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Eine Klasse für sich: Torschütze Filip Kostic, nicht nur von Hertha BSC umworben. hübner
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Eine Klasse für sich: Torschütze Filip Kostic, nicht nur von Hertha BSC umworben. hübner

SGE

Eintracht Frankfurt testet gegen Sandhausen – Mit Witz und Raffinesse

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt deutet an, dass sie spielerisch einiges zu bieten haben wird. Torwart Frederik Rönnow geht, Jens Grahl wird sein Nachfolger und Fredi Bobic will Filip Kostic.

Frankfurt - Nach seinem ersten und aller Voraussicht nach nicht letzten Sieg im neuen Verein ist Oliver Glasner schon mal grundsätzlich geworden. Es gebe kein A-, B- oder C-Team, dozierte der Trainer von Eintracht Frankfurt, es gebe „keine neuen, alten oder jungen Spieler“, es gehe ausschließlich ums Große und Ganze, um den Verein, der mächtiger und bedeutender ist als jeder Einzelne. „Das habe ich der Mannschaft gesagt, und das ist mir ganz wichtig“, betonte der 46-Jährige. „Ich will das Gefühl haben, dass wir Eintracht Frankfurt sind. Von der Nummer eins bis zur Nummer 28, von der ersten Sekunde bis zur 90. Minute. Wir sind ein Team, und das werden wir die ganze Saison so durchziehen.“ Das Mantra des Oliver Glasner.

Schon früh in der Vorbereitung geht es dem Fußballlehrer ganz offenkundig darum, seine Prinzipien zu verdeutlichen, eine klare Haltung und eine Kultur des Miteinanders zu implementieren. Ehrlichkeit, Offenheit und Aufrichtigkeit sind Werte, die es zu leben gilt; das eigene Ego sollte tunlichst dem Kollektiv untergeordnet werden.

Eintracht Frankfurt rein sportlich gesehen auf dem richtigen Weg

Rein sportlich gesehen scheint der Coach mit seinem Ensemble, wenn man das zu diesem frühen Zeitpunkt mal ganz vorsichtig schlussfolgern darf, auf dem richtigen Weg, selbst wenn der 1:0 (1:0)-Erfolg über den Zweitligisten SV Sandhausen sicher kein belastbares Zeugnis ist, das großartige Rückschlüsse für die lange Spielzeit zulässt. Und doch: Eintracht Frankfurt präsentierte sich im Vergleich zur mühseligen Vorstellung in der Vorwoche gegen Wehen Wiesbaden (1:3) um Klassen verbessert. Man konnte eine ungefähre Idee davon bekommen, was Oliver Glasner so vorschwebt, wie er seine Mannschaft agieren lassen und was er sehen will.

Auffällig war, dass das Team von Eintracht Frankfurt fast ausschließlich mit Akteuren bestückt war, die ihre Stärken im Kreieren und Spielerischen haben, auch die beiden als „Sechser“ aufgebotenen Ajdin Hrustic und Rodrigo Zalazar können manierlich mit der Kugel umgehen. Gerade der Australier Hrustic sprühte vor Spiellaune, forderte die Bälle und verteilte sie. Der giftige Nebenmann Zalazar, auf St. Pauli im Stahlbad der zweiten Liga gereift, vermittelt ebenfalls den Eindruck, eine Verstärkung sein zu können. Das sieht ganz vielversprechend aus.

Eintracht Frankfurt ist Sandhausen haushoch überlegen

Spielerisch war Eintracht Frankfurt dem Konkurrenten haushoch überlegen. „In der ersten Halbzeit habe ich uns 30, 35 Minuten ausschließlich in der gegnerischen Hälfte gesehen“, lobte der Trainer: „Viele Sachen sind jetzt klarer.“ Die Hoffnung: Mit jeder Trainingswoche die Philosophie noch tiefer verinnerlichen, das System durchdringen und es verstehen. „Er hat eine Spielidee, die er uns im täglichen Training versucht einzuimpfen“, sagt Erik Durm.

Auch Eintracht Frankfurts Neuzugang Jesper Lindström deutete in seinem ersten Spiel sein Potenzial an, sogar als Sturmspitze – obwohl er sich eigentlich, wie Glasner weiß, „gerne zwischen den Linien bewegt“, aber auf den Halbpositionen hätten das Daichi Kamada und Aymen Barkok „sehr gut gemacht“.

