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Eintracht ohne Furcht gegen Tottenham

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Von: Daniel Schmitt

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Ringelpiez mit Anfassen: die Eintracht-Profis Makoto Hasebe und Daichi Kamada (rechts).
Ringelpiez mit Anfassen: die Eintracht-Profis Makoto Hasebe und Daichi Kamada (rechts). © Arne Dedert/dpa

Frankfurter Bundesligist strotzt nach drei Pflichtspielsiegen in Serie vor Selbstvertrauen und will den Schwung auch in der Königsklasse gegen Tottenham auf den Rasen bringen.

Die Vorfreude auf das, was da kommen wird, die Lust am Wettkampf auf allerhöchstem Level, der Champions League, war deutlich zu spüren am Montagvormittag im Frankfurter Stadtwald, nur logisch, mit diesem souveränen 2:0-Erfolg gegen den Bundesliga-Tabellenführer Union Berlin im Rücken, bei drei Pflichtspielsiegen am Stück, mit Platz sechs in der Liga. Da lässt sich solch ein locker-leichtes Abschlusstraining vor dem Königsklassen-Kracher an diesem Dienstag (21 Uhr/Amazon Prime) wahrlich genießen. Da nehmen sich die Fußballer von Eintracht Frankfurter beim Aufwärmen also auch mal gegenseitig an den Händen, dribbeln dann im Duett durch den von den Trainern errichteten Stangenwald, da verpasst der wieder fitte Profi Kristijan Jakic dem Athletikcoach Markus Murrer mal eben einen dicken Schmatzer auf die Wange, da jubeln erwachsene Männer wie kleine Kinder, wenn sie ihre Aufgaben erfolgreich erledigt haben. Ganz klar, das Höhepunktspiel kann kommen.

Einer freilich kam nicht raus am Montag auf den Rasen, Mario Götze, der Frankfurter mit den feinsten Füßchen im Team, hatte sich eben einen davon vertreten am Samstag im Spiel gegen Union. Ohne Gegnereinfluss blieb er im Rasen hängen und ließ sich kurz drauf lieber auswechseln. Nicht allzu schlimm, hieß es noch am Wochenende in einer ersten Einschätzung von den Eintracht-Verantwortlichen, aber doch zu schlimm, um am Dienstag mitwirken zu können.

„Er wird fehlen“, beantwortete Oliver Glasner, der Trainer, am Montag auf der Pressekonferenz eine Frage, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal zu Ende ausformuliert worden war vom Reporter. Götze, so Glasner, verspüre einfach zu große Schmerzen im Sprunggelenk, könne daher nicht bei 100 Prozent agieren. Und die braucht es nun mal für solch eine Abend unter Champions.

Doch auch ohne Götze, einen der besten Profis gegen Union, fühlt sich die Eintracht gut gerüstet für das Heimspiel gegen den vermeintlich besten Gruppengegner. Sie tritt mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen an. Gegen die Berliner zeigte die Eintracht am Samstag ihrerseits eine der besten Leistungen der Runde, vielleicht sogar die beste. Bereits das berauschende 4:0 gegen Leipzig im eigenen Stadion hatte die Zuschauenden zwar verzückt, war es damals vor allem errungen worden mit Verve, Laufbereitschaft, dem Willen, den Gegner in den Zweikämpfen aufzufressen. Diesmal aber kam noch eine weitere Komponente im hessischen Spiel dazu. Eine, die gerade in den anstehenden Englischen Wochen für die Eintracht von enormer Bedeutung sein könnte: fußballerische Reife.

Die Frankfurter hatten den Gegner total im Griff. Sie bestimmten das Tempo, sie machten das Spiel schnell, wenn sie es wollten und nahmen Schwung heraus, wenn es ihnen gut in den Kram passte. Lange Zeit, bis zum Platzverweis von Randal Kolo Muani, war die Partie sogar einigermaßen kräfteschonend vonstatten gegangen. „Toller Auftritt“, „Top-Leistung“, ordnete Trainer Glasner das Gesehene ein, das in zwei schönen Toren von Mario Götze und Jesper Lindström gegipfelt war. Der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche rechnet nicht umsonst mit einem „guten Gefühl und Selbstvertrauen für Dienstag“.

Freilich ist dann ein ganz anderes Spiel als noch am Samstag zu erwarten, gegen einen deutlich besseren Gegner (siehe auch Artikel auf Seite S2). Tottenham ist der Favorit, ohne Zweifel, steht aber nach der vorherigen 0:2-Niederlage bei Sporting Lissabon selbst unter Druck. Die Eintracht wie die Spurs haben bisher drei Punkte auf dem Konto. Wahrscheinlich ist, dass sich die Nordlondoner darum bemühen, die Ballhoheit im Waldstadion zu erlangen. Es könnte sein, dass die Eintracht ihnen diese in Teilen sogar freiwillig abgibt. In der Regel taugen den Frankfurtern jene Kontrahenten ganz gut, die selbst Initiative übernehmen. Dann nämlich können die Hessen mit ihren schnellen Leuten wie Kolo Muani und Lindström die freien Räume hinter den hoch verteidigenden Abwehrspielern attackieren. Anstelle von Götze dürfte Daichi Kamada im offensiven Mittelfeld auflaufen und damit wiederum seinen Platz auf der Sechser-Position für den gegen Berlin lange geschonten Djibril Sow räumen. Größere Personalwechsel sind nicht zu erwarten, einzig Jakic könnte womöglich noch für den gegen Union zwar guten, aber immer noch nicht topfitten Luca Pellegrini ins Team rutschen und rechts verteidigen.

Der Respekt vor den Spurs ist vorhanden, Ehrfurcht aber verspüren sie in Frankfurt nicht vor den Londonern. Tottenham habe eine „unfassbare Qualität“, sagt Glasner und meint damit vor allem die Offensivabteilung der Engländer, die „viel Klasse“ mitbringe, die laut dem formstarken Eintracht-Torhüter Kevin Trapp zur „europäischen Spitze“ gehöre. „Ein geiler Gegner“, findet auch Kapitän Sebastian Rode, zumal kommende Woche ja bereits das Rückspiel in England ansteht. Rode: „Es fühlt sich ein bisschen wie ein K.o.-Duell an.“ Doch trotz alledem sagt Trainer Glasner auch: „Wir wollen gewinnen - so wie immer.“ Den Hessen ist keineswegs bange, das spürt man. Warum auch, zuckt etwa Ansgar Knauff, der rechte Flügelläufer, mit den Schultern und ruft freudig heraus: „Es wird Zeit für die nächste magische Nacht in Frankfurt.“

Die Mannschaft, so Knauff, fühle sich jedenfalls bereit für weitere europäische Großereignisse, denn: „Wir haben unser Spiel gefunden“, was neben den drei geholten Punkten wohl das wichtigste Überbleibsel des Erfolges gegen Union ist. Die Automatismen im Eintracht-Spiel scheinen sich nach dem dritten Pflichtspielsieg in Serie mehr und mehr einzuschleifen.

„Wie wir aufgetreten sind, stimmt mich positiv“, sagt Oliver Glasner, die Stimmung innerhalb der Truppe sei sehr konzentriert und erwartungsfroh, doch: „Es wird nötig sein, absolut am obersten Level zu spielen.“ Ohne Ehrfurcht, auch ohne Mario Götze, dafür aber mit viel Lust.

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