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Eintracht-Profi Ebimbe: Aus dem Hut gezaubert

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Von: Thomas Kilchenstein

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Eric Dina Ebimbe beim Jubel über sein erstes Tor für Eintracht Frankfurt.
Eric Dina Ebimbe beim Jubel über sein erstes Tor für Eintracht Frankfurt. © Sven Simon/Imago

Lange galt der rechte Flügel als Problemzone bei Eintracht Frankfurt. Diese Probleme scheinen mit Eric Dina Ebimbe lösbar zu sein.

Frankfurt – Und dann hat der Mann nochmal einen Sprint angezogen, unwiderstehlich, von ganz hinten, am ersten Gegenspieler vorbei, am zweiten, immer dem Ball hinterher. Das Besondere daran: Es waren bereits 88 Minuten gespielt, 88 Minuten, die intensiv und umkämpft waren, in denen es an die Substanz ging: Aber Eric Dina Ebimbe hatte noch Körner, diesen Spurt anzuziehen. Er beschwor zwar keine unmittelbare Torgefahr mehr herauf, brachte aber Entlastung für die Frankfurter Abwehr. Dann war die Partie im Borussia-Park in Mönchengladbach zu Ende, und Eric Dina Ebimbe einer der Gewinner des Tages.

Denn der bald 22 Jahre alte Franzose mit kamerunischen Wurzeln hatte nicht nur ein bärenstarkes Spiel auf seiner rechten Seite abgeliefert, sondern auch einen Treffer selbst erzielt, seinen allerersten im Dress der Eintracht, mit einem wuchtigen, ja schulbuchmäßigen Kopfball nach Ecke von Christopher Lenz. Ein Treffer, der Trainer Oliver Glasner überraschte, denn Ebimbe hatte sich im Training nicht durch übermäßig brillantes Kopfballspiel ausgezeichnet. Eher durch Robustheit, Schnelligkeit, Wucht und Dynamik.

Eintracht Frankfurt: Ebimbe geschätzt für „Vielseitigkeit und Spielintelligenz“

Es hat sich auch nicht abgezeichnet, dass Ebimbe bei der Eintracht auf dem rechten Flügel für Dampf sorgen sollte. Geholt als zentraler Mittelfeldspieler, als „box-to-box-Spieler, der im Mittelfeld gute Lösungen hat“ (Glasner), hat Ebimbe die Gunst der Stunde genutzt, 21 Minuten haben dafür gereicht. Es war in Tottenham, als er in diese heiße Partie kam und die rechte Seite beackern musste. Musste, weil es keine Alternative gab. Das tat er mit viel Herz und Mut und ohne Angst, seitdem spielt er dort. Und er spielt gut. Natürlich hat er von den personellen Ausfällen profitiert, Ansgar Knauff hat Probleme mit dem Oberschenkel, Almamy Touré ist nicht fit, Kristijan Jakic wird an anderer Stelle gebraucht. Ebimbe, dessen „Vielseitigkeit und Spielintelligenz“ Sportvorstand Markus Krösche nicht hoch genug einschätzen mag, hat seine Chance genutzt.

Bislang hat Ebimbe elf Pflichtspiele für die Hessen bestritten, das ist eine ganze Menge für einen, über den Trainer Glasner Anfang September sagte, er habe „in drei Tagen bei uns mehr gespielt hat als im kompletten Kalenderjahr bei Paris Saint-Germain“. Tatsächlich ist es so, dass Ebimbe nicht viel Spielpraxis hatte, als er im Sommer, zunächst auf Leihbasis, zur Eintracht kam. Er stand im sehr großen Kader von PSG, trainierte zwar mit Neymar, Mbappé und Co., kam aber so gut wie nie zum Einsatz, allenfalls zu Kurzeinsätzen. Immer mal wieder wurde er verliehen, mal zu AC Le Havre in die zweite französische Liga, mal zu FCO Dijon. Das war vor zwei Jahren und in Dijon war er auf allen Positionen im Mittelfeld zu Hause, links, rechts, zentral.

Neuzugang Eric Dina Ebimbe – Eintracht Frankfurt bewies beim Transfer Geduld

Eric Dina Ebimbe ist in Staines geboren, 15 Kilometer von der Pariser City entfernt, im Schatten des Stade de France. Früh kam er zum Fußball, mit sechs schloss er sich AAC Sarecelles an, aber schon im Alter von zwölf Jahren wechselte er zur Jugendakademie von Paris St. Germain, er spielte mit Moussa Diaby von Bayer Leverkusen zusammen, mit Christopher Nkunku von RB Leipzig und mit Evan Ndicka in der U-20-Auswahl der Equipe Tricolore.

Schon im Winter dieses Jahres hatte Sportvorstand Krösche seine Fühler nach dem variabel einsetzbaren Spieler ausgestreckt, ein Wechsel kam seinerzeit aber noch nicht zustande, „dann halt im Sommer“, habe ihm Markus Krösche versichert. Eine Aussage, die den 1,84 Meter großen Mittelfeldspieler schwer beeindruckte, „das war ein Pluspunkt in den Gesprächen“, sagte Ebimbe, für den der Wechsel ins Hessische sinnvoll und auch nötig war, um seine Karriere wieder in Schwung zu bekommen. Denn seine Aussichten, regelmäßig im Starensemble von PSG zu spielen, waren nicht sonderlich rosig, der Schritt nach Frankfurt logisch. Die Eintracht besitzt eine Kaufoption, für 6,5 Millionen Euro wird sie Ebimbe im nächsten Jahr fest verpflichten.

Eintracht-Neuzugang Ebimbe – „Ich gehe gerne Richtung Tor“

Das Bemerkenswerte an ihm ist, dass er trotz einer erstaunlichen Physis und Robustheit ein enormes Tempo gehen kann, er weiß seinen Körper einzusetzen, schreckt auch vor kniffligen Zweikämpfen nicht zurück, und kann zudem prima mit dem Ball umgehen. Selbst wenn er beim Pariser Spitzenklub kaum spielte, so hat er doch eine Menge lernen können im täglichen Training mit den Superstars. „Die Mittelfeldspieler in Paris können das Spiel gut lesen und haben immer eine einfache Lösung parat.“

Er selbst sieht sich als Achter, das ist seine Lieblingsposition. „Ich arbeite sehr viel für die Mannschaft, erobere viele Bälle und spiele gerne nach vorne. Ich gehe gerne Richtung Tor und liebe das direkte Spiel“, sagte er bei seiner Vorstellung im August. Klar, er hatte Trainingsrückstand aufzuholen und musste sich an die höhere Intensität in der Bundesliga gewöhnen. Das ist inzwischen längst geschehen, Eric Dina Ebimbe hat sich prächtig gemausert - und am Mittwoch geht es gegen seine französischen Landsleute von Olympique Marseille, ein besonderes Spiel für den gebürtigen Pariser. Im Hinspiel durfte er nur zwei Minuten ran. Diesmal spielt er vermutlich gegen den alten Rivalen eine tragendere Rolle. (Thomas Kilchenstein)

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