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Eintracht-Remis in Mainz: Ende gut, alles gut

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Stürmer Randal Kolo Muani spielt gegen den Mainzer Torwart Robin Zentner (re.).
Stürmer Randal Kolo Muani spielt gegen den Mainzer Torwart Robin Zentner (re.). © dpa

Eintracht Frankfurt muss in Mainz erneut eine Energieleistung aufbieten, um mit einem sehr positiven Gefühl in die WM-Pause zu gehen.

Ganz zum Schluss hätte dieses giftige Nachbarschaftsduell um ein Haar noch eine ganz besondere Volte bereit gehalten. Danny da Costa hätte für diese Pikanterie sorgen können, der frühere Eintrachtler, der in dieser Saison fest zum FSV Mainz 05 gewechselt war und noch nicht so recht in Fahrt gekommen ist im Rheinhessischen. Auch in dieser sehr umkämpften Partie war da Costa erst nach mehr als einer Stunde eingewechselt worden, drei Minuten vor Ultimo hatte sich dem Familienvater plötzlich eine Torchance geboten, keine ganz schlechte. Doch sein Schuss von der Strafraumgrenze fälschte der Frankfurter Evan Ndicka mit dem Rücken noch ab, die Kugel landete auf dem Tordach. Kurz darauf war diese Begegnung beendet, schiedlich friedlich endete sie 1:1 (1:0), das berühmte leistungsgerechte Remis war unter Dach und Fach: In der ersten Halbzeit waren die Mainzer, in der zweiten Halbzeit die Frankfurter das jeweils bessere Team.

Hinterher hatten Eintracht-Trainer Oliver Glasner und Sportvorstand Markus Krösche die Spieler noch einmal kurz hinter verschlossenen Türen in der Kabine versammelt. Glasner nutzte die letzte Gelegenheit für eine sehr lange Zeit, der ganzen Mannschaft noch ein ganz spezielles Lob auszusprechen für die gezeigten Leistungen in dieser doch sehr strapaziösen Saison. Dieses Spiel in Mainz war das 24. für die Frankfurter in diesem Halbjahr, im Kalenderjahr kommen sie sogar auf 48, „und die Jungs sind immer noch frisch“, hob der Coach den Daumen, ehe er sechs Nationalspieler zur nächsten Sonntag beginnenden Weltmeisterschaft in Katar sowie Rafael Borré nach Kolumbien und Hrvoje Smolcic zur kroatischen U21 verabschiedete.

Eintracht Frankfurt fliegt nach Japan

Der Rest der Equipe machte sich alsbald ans Kofferpacken, an diesem Montag fliegt Eintracht Frankfurt nach Japan zu einer einwöchigen Tour, um die internationalen Aktivitäten im Land der aufgehenden Sonne zu intensivieren, etwa mit zwei Freundschaftsspielen in Tokio (16. November gegen Urawa Red Diamonds) und Osaka (19. November gegen Gamba Osaka), „wir spielen ja so selten“, wie Glasner lächelnd sagte.

Bei allem Stolz über die beachtliche Fitness seines Teams trotz einer wegen der vielen Spielen durchschnittlichen Trainingszeit von lediglich 35 Minuten, wie Glasner betonte, ist der Frankfurter Fußballlehrer doch gottfroh, dass die WM-Pause vor der Tür steht. „Es ist gut, jetzt mal runterzufahren, um den nächsten Gipfel zu erreichen“, sagte Glasner.

In diese Pause freilich geht der Coach mit einem „sehr guten Gefühl“, 27 Punkte nach 15 Spieltagen, Platz vier in der Tabelle, das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League und im DFB-Pokal seien Etappenziele, die vor der Saison nicht unbedingt erwartet worden waren. „In Summe war es schon eine sehr gute Herbstsaison von uns“, fasste der Österreicher zufrieden zusammen, zumal man „sich und wir unseren Spirit erst finden mussten“.

