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Zur Personalie Andi Möller haben diese Eintracht-Fans eine klare Haltung.

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Fredi Bobic und der Zorn der Kurve

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Fredi Bobic gerät mit Teilen der Eintracht-Fankurve aneinander, weil die Andreas Möller als neuen Nachwuchs-Chef kategorisch ablehnt. Der Sportvorstand hat sich dabei nicht wirklich gut verhalten. Und tut doch gut daran, sich der Kurve nicht zu unterwerfen. Der Kommentar.

Fredi Bobic hat Zeit seiner Karriere im Fußballgeschäft häufig einstecken müssen. Früher als Spieler visierten die Verteidiger gerne mal die staksigen Beinchen des Torjägers an. Und auch später, in der Zeit als Manager in Stuttgart, musste er gefühlt einen Kampf über zwölf Runden mit den VfB-Fans führen. Pfiffe, Plakate, Sprechchöre, mal mehr und mal weniger beleidigend. Von Woche zu Woche wurden die Hiebe härter, der Zorn der Kurve schmetterte Bobic mitten ins Gesicht und knockte ihn am Ende aus. Vor fünf Jahren war die Ablösung im Schwabenland quasi unausweichlich. Zu groß war der Widerstand aus der mächtigen Cannstatter Kurve, in der die VfB-Ultras stehen, geworden. Denn Bobic hatte aus Sicht der Anhänger nicht nur sportliche Fehlentscheidungen getroffen, sondern vor allem zu oft den Anschein eines kalt lächelnden Repräsentanten des modernen Fußballs erweckt.

Einem ähnlichen Vorwurf sieht sich der Eintracht-Sportvorstand nun wieder ausgesetzt. Als „Sonnenkönig“ und „beleidigtes, bockiges Kind“ bezeichnete ihn der Nordwestkurvenrat, ein Zusammenschluss von Frankfurter Fans, darunter auch die Ultras, in einem Offenen Brief. Auch habe er eine „seltsame Vorstellung von Demokratie in einem Fußballverein“. Es möge zwar sein, dass ihn die Meinung der Fans nicht interessiere, das zeuge aber von „einer gewissen Arroganz“. Rumms, das hat gesessen.

Fredi Bobic hat mit seinem Plan, den ehemaligen Welt- und Europameister Andreas Möller zum Chef des Nachwuchsleistungszentrums zu machen, die Fanseele zum Überkochen gebracht. Was auf das Bekanntwerden der Idee folgte, war das Prinzip von Actio und Reactio. Erst teilten die Frankfurter Ultras während der Heimspiele gegen Arsenal und Dortmund verbal und schriftlich gegen Möller aus („Hurensohn“), dann erwiderte Bobic, dass ihn das überhaupt nicht tangiere, zudem schickte er noch hinterher: „Wer gegen Möller ist, ist auch gegen mich“.

Schmaler Grat für Bobic

Nun wiederum steht der Sportvorstand selbst im Zentrum der Kritik. Und das ehrlicherweise auch selbst verschuldet. Denn tatsächlich hat sich Bobic in dieser heiklen Causa nicht wirklich klug verhalten. Er wandelt auf einem schmalen Grat. Wer gefühlt nach jedem Spiel (vor allem im Europacup) großspurig betont, wie groß der Anteil der Fans an den Erfolgen der vergangenen Spielzeiten war, wer sich gerne auch mit den vielbeachteten Fanchoreografien in den sich anschließenden Interviews brüstet, der sollte nicht alsbald darauf verlauten lassen, dass ihm die Meinung der Anhänger mal eben am Hintern vorbeigeht. Das wirkt unglaubwürdig.

Andreas Möller hat noch nie im Jugendbereich gearbeitet

Einerseits. Andererseits legitimiert eine nette Choreo nicht dazu, wichtige Personalentscheidungen im Klub zu beeinflussen oder gar zu treffen. Dafür ist nun mal Fredi Bobic da, und er wird sich auch an der Besetzung des Jugendleiterpostens messen lassen müssen. Solch eine Jobvergabe muss nicht jedem gefallen, ob sie am Ende richtig ist, lässt sich ohnehin erst seriös in einigen Jahren beurteilen. Wer aber Möller auf Plakaten vorab übel beschimpft und kurz darauf Bobic in einem Offenen Brief verschmäht, der verwirkt just in diesem Moment die sowieso relativ kleine Chance, Gehör zu finden – solch Schläge unter die Gürtellinie darf sich ein Klub nicht gefallen lassen, er muss stattdessen die eigenen Überzeugungen standhaft vertreten.

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Dabei gibt es durchaus sinnvolle Argumente, die Eignung des ehemaligen Eintracht-Profis als NLZ-Leiter in Frage zu stellen. So hat Möller nach seiner aktiven Karriere noch nie im Jugendbereich gearbeitet. Mehr als das Interesse des DFB im Jahr 2013, ihn zum Sportdirektor für die Juniorenteams zu berufen, was am Ende nie geschah, ist bisher nicht in seiner Vita vermerkt.

Das heißt zwar nicht, dass Möller seinen möglichen Job schlecht machen würde – auch Bobic wurde dies von den Eintracht-Ultras schon bei der Ankunft nicht zugetraut –, es wäre aber zumindest ein Ansatzpunkt gewesen, um sachlich Kritik zu üben. Stattdessen steht niedergeschrieben: „Möllers fachliches Wissen kann und soll hier nicht beurteilt werden“. Genau darum sollte es aber eigentlich gehen.

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