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Aufgeweckt und aufgeschlossen: Sam Lammers bei seiner Vorstellung in Frankfurt.
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Aufgeweckt und aufgeschlossen: Sam Lammers bei seiner Vorstellung in Frankfurt.

SGE

Eintracht Frankfurt: Kein Zurück für Amin Younes – Sam Lammers greift an

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Stürmer Sam Lammers besticht durch vieles, aber nicht durch Kopfballstärke - ungewöhnlich bei 1,90 Meter Körpergröße. Für Amin Younes gibt es kein Zurück.

Frankfurt - Der Messias in Stollenschuhen ist dieser Sam Lammers, ein aufgeweckter Bursche aus dem niederländischen Tilburg, wohl eher nicht. „Den Heilsbringer gibt es auch nicht“, sagt sein neuer Trainer Oliver Glasner und dämpft die Hoffnung darauf, dass nun endlich einer da ist, der so viele Tore macht wie einst der Teufelskerl André Silva und die etwas in Schieflage geratene Eintracht im Alleingang wieder auf den rechten Weg führt. Der aus Bergamo nach Frankfurt entliehene Stürmer, fügt der Coach an, sei gleichwohl ein wichtiger Mosaikstein im Eintracht-Spiel. „Das passt.“ Sam Lammers, 24 Jahre jung, 1,90 Meter groß, wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch der letzte, der sich selbst als Heiland im Fußballtrikot bezeichnen würde. Dazu ist der Niederländer viel zu geerdet und einfach zu normal. „Ein super Junge“, schwärmt Coach Glasner.

Von diesen 28 Toren seines Vorgängers André Silva hat Sam Lammers gehört, natürlich. „Das ist schon toll, wirklich erstaunlich.“ Sich eine ähnliche Marke als Ziel zu setzen, käme ihm freilich nicht in den Sinn, auch wenn er vor zwei, drei Jahren selbst mal regelmäßig ins Schwarze getroffen hat: 19 Tore für den SC Heerenveen. Immerhin sagt der Mittelstürmer: „Die Mannschaft spielt offensiv, das gefällt mir. Die Resultate stimmen zurzeit nicht, deshalb will ich der Mannschaft helfen, mit Toren, aber nicht nur mit Toren.“

Er könne auch ganz passabel kicken, findet er nämlich, technisch sei er gut unterwegs, ein Spiel könne er daher eröffnen und gestalten, Schüsse rechts wie links, auch außerhalb des Strafraums, seien für ihn kein Problem. „Ein ganz feiner Fußballer, sehr intelligent, er beteiligt sich mit seinen technischen Fähigkeiten am Spiel, kann Räume schaffen“, lobt Glasner.

Alles Attribute, die man von einem guten Angreifer erwarten kann, aber eher selten von einem 1,90-Meter-Mann bekommt, der auch noch als sogenannter Wandstürmer oder Zielspieler angekündigt wurde. Das Kuriose bestätigt der Profi selbst, als er auf seine Schwächen zu sprechen kommt. „Für meine Größe könnte ich mehr Kopfballtore machen. Da kann ich mich verbessern.“ Der Brecher da vorne drin ist er also nicht, keiner, der sich durchtankt und an dem die wuchtigen Bundesligaverteidiger abprallen. Dafür ist Lammers auch ein bisschen zu schmal und schlaksig.

Eintracht Frankfurt: Weltstars als Vorbilder

In Bergamo ist der Angreifer, dessen Vorbilder Ruud van Nistelrooy (sein Trainer in Eindhoven) und Dennis Bergkamp sind, nicht wie erhofft zum Zuge gekommen, meist wurde er für ein paar Minuten eingewechselt. Das ist nichts, was ihn zufriedenstellt. „Ich habe nicht so oft gespielt, wie ich es mir erhofft hatte“, sagt er und bekundet, in Italien dennoch zu einem besseren Spieler geworden zu sein. Allein das Training mit den vielen herausragenden Fußballern hätte ihm geholfen.

Dennoch war es an der Zeit, etwas Neues zu probieren, den Schritt dorthin zu gehen, wo er gebraucht wird, in den Rhythmus kommt und Wettkampfpraxis sammeln kann, denn die ist nun mal unersetzbar, sie lässt einen Sportler erst sein ganzes Potenzial entfalten. „Das ist einer der Gründe für den Wechsel, ich will eine ganze Saison durchspielen.“

Eigentlich hätte er schon im Winter nach Frankfurt kommen sollen, doch da machte Atalanta noch einen Strich durch die Rechnung und verweigerte die Freigabe. Er selbst hätte schon damals gerne die Seiten gewechselt. Als nun das neuerliche Angebot der Eintracht kam und der Deal am letzten Tag der Transferperiode über die Bühne ging, hat er nicht lange überlegen müssen, seine Sachen ins Auto geworfen und ist die 700 Kilometer rüber an den Main gefahren. Ganz unprätentiös.

Er sei prima aufgenommen worden, erzählt er in gutem Englisch; Deutsch versteht er, weil er es in der Schule gelehrt bekam und die Sprache der holländischen ähnelt. „Ich verstehe viel, aber das Sprechen muss ich noch üben.“ Zwar habe er erst zwei, drei Einheiten mit der durch die Länderspielabstellungen dezimierten Mannschaft absolvieren können, doch er sei „glücklich, hier zu sein. Die Eintracht ist ein wirklich großer Klub. Das passt alles.“

Eintracht Frankfurt: Sam Lammers - „Ich bin bereit“

Natürlich hat er sich in den Tagen vor seinem Wechsel über seinen neuen Verein informiert, er habe so einiges von den Störfeuern „gehört und im Internet gelesen“, also die durch den abwanderungswilligen Amin Younes und den streikenden Filip Kostic ausgelösten Turbulenzen. Doch seit seiner Ankunft habe er nichts bemerkt, keine atmosphärischen Störungen, „auch keine Unruhe“. Lammers folgert daraus mit der ihm gebotenen Distanz: „Ich weiß nicht genau, was los war, aber ich denke, das ist kein großes Problem.“ Das wird sich weisen.

Amin Younes jedenfalls hat keine Zukunft mehr in Frankfurt. Das wurde dem Offensivspieler nun auch ganz deutlich aufgezeigt. Das Verhalten des 28-Jährigen ist für die Verantwortlichen nicht zu tolerieren, zumal er jeglichen Rückhalt in der Mannschaft verloren hat.

Bei Filip Kostic ist das anders. Den serbischen Nationalspieler kennt Sam Lammers natürlich, und die Augen strahlen, wenn er über ihn spricht. „Toller Spieler, tolle Flanken. Ich freue mich darauf.“ Vielleicht doch noch mal ein paar Kopfbälle üben.

Lammers, der vor eineinhalb Jahren für rund zehn Millionen Euro von PSV Eindhoven nach Bergamo gewechselt war, lässt sich voll auf das Abenteuer Frankfurt ein, das spürt man, das sieht man ihm an – auch wenn er zunächst nur ausgeliehen ist und keine Kaufoption ausgehandelt wurde. „Es ist jetzt erst mal nur für ein Jahr. Aber wenn beide Parteien glücklich sind, weiß man nie, was passiert.“

Der Angreifer könnte schon am Sonntag im Heimspiel gegen Stuttgart erstmals auflaufen, gerade weil sein zukünftiger Sturmpartner Rafael Borré dann wahrscheinlich fehlen wird. Sam Lammers brennt darauf: „Auch wenn die Eingewöhnungszeit kurz war: Ich bin bereit.“ Es klingt sehr entschlossen.

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