Eintracht Frankfurt: Kapitän Rode brachte viel Schwung

Kapitän Sebastian Rode, der nach der Pause ins Spiel kam, viel Schwung brachte, kurz vor Schluss aber wegen anhaltender Wadenproblemen schon wieder raus musste, war dessen ungeachtet sehr angetan von seinen Kollegen: „Es ist hervorragend, was wir geleistet haben. Die Entwicklung vom ersten Spieltag, wo wir auf die Mütze bekommen haben, bis heute. Achtelfinale in der Champions League, der Platz in der Bundesliga – das könnte kaum besser sein.“ Sportvorstand Krösche gefiel vor allem „die Art und Weise“, wie die Mannschaft mittlerweile agiert, spielstark und voller Selbstvertrauen. Und immer bereit, allen Widrigkeiten zu trotzen. Etwa auch den „extrem aggressiv“ auftretenden Mainzern.

Es war ein Spiel, zumindest im ersten Abschnitt, das der Eintracht nun überhaupt nicht liegt. Die galligen Nullfünfer waren nach drei Niederlage am Stück um Wiedergutmachung bemüht, das zeigten sie in jeder Phase des Spiels, sie nahmen jeden Zweikampf an als sei dieser der letzte. Und kauften den Hessen damit den Schneid ab. „Unsere Zweikampfquote lag in der ersten Halbzeit bei 35 Prozent“, bemängelte Coach Glasner. Folgerichtig war Mainz durch Jonathan Burkardt (40.) auch in Führung gegangen, die ersten beiden Versuche von ihm sowie Karim Onisiwo hatte Torwart Kevin Trapp noch phänomenal abwehren können. Gegen die nickligen, körperbetont agierenden Mainzer hatten die Frankfurter lange kein Mittel finden können, dabei hatten die Nullfünfer genauso gespielt, wie das allenthalben erwartet worden war: mit langen Bällen und jedes Duell suchend. „Da waren wir nicht gut genug, Paroli zu bieten“, sagte Glasner. Vor allem nahmen sie den Kampf nicht an, wollten nur mit gepflegtem Passspiel zum Erfolg kommen.

Eintracht Frankfurt: Deutliche Worte in der Halbzeitpause

In der Halbzeit hatte der Coach deutlich Worte gefunden, zu allererst müsse man sein Zweikampfverhalten ändern, erst dann könne man übers Fußballspielen reden, habe Glasner seinen Spielern mit auf den Weg gegeben. Der Fußballlehrer hatte von Schläfrigkeit gesprochen und dass man aufwachen solle, berichtete Rode aus der Kabine. In den zweiten 45 Minuten habe die Mannschaft gezeigt, „dass sie nicht damit zufrieden ist, als Verlierer vom Platz zu gehen.“

Und doch bedurfte es „einer erneuten Energieleistung“, um das Blatt zu wenden - und einem Geniestreich von Mario Götze. Dessen Direktpass auf Randal Kolo Muani eröffnete dem Franzosen den Weg zum 1:1, der umdribbelte noch Torhüter Robin Zentner und schob ein (67.). Schon in der ersten Halbzeit hatte WM-Fahrer Götze mit einem fein ziselierten Pass auf Jesper Lindström (17.) die Mainzer Abwehr ausgehebelt. Götze selbst hatte gar das Siegtor auf dem Fuß, seinen Heber aus 40 Metern patschte Zentner aber noch zur Ecke.

Eintracht Frankfurt: Kamada mit durchschnittlicher Leistung

Götzes liebster Spielpartner im Mittelfeld, Daichi Kamada, zeigte derweil eine durchschnittliche Leistung (alle Spieler in der Einzelkritik), die grundsätzlichen Fußballkünste des Japaners aber haben bei der Konkurrenz längst großes Interesse geweckt. Vor einigen Wochen noch hatten die Eintracht-Bosse erklärt, die Gespräche mit Kamada über eine Verlängerung des kommenden Sommer auslaufenden Vertrages seien vielversprechend, dem Vernehmen nach aber hat sich das Blatt mittlerweile gewendet. Der WM-Fahrer strebt offenbar einen Vereinswechsel im Sommer an, Borussia Dortmund soll ein ernstzunehmender Kandidat als neuer Arbeitgeber des Spielmachers sein. Kamada könnte als ablösefreier Profi ein üppiges Handgeld kassieren.

Dennoch fiel das Frankfurter Fazit ob dieser ereignisreichen wie erfolgreichen Monate natürlich überaus positiv aus: „Es war das schönste Jahr, das die Eintracht seit sehr langer Zeit erlebt hat“, sagte Nationaltorwart Kevin Trapp stellvertretend. Weihnachten kann kommen. (Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

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