Eintracht Frankfurt: Erik Durm schwärmt von Neuverpflichtung Jesper Lindström

Lindström ist flink auf den Beinen, technisch versiert, durchaus dribbelstark. „Ein super Junge, ein sehr schlauer Spieler, er spielt frech auf“, urteilt Mitspieler Durm. „Er ist definitiv eine Bereicherung für unsere Mannschaft.“

Auch die jungen Offensivkräfte Ali Akman und Fabio Blanco zeigten eine ansprechende Darbietung beim Test von Eintracht Frankfurt gegen Sandhausen, ihre Spielstärke und Raffinesse schimmerten durch. Man kann erkennen, weshalb sich Eintracht Frankfurt derart intensiv um die Talente bemühte – auch wenn man natürlich abwarten muss, wie sie sich entwickeln und ob sie sich im harten Verdrängungswettbewerb Bundesliga behaupten können. Glasner war zufrieden, gerade Blanco habe es am linken Flügel nicht leicht gehabt. „Das ist eine ungewohnte Position, aber er ist aufnahmefähig, hat eine gesunde Aggressivität.“

Fredi Bobic will Filip Kostic von Eintracht Frankfurt weglocken

Deutlich zu erkennen war aber auch, dass bei aller spielerischer Überlegenheit von Eintracht Frankfurt die Torchancen Mangelware blieben. „Die Präsenz im Strafraum wollen wir verbessern“, sagt der Coach. Die Mannschaft „beschäftige“ sich aber zurzeit gerade mit der von ihm geforderten Absicherung nach hinten. „Das ist sogar etwas zu viel“, sagt Glasner milde lächelnd. So blieb es bei dem einzigen Tor durch Filip Kostic (32.). Am umworbenen Serben ist, wie die FR bereits berichtete, auch Hertha BSC interessiert. Der Berliner Sportchef Fredi Bobic will nun offenbar die Ablösesumme für Jhon Cordoba, der für 20 Millionen zu FK Krasnodar wechselt, in Kostic stecken. Dass der gerade in Frankfurt ausgeschiedene Bobic seinen Ex-Spieler unbedingt nach Berlin holen will, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Ausgang offen.

Coach Glasner wird am Montag die Rückkehrer Kevin Trapp, Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker auf dem Übungsplatz begrüßen können. Dann soll auch Amin Younes wieder mitmischen, der Probleme an der Hüfte hat. „Es ist keine strukturelle Verletzung, aber bei größerer Belastung macht die Muskulatur zu“, erklärt der Trainer.

Eintracht Frankfurt wird Jens Grahl vom VfB Stuttgart verpflichten

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird indes Frederik Rönnow gar nicht mehr nach Frankfurt zurückkehren. Der dänische EM-Tourist steht, wie zuerst der „Kicker“ berichtete, vor einem Engagement beim Ligakonkurrenten Union Berlin, wo er zumindest Chancen hat, im Zweikampf mit dem auch nicht übermächtigen Andreas Luthe die Stammkraft zwischen den Stangen zu werden. Für Rönnow wäre das nach einem vermurksten Jahr auf Schalke eine prima Sache.

Eintracht Frankfurt ihrerseits wird mit der Verpflichtung von Jens Grahl aus Stuttgart reagieren. Der 32-Jährige steht seit fünf Jahren bei den Schwaben unter Vertrag, Einsatzzeit: null Minuten. Der gebürtige Stuttgarter gilt als guter, verlässlicher Typ, seine Chancen, in Frankfurt auf mehr Spielzeit zu kommen, tendieren unter normalen Umständen gen null. Die Hierarchie ist klar geregelt, und sie ist nun auch so konzipiert, dass es keinen Herausforderer für den deutschen Nationaltorwart Kevin Trapp gibt, sondern er sich seines Status‘ absolut sicher sein kann. Jens Grahl, der einst gemeinsam mit Markus Krösche, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, eine Saison (2011/12) in Paderborn spielte, wird keine Ansprüche stellen. Der junge Diant Ramaj soll herangeführt werden.

Kuriosum am Rande: Zeit seiner Karriere hat Jens Grahl lediglich zwölf Bundesligaspiele bestritten – zwei davon mit der TSG Hoffenheim gegen Eintracht Frankfurt. Grahls persönliche Bilanz: ein Sieg, ein Unentschieden. Gar nicht so schlecht. (Ingo Durstewitz)

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