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Will gegen die alten Kollegen aus Dortmund treffen, aber nicht jubeln: Eintracht-Stürmer Nelson Valdez.

Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt

Eintracht ohne 55 Prozent

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Weil das torgefährlichste Duo Meier/Aigner fehlt, muss Nelson Valdez im Spiel von Eintracht Frankfurt bei Borussia Dortmund in die Bresche springen.

Der nach einer kleinen Odyssee durch die halbe Fußballwelt bei Eintracht Frankfurt gelandete Stürmer Nelson Valdez könnte am heutigen Samstag einen alten paraguayischen Rekord knacken. Den aktuellen hält noch ein gewisser Lucas Barrios, eigentlich Argentinier, seit 2010 aber auch im Besitz des paraguayischen Passes, und Señor Barrios hat in der Bundesliga 39 Treffer erzielt – alle für Borussia Dortmund.

Nelson Valdez ist ebenfalls aus dem kleine südamerikanischen Land und er steht bei 38 Treffern. Er könnte also gleichziehen (oder seinen Landsmann gar überholen), dazu müsste er zwischen 15.30 und 17.20 Uhr nur treffen – gegen Borussia Dortmund.

Nelson Valdez will die Marke natürlich übertreffen, keine Frage, aber jubeln, nein, jubeln würde er nicht, sagt er. Der Respekt sei zu groß, die Erinnerung so schön, Borussia Dortmund „ist in meinem Herzen“. Zwischen 2006 und 2010 stand Valdez beim BVB unter Vertrag, 113 Spiele hat er gemacht für die Schwarz-Gelben, unter Jürgen Klopp hat er gespielt, der jetzt Abschied feiert aus Dortmund, so was prägt, so was vergisst man so schnell nicht. Auch Valdez nicht, der nach seiner Dortmunder Zeit auf Wanderschaft ging, in Spanien spielte und Griechenland, in Katar und Russland. Und jetzt wieder unter Thomas Schaaf, bei Eintracht Frankfurt.

Klar: Da will man bei seinen alten Gefährten bei der Rückkehr „vor die gelbe Wand, auf die ich mich freue“, einen guten Eindruck hinterlassen. „Wir wollen ein gutes Bild abgeben“, sagt Valdez. Eine Leistung wie im letzten Heimspiel gegen Mönchengladbach wäre da sicherlich hilfreich, „wir werden Vollgas geben“, verspricht der 31-Jährige.

„Selbst in der Hand“

Er wird wieder dabei sein, von Anfang an. Nelson Valdez profitiert ein wenig vom Ausfall des besten Torschützen Alexander Meier, sehr viele Alternativen auf der Stürmerposition hat Trainer Thomas Schaaf ja nicht mehr. Dass der Paraguayer noch nicht ganz auf der Höhe ist, ist nicht ungewöhnlich: Seit seinem Kreuzbandriss im August des vergangenen Jahres kam er bislang zu vier Einsätzen, nie über 90 Minuten, „gegen München“, sagt er lachend, „war ich nach zehn Minuten übersäuert“. Inzwischen hat er sich stabilisiert.

Aber immer noch tut ihm nach einem Spiel alles weh, „Achillessehne, Wade, aber nicht das Knie“. Das liegt daran, dass er das operierte Knie im Unterbewusstsein nicht voll belasten will, und deshalb „ein bisschen anders läuft als normal“. Immerhin hat er bei seinem Comeback gegen Paderborn gleich einen sehr schönen Treffer erzielt, einen gefühlvollen Lupfer, und sich auch gegen Mönchengladbach per Kopf eine prima Gelegenheit erarbeitet. Ein wenig Torgefahr täte Eintracht Frankfurt sicher ganz gut, denn neben Meier (19 Tore) fällt definitiv auch der zweitbeste Schütze, Stefan Aigner (neun Tore) aus. Das ist eine immense Schwächung, das Duo Meier/Aigner hat zusammen 28 Tore erzielt, mithin 55 Prozent aller Eintracht-Tore. Wer soll also treffen? In den letzten beiden Partien blieb die Eintracht ohne Tor.

Das Spiel gegen Dortmund ist das erste von drei Spielen am Stück gegen die unmittelbare Konkurrenz um einen Platz, der fürs internationale Geschäft berechtigt. Man hat es also selbst in der Hand, das findet auch Trainer Schaaf ganz reizvoll. „Es liegt an uns, unsere Position zu verbessern. In den direkten Duellen können wir etwas entscheiden.“

Dazu freilich sei es erforderlich, mit derselben Einstellung, mit demselben Engagement wie gegen Borussia Mönchengladbach in die Partie zu gehen. „Da hat sich keiner rausgenommen“, sagte Schaaf. Laufleistung und kämpferischer Einsatz haben gestimmt. Da sei er sehr zufrieden gewesen. Auch in Dortmund müsse man „mutig genug sein“ und den Gegner in Verlegenheit bringen. Vieles spricht dafür, dass die Eintracht, die erstaunliche 6484 Fans begleiten werden, in einer defensiveren Formation beginnen wird, also erneut mit dem zweiten Sechser Slobodan Medojevic, der genauso wie Innenverteidiger Carlos Zambrano trotz fehlendem Rhythmus wird spielen können.

Auch wenn sich der BVB inzwischen gefangen habe und wieder „starke Leistungen abrufen“ könne“, so haben die Schwarz-Gelben doch eine „unruhige Saison“ gespielt. Am Dienstag steht für Borussia Dortmund schon das nächste Highlight an: Im Pokal-Halbfinale beim FC Bayern München. Thomas Schaaf will am Samstag nicht mit leeren Händen nach Hause fahren. „Wir sind mental gut drauf.“

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