Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurts Christoph Spycher (r) verteidigt gegen den Bremer Marko Marin.
+
Frankfurts Christoph Spycher (r) verteidigt gegen den Bremer Marko Marin.

Frankfurter so gut wie lange nicht

Eintracht schielt in die Tabuzone

Eintracht Frankfurt hält die müden Bremer nieder, freut sich über einen "Traumstart" und ein neues Bollwerk in der Abwehr, muss am Samstag in Nürnberg aber auf seinen besten Mann verzichten: Der Brasilianer Chris ist gesperrt.

Von Ingo Durstewitz und Jan Christian Müller

Nach dem zweiten Sieg gegen Werder Bremen binnen eines knappen halben Jahres ist ein merkwürdig missmutiger Vorstandschef Heribert Bruchhagen dann allen Ernstes gefragt worden, was er denn, bitte schön, davon hielte, dass die Eintracht in der aktuellen Bundesligatabelle lediglich einen Platz und einen Punkt hinter Bremen und in Reichweite zu einem Europa-League-Rang angelangt ist. Der Boss war wenig amüsiert, ja, er war richtiggehend sauer: "Diese Frage dürfen sie nicht stellen. Diese Frage verbietet sich. Das ist doch verrückt", wetterte er in einem schroffen Ton, der keine weiteren Nachfragen zuließ. Bruchhagen machte auf dem Absatz kehrt und suchte eiligst das Weite.

Deutlich verbindlicher reagierte Trainer Michael Skibbe auf dieselbe Frage. "Man sagt ja immer so schön: Die Tabelle lügt nicht. Aber wir müssen realistisch sein. Am Ende wird Werder Bremen vor uns stehen. Leider." Ob die Eintracht womöglich dennoch irgendwie da oben eindringen könne? "Das müssen wir abwarten", sagte Skibbe, ein ambitionierter, ehrgeiziger Trainer, der vielleicht doch mit einem Auge zu den in Frankfurt zur Tabuzone erklärten Regionen an der Spitze schielt.

Am Wochenende war der Fußballlehrer "unheimlich stolz" auf seine Mannschaft. Das konnte er auch sein. Die Eintracht machte den struktur- und leidenschaftslosen Bremern das Leben schwer, die Spieler kämpften mit Löwenherzen in der Brust, gingen die ganz weiten Wege. "Die Mannschaft stand sehr eng zusammen, deshalb waren die Läufe nicht zu lang", analysierte Skibbe und lobte seine Elf für ihre taktische Disziplin: "Das war hervorragend."

Den Grundstein hatten die Frankfurter im Trainingslager im türkischen Belek gelegt: "Dort haben wir uns sehr gezielt auf Werder vorbereitet, unser Defensivkonzept einstudiert und die Laufwege abgestimmt", erzählte Skibbe. In der Tat standen am Mittelmeer viele Trockenübungen an, in denen die Mannschaft sehr hartnäckig und zeitintensiv das rechte Verschieben für den Ernstfall probte. Es sollte sich auszahlen. Am Samstag führte es auch dazu, dass Torwart Oka Nikolov selbst in der turbulenten Schlussphase, als Werder mit den eingewechselten Claudio Pizarro und Hugo Almeida alles nach vorne warf, nicht vor unlösbare Probleme gestellt wurde.

Und doch: Wer weiß, wie die Partie geendet hätte, wenn Schiedsrichter Michael Weiner nach 24 Minuten auf Strafstoß für Werder entschieden hätte. Eintracht-Verteidiger Maik Franz fuhr da sein Bein recht ungeschickt aus, touchierte den kleinen Bremer Dribbler Marko Marin auch, wie Franz später einräumte. Doch der Pfiff blieb aus. Sicherlich auch, weil Marin theatralisch abhob und ein wenig bei Franz einfädelte. "Er trifft mich voll, das war ein klarer Elfmeter", wetterte der gebürtiger Frankfurter Marin. Die Eintracht ergatterte sich den glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg dank des Tores von Marco Russ (57.) und einer "aufopferungsvollen kämpferischen Leistung", wie Bruchhagen befand. "Die Geschlossenheit war unser Markenzeichen." Pirmin Schwegler war der Kopf im Mittelfeld, Alex Meier und Selim Teber arbeiteten mit Hochdruck in der Defensive und Nikos Liberopoulos wehrte sich tapfer als einzige Spitze. Zudem hatte Skibbe alles richtig gemacht, als er sich für Benjamin Köhler und gegen den erst Sekunden vor Schluss eingewechselten Brasilianer Caio entschied. Köhler steigerte sich im Laufe der Partie, er ist ein verlässlicher Profi, der ein Spiel durchaus lesen kann. "Er ist taktisch unheimlich geschickt", urteilt Skibbe.

Im Grunde fiel kein Eintracht-Spieler ab, doch gerade die Innenverteidiger Chris und Marco Russ verdienten sich Bestnoten (siehe auch Bericht "Bollwerk mit Tordrang"). Skibbe konnte seine Hochachtung gerade für Chris nicht verleugnen: "Er hat eine ganz herausragende Partie gezeigt und bewiesen, dass er für uns total unersetzlich ist. Hut ab, diese Leistung war überragend."

Das Selbstbewusstsein bei der Eintracht ist nun groß. "Wir wollen uns da oben festsetzen. Wir werden versuchen, sogar noch weiter oben aufzuschließen", sagte Torschütze Russ. Die nächsten beiden Aufgaben sind nicht unlösbar, am Samstag geht es nach Nürnberg, eine Woche später kommt der 1. FC Köln.

Ob die Eintracht jetzt groß durchstartet? Zweifel sind angebracht. Ein solcher Kraftakt wie gegen Werder wird nicht immer gelingen. "Wenn wir nicht am Limit spielen", warnt Skibbe, "werden wir in der Bundesliga keine Punkte holen." Zumal der personelle Engpass gerade in der Offensive eklatant ist. Gegen Bremen wechselte Skibbe aufgrund fehlender Alternativen erst kurz vor Schluss aus, draußen saßen für den Sturm Marcos Alvarez, 18, Juvhel Tsoumou, 19, und Marcel Heller, 23. "Das ist eine große Chance für unsere Jungen", sagte Maik Franz. So lange die Verteidiger treffen, werden sie aber eher auf der Bank verweilen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare