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Bleibt er oder geht auch er? Ante Rebic (rechts), hier gegen Leon Goretzka.

Saisonvorbereitung

Eintracht Frankfurt zwischen Kaderplanung und Europa-Tour

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    Ingo Durstewitz
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Platz sieben und die Folgen: Wie der Klub die Ochsentour durch Europa und ihren Kader plant.

Am Dienstag geht „Eintracht Frankfurt International“ letztmalig in dieser Saison auf Reisen, ein weniger weiter weg als sonst, ans andere Ende der Welt gar. Nach China in die Sieben-Millionen-Metropole Foshan verschlägt es die Frankfurter Berufsfußballer, das ist sicher keine Lustreise für die Spieler nach einer kräftezehrenden und strapaziösen Spielzeit. Aber was sein muss, muss sein.

Die Eintracht will sich im wichtigen Markt gekonnt in Szene setzen und ihren Ruf als internationaler Botschafter untermauern, überdies die Bundesliga repräsentieren. Sogar Fußball wird vor Ort gespielt, am 24. Mai gegen den VfL Wolfsburg, der den Hessen den letzten direkten Europa-League-Rang wegschnappte. Kann passieren, über Umwege kann sich die Eintracht trotzdem für die Gruppenphase qualifizieren – allerdings muss sie dazu die Ochsentour quer durch die europäische Provinz bewältigen.

Sechs Quali-Spiele bis zur Europa League

Insgesamt sechs Qualifikationsspiele sind nötig, um endgültig ein Ticket für die Euro League zu lösen, am 25. Juli steht die erste Begegnung an, eine Woche später das Rückspiel, im Erfolgsfall würden die Frankfurter sechs Wochen lang hintereinander jeden Donnerstag antreten. Das schlaucht, darauf muss man vorbereitet sein. Sportlich stellt dieser siebte Platz für die Eintracht eine Herausforderung dar und bringt das ausgeklügelte präsaisonale Programm durcheinander. „Wir müssen die Vorbereitung komplett umplanen“, sagt Trainer Adi Hütter, der seine Mannschaft ursprünglich am 1. Juli zum Aufgalopp begrüßen wollte.

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Die Zeit bis zum ersten Pflichtspiel könnte dann aber etwas zu knapp bemessen sein, dreieinhalb Wochen sind nicht die Welt. Andererseits brauchen die Spieler nach dieser langen Saison genügend Urlaub, um die Akkus aufzuladen und auch mental wieder zu Kräften zu kommen. Zumal die Nationalspieler noch bis 11. Juni mit ihren Länderteams unterwegs sind.

Oder die Eintracht handhabt es so wie RB Leipzig im vergangenen Jahr, das die Qualispiele einfach in die Sommervorbereitung integrierte. „Die ersten beiden Runden sollten als Testspiele unter Wettkampfcharakter gesehen werden“, betonte Coach Ralf Rangnick damals. In der ersten Runde gegen BK Häcken (4:0 und 1:1) fehlten die WM-Fahrer Timo Werner, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen, der Kader war unfertig, zum Rückspiel nach Schweden reisten sie direkt aus dem Trainingslager in Seefeld. Eine Option, die die Eintracht auch in Erwägung zieht, sie könnte direkt aus dem Quartier in Windischgarsten zum Rückspiel am 1. August fliegen. Die Sachsen schafften dennoch die Qualifikation für die Gruppenphase, die sie aber nicht ganz so ernst nahmen und ausschieden.

