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Auf Akquise: Trainer Niko Kovac (li.) und Axel Hellmann beim Börsenchef auf Abruf, Carsten Kengeter (Mitte).

Eintracht Frankfurt

Die Eintracht putzt sich raus

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Der Frankfurter Bundesligist ist in Bewegung und sollte den Vertrag mit Trainer Kovac verlängern.

Nachdem Axel Hellmann noch schnell in den Dom gefahren war, um wegen des glücklich errungenen Sieges gegen Bremen „eine Kerze anzuzünden“, und der Eintracht-Vorstand seinen Verein gemeinsam mit vielen Aushängeschildern und Ikonen auf dem Sportpresseball vertrat, ist der 46-Jährige umgehend in ein Flugzeug gestiegen und um die halbe Welt gejettet. In Fernost stehen ein paar Geschäftstermine an, Kontakte wollen gepflegt und Netzwerke geknüpft werden. Anschließend hängt der Vorstand noch ein paar Tage in Abu Dhabi dran, rein zu Erholungszwecken. 

Eintracht Frankfurt hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen, der Verein ist energiegeladen und dynamisch, es tut sich etwas beim Klub vom Main, der sich für die Zukunft wappnet. „Wir müssen modernisieren, um Tradition zu erhalten“, sagte Aufsichtsrat Philip Holzer. 

Prominente als Markenbotschafter

Die Eintracht sieht, das ist bekannt, eine Chance in der Internationalisierung. „Der Bundesligamittelstand muss Präsenzen im Ausland schaffen“, sagte Hellmann, der in der zwölfköpfigen Internationalisierungs-Kommission der Liga sitzt. Die internationalen Medienerlöse spielen mittlerweile eine große Rolle bei der Finanzierung der Liga. 

Die Eintracht hat die Zielmärkte China, USA, Korea, Japan und den Mittleren Osten ins Auge gefasst. „Wir haben eine passgenaue Strategie für jeden Markt“, sagte Hellmann. Und die Eintracht hat prominente Spieler oder Ex-Spieler eingebunden, die dem Klub ein Gesicht im Zielland geben, etwa Makoto Hasebe (Japan), Chen Yang (China), Bum-Kun Cha (Korea) oder auch Jay-Jay Okocha (Afrika). „Wir bauen unseren Eintracht-Nukleus auf“, sagte Hellmann. 

Deshalb hat der Jurist sein Team verstärkt, holte sich Experten ins Boot, schaffte den Geschäftsbereich „Internationale Beziehungen“ und setzte als Leiter den langjährigen DFB-Mann Markus Weidner ein, der nun seine Arbeit aufgenommen hat. Der 48-Jährige gilt als Kapazität auf diesem Sektor. 

Es geht auch darum, die Bekanntheit der Eintracht jenseits der Landesgrenzen zu erhöhen, weshalb sie vor allen Dingen auf die Zusammenarbeit mit Lehrinstituten setzt, Schüler und Studenten seien „breite Multiplikatoren“ (Hellmann). Von solchen Partnerschaften wird der Klub eher langfristig profitieren. Auf das schnelle Geld sei der Verein ohnehin nicht aus, wie Hellmann sagte. In Abu Dhabi etwa könne die Eintracht „heute Anteile verkaufen, die uns bis zu 200 Millionen Euro frisches Kapital bringen würden – doch das wollen wir gar nicht“. Doch schon jetzt erlöse die Eintracht „in den Zielmärkten Summen im zweistelligen Millionenbereich“.

Auch auf dem nationalen Sektor geht es voran, der Klub boomt. Die Kapazitäten im Stadion auf den teuren Plätzen sind erschöpft, der Verein vom Finanzplatz Frankfurt hat mit der Deutschen Börse als Ärmelsponsor und der Deutschen Bank als Premium Partner zwei Schwergewichte an Bord geholt. Gerade der in der vergangenen Woche abgeschlossene Deal mit dem größten deutschen Finanzunternehmen erfüllt die Verantwortlichen mit Stolz. „Es war eine sehr gute Woche für Eintracht Frankfurt“, sagte Hellmann und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. 

Die Eintracht ist längst wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen; es ist schick, sich zu ihr zu bekennen und hinaus in den Stadtwald zu pilgern, man kann sich wieder schmücken mit der Eintracht. Und die Verantwortlichen stecken viel Arbeit ins Detail und in Kleinigkeiten, sie legen Wert auf eine gute Performance, ein gutes Image und eine perfekt ausgeleuchtete Darstellung. 
So werden am Spieltag schon mal die hohen Herren einiger Unternehmen von einem prominenten Ex-Profi wie Uli Stein auf den neusten Stand gebracht und aufs Spiel eingestimmt.

Es ist kein Zufall und ein guter Schachzug, dass der Klub auf dem Sportpresseball acht Markenbotschafter vorstellte, die den Verein repräsentieren sollen: Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Karl-Heinz Körbel, Ronny Borchers, Uwe Bein, Uli Stein, Dragoslav Stepanovic und Ervin Skela. 

Die Bewegung im Verein und um den Verein herum hat auch zu mehr Geld in der Kasse geführt, alle Werbemittel sind erschöpft, die Eintracht meldet ausverkauft auf allen Ebenen. Sie hat eigene Mauern durchbrochen, der Umsatz liegt längst bei mehr als 100 Millionen Euro, der Lizenzspieleretat bei rund 45 Millionen. „Das war vor drei Jahren noch völlig undenkbar“, sagte Hellmann. In diesem Sommer hat der Klub knapp 23 Millionen Euro in seine Mannschaft gesteckt. In ähnlicher Größenordnung kann er auch im kommenden Jahr investieren, weil eine private Investorengruppe knapp 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen will. Hellmann deutete mal an, dass dafür an der Aktionärsstruktur etwas geändert werden müsse, aber nicht zu Lasten des eingetragenen Vereins, der 63,4 Prozent der AG-Anteile hält. Demnach werden die „Freunde der Eintracht“, ein Bankenkonsortium, Abstriche machen müssen.

Spiel mit Herz und Power

Passend zum guten Standing rundet die Profimannschaft das Bild ab. Mit ihr steht und fällt ohnehin jedes Konzept, jede am Reißbrett entworfene Bemühung, den Verein nach vorne zu bringen, kann konterkariert werden. Der Sport ist der wichtigste Treiber. Vor Saisonbeginn etwa schwärmte Hellmann vom 1.FC Köln, der einen unglaublichen Drive bekommen habe und zu einem Big Player würde aufsteigen können. „Der FC räumt richtig ab“, sagte Hellmann Ende August. Zweieinhalb Monate später liegt jener FC am Boden. 

Die Eintracht hat sich im Mittelfeld mit Tuchfühlung nach oben eingenistet, sie spielt zwar keinen Traumfußball, aber doch mit viel Herz und Power. Das kommt an und wird honoriert. Sportvorstand Fredi Bobic hat eine internationale „Kampfeinheit“ zusammengebaut, von der vorher niemand wusste, ob sie in dieser Konstellation funktionieren würde. Bisher hat sie. 
Und sie hat einen Trainer, der ankommt, der auch überregional beachtet und geschätzt wird, der sich bestens in Szene zu setzen weiß. „Die Menschen identifizieren sich sehr mit der Haltung und dem Arbeitsethos des Trainers“, sagte Hellmann. Kovacs Vertrag läuft bis 2019, die Eintracht sollte ihn schnellstens verlängern. Denn ihr Trainer ist heiß begehrt. 

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