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Eintracht-Präsident Peter Fischer ist ein Mann der klaren Kante.

Klare Worte auf der Spobis

Eintracht-Präsident Peter Fischer mit Kritik an der Liga

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Eintracht-Präsident Peter Fischer kritisiert bei Europas größtem Sportkongress in Düsseldorf die Fußball-Bundesliga.

Peter Fischer war zeitig mit dem ICE nach Düsseldorf angereist. Und siehe da: Der Zug kam sogar pünktlich an. So konnte der Präsident von Eintracht Frankfurt neben dem Dortmunder Geschäftsführer Carsten Cramer als erster prominenter Gast auf der großen Bühne des Sportkongresses Spobis präsentiert werden. Der große Blonde nutzte die begrenzte Zeit beim größten Meeting dieser Art in Europa mit der gewohnten Hingabe. Immerhin mehrere hundert der insgesamt 3700 Spobis-Teilnehmer hörten zu. Es ging um Werte im Fußball und darum, wie engagiert und glaubwürdig die Klubs der Fußball-Bundesliga sie ins Volk transportieren.

Peter Fischer hat sich überregional einen Namen gemacht, als er vor zwei Jahren in Bezug auf die AfD formulierte: „Es kann bei uns niemand Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt.“ Seitdem hat der 63-Jährige viel Zuspruch erfahren, aber auch Kritik nicht nur aus dem Lager der Rechten vernommen. Kritik, die Fischer nicht nachvollziehen kann, wie er am Mittwoch unterstrich: „Wir gehen doch in keine Wahlkabine, um zu überprüfen, wer was wählt.“ Es sei zudem „Blödsinn, dass keiner ins Stadion darf“, der die AfD wähle, „das ist falsch interpretiert worden“. Was er aber sagen will: „Prüft euch: Passen eure Werte zu denen von Eintracht Frankfurt?“ Er erwarte mehr denn je, dass „jeder, der freiwillig bei Eintracht Frankfurt eintritt, diese Werte auch lebt“.

Konsequent gegen Gramlich

Auch Fischers kritische Kernthese in Richtung anderer Klubs und der Deutschen Fußball-Liga fand ihren Weg ins Auditorium. „Was uns fehlt, ist die kollektive solidarische Durchschlagskraft des deutschen Fußballs. Wir schaffen es nicht, dass wir uns als Liga mit klarer Kante klar bekennen gegen die katastrophalen Veränderungen in der Gesellschaft.“ Zuletzt hatte Fischer an der Spitze des eingetragenen Vereins Eintracht Frankfurt dafür Sorge getragen, dass dem vormalige Ehrenpräsidenten Rudolf Gramlich – einen Tag vor dem 75. Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz – von den Mitgliedern posthum die Ehrenmitgliedschaft aberkannt wurde.

Die Eintracht hatte zuvor das renommierte Fritz-Bauer-Institut beauftragt, Gramlichs Rolle im Nationalsozialismus zu überprüfen. Mit dem Ergebnis, so Fischer, dass Gramlich „die Gewaltherrschaft billigend in Kauf“ genommen habe. Der verstorbene Ex-Präsident könne deshalb „auch moralisch und ethisch kein Vorbild für die Jugend, die Mitglieder und die Gesellschaft sein.“ Die Eintracht sei „der Überzeugung, dass die Fakten, die bei der Ernennung zum Ehrenpräsidenten, dem damaligen Zeitgeist folgend, keine Rolle gespielt haben, heute anders bewertet werden müssen.“ Eine konsequente Haltung.

DFB prüft noch

Der Deutsche Fußball-Bund prüft nun ebenfalls, ob Gramlich posthum die Silberne und Goldene Ehrennadel sowie die 1975 verliehene DFB-Ehrenmitgliedschaft aberkannt wird. Sollten Ehrenrat und Präsidium zum selben Ergebnis wie die Eintracht kommen, muss der DFB-Bundestag mit allen Mitgliedern in drei Jahren darüber abstimmen. Es wird also noch einige Zeit ins Land gehen.

Peter Fischer fügte in Düsseldorf für sein Engagement mit der Eintracht hinzu: „Wir wollen uns nicht permanent in der Erinnerungspolitik bewegen, sondern im Heute und in der Zukunft bewähren.“ Der Profifußball mit seinen vielen jungen Spielern verschiedener Herkunft sei dafür der „ideale Transporteur“. In der Eintracht-Kurve habe es „viele Leute mit dem falschen Abzeichen und den falschen Aussagen“ gegeben. Die seien von der Kurve ausgegrenzt worden. „Ich bin stolz, in einem Verein zu sein, der ganz klare Positionen hat.“

Der Dortmunder Christian Cramer trat derweil dem Vorschlag entgegen, gesellschaftliche Verantwortung der Bundesligaklubs als Muss-Voraussetzung in den Lizenzierungsrichtlinien festzuschreiben. Er glaube nicht, „dass es weiteren Zwängen in den Statuten bedarf, die Vereine zu mehr Engagement aufzufordern“. Das müsse aus den Klubs heraus geschehen: „Werte und Haltung müssen eine längere Haltbarkeit haben als das Ergebnis vom Wochenende.“

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