Den Kader in der Breite und Spitze verstärken

Eintracht Frankfurt wird, genauso wie RB Leipzig im vergangenen Jahr, als gesetztes Team in die Qualifikationsspiele für die Europa League gehen. Um die am 19. September beginnende Gruppenphase zu erreichen, müssen die Hessen drei Runden überstehen. Die Eintracht steigt in der zweiten Qualifikationsrunde ein, die am 19. Juni ausgelost wird. Die erste Partie wird am 25. Juli ausgetragen, eine Woche später, am 1. August, steigt das Rückspiel. In diesem Rhythmus ginge es weiter, jede Woche stünde ein Spiel an. Am 8. und 15. August die dritte Quali-Phase, am 22. und 29. August die Playoffspiele. Die erste Runde im DFB-Pokal (9. - 12. August) und die ersten beiden Bundesligaspieltage (Start am 16. August) sind da bereits vorüber.

Die Frankfurter Verantwortlichen haben am Sonntag noch mal die Köpfe zusammengesteckt, um die Vorbereitung final abzustimmen und auch Personalfragen zu debattieren. Denn klar ist, dass sie ihren Kader aufpimpen müssen, um diesem Mammutprogramm Rechnung zu tragen. Schon jetzt, nach 50 Pflichtspielen, ging dem Team die Puste aus. „Daraus werden wir unsere Lehren ziehen“, sagt Hütter. Die Eintracht muss ihre Mannschaft in der Breite und der Spitze verstärken. „Wir brauchen auf den Positionen Doppelbesetzungen, um mehr rotieren zu können“, sagt der Coach. „Die Mannschaft hat eine solche Belastung noch nie mitgemacht.“ Danny da Costa oder auch Filip Kostic etwa „haben fast ein Jahr durchgespielt“, dass man dann irgendwann auf der letzten Rille läuft, ist allzu logisch. „Wir müssen sehr schlau sein, wenn wir unseren Kader zusammenstellen.“

Die Frage wird sein, wer sich aus dem aktuellen Kader verändern wird. Jonathan de Guzman oder auch Jetro Willems könnten wohl trotz laufenden Verträge gehen, keine Zukunft mehr haben die Dauerreservisten Branimir Hrgota, Taleb Tawatha und Marc Stendera. Toptorjäger Luka Jovic wird den Klub wohl verlassen. Es ist zudem nicht ganz sicher, dass Sebastien Haller und Ante Rebic bleiben, beide sind begehrt, im schlechtesten Fall wird nur einer aus dem magischen Dreigestirn weiter in Frankfurt spielen.

Kevin Trapp, Sebastian Rode, Martin Hinteregger: Was wird aus den Leihspielern?

Und was wird aus den Leihspielern? Kevin Trapp würde die Eintracht gerne halten, doch aus Paris hört man, dass Thomas Tuchel den Torwart gerne zurück hätte. Vielleicht ist das aber nur Preistreiberei. Trapp wäre nicht günstig, das Gesamtpaket dürfte ein Volumen von rund 20 Millionen Euro haben. Da muss man abwägen. Trapp ist als Persönlichkeit und Gesicht des Vereins wichtig. Wahrscheinlich wird Frederik Rönnow, die Nummer zwei, gehen, der Däne will unbedingt spielen – das wird in Frankfurt, unabhängig von Trapp, schwierig.

Martin Hinteregger würde gerne bleiben „und noch einige Jahre in Frankfurt spielen“. Augsburg aber ruft fast zehn Millionen Euro Ablöse auf, da schrecken die Frankfurter zurück. „Das ist nicht so einfach“, sagt Sportvorstand Frei Bobic. Die Verhandlungen mit dem FCA stocken. Der schwer verletzte Sebastian Rode wird in des ein leistungsbezogenes Vertragsangebot erhalten.

Zurück kommen werden auch verliehene Profis wie Felix Wiedwald (abgestiegen mit Duisburg), Nicolai Müller (abgestiegen mit Hannover), Marijan Cavar (total gefloppt in Osijek), Danny Blum (ein Törchen für Las Palmas) und Daichi Kamada (sehr ordentlich in Belgien bei St. Truiden, zwölf Tore und zwei Vorlagen in 24 Partien) – eine Zukunft in Frankfurt dürften sie allesamt nicht haben.

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