ für Jürgen Grabowski gegen Bochum, gewinnt mit 2:1 und richtetet den Blick nach vorne.

Frankfurt - Die Ouvertüre zu diesem sonntäglichen Bundesligaspiel im Frankfurter Stadtwald hatte es in sich, sie war bewegend und ergreifend und stand ganz im Schatten der unerreichten Eintracht-Legende Jürgen Grabowski, die am Donnerstag im Alter von 77 Jahre viel zu früh verstorben war. Vereinspräsident Peter Fischer, ein Mann der großen Worte, verabschiedete den Ehrenspielführer vor der Partie gegen den VfL Bochum mit berechtigtem Pathos. „Jeder hat Bilder im Kopf, jeder hat Erinnerungen. Jürgen wird nie ganz gehen, weil wir immer an ihn denken werden und er immer bei seiner Eintracht sein wird“, sagte er an der Seite von „Grabis“ Ehefrau Helga, die sichtlich gerührt die Ovationen der Fans aufnahm.

Über der Fankurve prangte ein großes Plakat: „Helden leben lange und Legenden sterben nie. Doch auferstehen werden nur Götter. Bis bald, Grabi!“ Unmittelbar vor dem Anpfiff legte Eintracht-Linksaußen Filip Kostic ein Trikot der Frankfurter Legende im Mittelkreis aus, und bei der anschließenden Schweigeminute war zum ersten Mal bei solchen oder ähnlichen Anlässen tatsächlich kein einziges Wort in der riesigen Schüssel zu hören. Ehre, wem Ehre gebührt!

Eintracht Frankfurt schlägt Bochum

Ganz so emotional ging es auf dem Rasen zunächst nicht weiter, doch letztlich wurde auch der Wunsch von Trainer Oliver Glasner erhört, der vor dem Spiel gehofft hatte: „Vielleicht können wir ihm mit einem Sieg gegen Bochum einen letzten kleinen Gruß nach oben schicken.“ So sollte es sein.

Die Eintracht freilich hatte ein hartes Stück Arbeit zu erledigen, ehe der kratzbürstige Neuling aus dem Ruhrpott in die Knie gezwungen war. Letztlich drehten VfL-Verteidiger Erhan Masovic mit einem Eigentor (46.) und Daichi Kamada (52.) die frühe Führung der Bochumer durch Sebastian Polter (19.) in einen mühevoll errungenen, aber nicht unverdienten 2:1-Erfolg. „Wir haben das Spiel in den ersten zehn Minuten nach der Pause gedreht“, sagte Mittelfeldmotor Djibril Sow. „Die beiden Tore waren natürlich der Knackpunkt.“ Insgesamt, sagte der Schweizer Internationale, sei er „sehr stolz und glücklich, das war ein sehr wichtiger Sieg.“

Eintracht Frankfurt: Dritter Sieg in Folge

Die Eintracht hat damit ihre Talsohle endgültig durchschritten, das dritte Pflichtspiel in Folge gewonnen und, so ganz nebenbei, auch die Horrorbilanz im eigenen Stadion beendet: Bei einer Niederlage hätte sie mit fünf Heimniederlagen in Serie einen historischen Vereinsrekord aufgestellt. Diese Gefahr ist erst einmal gebannt. „Es war wichtig, auch mal wieder ein Heimspiel zu gewinnen“, sagte Sportvorstand Markus Krösche: „Die Mannschaft hat wieder gezeigt, was in ihr steckt, gerade was Mentalität, Moral und Laufbereitschaft angeht.“ In dieses Horn blies auch Coach Glasner. „Solch einen Willen an den Tag zu legen, nötigt mir allen Respekt ab“, befand der 47-Jährige. „Das war ein Kraftakt.“ Im Überschwang des Sieges sprach der Fußballlehrer gar davon, dass es seine Spieler zeitweise „fantastisch gemacht und toll verteidigt haben“. Das war vielleicht etwas zu dick aufgetragen.

Wohin die Reise nun für die Eintracht gehen wird, vermag noch immer niemand zu sagen, der Rückstand zu den europäischen Startplätzen ist nur marginal verringert worden. Und doch schickt die Eintracht, in doppelter Hinsicht, einen Gruß nach oben. „Unsere Zielsetzung bleibt gleich“, betont Krösche.

Die Eintracht hat sich, diese Erkenntnis ist vielleicht wichtiger als Prognosen und Kaffeesatzleserei, berappelt und ihre Schaffenskrise abgeschüttelt. Eine Partie mit einem ähnlichen Spielfilm wie jenem vom Sonntagabend hätten die Frankfurter vor einigen Wochen nicht mehr in einen Sieg gedreht, auch wenn das natürlich hypothetisch ist. „Die Leichtigkeit und das Selbstvertrauen sind zurück“, erkannte Djibril Sow. „Das wollen wir jetzt so lange wie möglich beibehalten. Jetzt kommen geile Spiele auf uns zu.“ Am Donnerstag in der Europa League das Achtelfinalrückspiel gegen Betis Sevilla und am Sonntag in der Liga bei RB Leipzig.

Eintracht Frankfurt: Trapp in Bestform

Gegen den kecken Aufsteiger aus dem Westen waren die Frankfurter allerdings erneut auf einen Torwart in Weltklasseform angewiesen, um nicht schon fast aussichtslos in Rückstand geraten zu sein. Nach 24 Minuten hielt Kevin Trapp einen Schuss aus Nahdistanz von Takuma Asano, es war eine 1000-prozentige Chance, bei der man sich fragt, wie der Ball da nicht im Netz zappeln konnte. „Der muss rein“, deckelte VfL-Trainer Thomas Reis. Eintracht-Coach Glasner lobte den „big save“ seines Schlussmanns, der die Szene so beschrieb: „Ich versuche, mich groß zu machen und hatte dann das nötige Glück, dass er dahin schießt. Wenn er in die Ecke schießt, halte ich ihn nicht.“ Hat er aber nicht, der gute Asano.

Da hätte es für die Eintracht schon vorbei sein können, denn nach einem plumpen Foul von Martin Hinteregger und anschließendem Freistoß köpfte Sebastian Polter die Gäste in Führung (19.). Auch da sah Abwehrchef Hinteregger nicht gut aus, der sich aber steigerte und sich gerade im zweiten Abschnitt packende Hünen-Duelle gegen den VfL-Mittelstürmer Polter lieferte. „Das 0:1 war ein Wirkungstreffer, danach haben wir 15 Minuten gewankt“, urteilte Glasner.

Doch Stück für Stück kämpfte sich seine Mannschaft ins Spiel zurück, schon vor der Pause hatte sie die eine oder andere vielversprechende Offensivaktion, und nach der Pause nutzte sie die kurzzeitige Bochumer Passivität zu zwei blitzsauberen Toren durch Masovic und Kamada: Beide eingeleitet von Ansgar Knauff und Jesper Lindström, die für einigen Schwung auf rechts sorgten (siehe Bericht auf der folgenden Seite). Binnen weniger Minuten war der sehr kratzbürstige und klug agierende VfL empfindlich getroffen und letztlich auf die Bretter geschickt. „Der Frankfurter Sieg geht in Ordnung“, fand auch der Bochumer Coach Reis, der damit haderte, dass „wir sie nicht aktiver genervt haben“.

So bleibt ein schnöder Eintracht-Arbeitssieg – in Gedenken an die Legende Jürgen Grabowski.

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