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Eintracht-Manager: „Wir sind brutal interessant geworden“

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Von: Ingo Durstewitz

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Bitte recht freundlich: Eintracht-Sportchef Markus Krösche steht im Fokus.
Bitte recht freundlich: Eintracht-Sportchef Markus Krösche steht im Fokus. © IMAGO/Revierfoto

Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche über den Imagegewinn, die Spielersuche und die Zukunft von Filip Kostic.

Es ist gar nicht so leicht, einen Gesprächstermin mit Markus Krösche zu vereinbaren. Mittags? „Termine, bin den ganzen Tag unterwegs“, bekundet der Sportvorstand der Eintracht. Okay, abends vielleicht? Sitzt er im Flugzeug, Destination unbekannt. Am nächsten Morgen dasselbe Spiel. „Bin im Flieger, melde mich später.“ Macht er schließlich auch, der viel beschäftigte Sportchef der Eintracht, der so ganz nebenbei auch noch die brisante Causa Martin Hinteregger zu moderieren und glätten hatte. Schwierig genug. „Ich muss ja was tun für mein Geld“, sagt er lachend.

So ist das bei einem Fußballmanager in der heißen Transferphase. Wenn andere Urlaub machen, beginnt für einen verantwortlichen Bundesligafunktionär die Arbeit. Da gilt es, Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen, mit den Agenten der Spieler zu sprechen und mit den Familien, mit den Umworbenen selbst ebenfalls. Da kommen schon ein paar Flugmeilen zusammen. Für Krösche gehen dabei nun manche Türen auf, die normalerweise verschlossen geblieben wären. Das liegt natürlich an dem Triumph in der Europa League. „Wir sind für Spieler brutal interessant geworden“, sagt der Sportboss im Gespräch mit der FR. „Durch den Titel, aber auch durch die Teilnahme an der Champions League.“ Und durch den Streifzug über den Kontinent, der Spuren hinterlassen, der die Vereine, die Verbände, die Berater und ihre Spieler, der die Menschen generell tief beeindruckt hat. „Der Europa-League-Sieg hilft uns, Entwicklungen früher einzuleiten. Der Erfolg war ein Beschleuniger für die Wahrnehmung“, befindet der frühere Leipziger Sportdirektor. „Natürlich hat man vorher auch in Europa Eintracht Frankfurt gekannt, aber wir waren nicht so präsent wie Bayern, Dortmund oder Leverkusen. Das hat sich geändert, wir haben in Europa für Furore gesorgt, wir haben den Titel geholt, aber auch Barcelona ausgeschaltet. Das hat man registriert. Das hat uns einen Imageschub gegeben.“

Doch Krösche sitzt nicht im Wolkenkuckucksheim oder glaubt, durchs Phantasialand zu schweben. Vieles ist für die Eintracht einfach nicht machbar, fertige Topstars, die ganz sicher eine Soforthilfe wären und auf Anhieb funktionieren, sind nicht drin. Dafür ist der Etat nach wie vor zu schmal, obwohl die Eintracht überall ein paar zusätzliche Millionen gemacht hat: TV-Tabelle, Europa League, zudem die baldigen Champions-League-Einnahmen. Und auch vom Königsklassen-Triumph von Real Madrid hat der Frankfurter Klub profitiert, dadurch sind noch einmal zwei Millionen Euro für den Wechsel von Luka Jovic 2019 fällig geworden. Die Ablöse, Basissumme 62,5 Millionen, hat sich durch Bonuszahlungen inzwischen auf 68,5 Millionen erhöht.

Zusätzliches Geld würde auch ein Verkauf von Filip Kostic bringen. Zurzeit weiß niemand so recht, was aus dem Euro-Helden wird. Verlängert er langfristig? Oder geht er doch? Einige aus dem inneren Zirkel vermuten, dass er es noch einmal woanders versuchen wird, in Italien bei Juventus Turin. Eine Überraschung wäre das nicht. Die Eintracht würde ihm – bei entsprechender Entschädigung – einen gebührenden Abschied bereiten. Sie weiß, was der Linksaußen geleistet hat, den Weg zu einem Topklub würde sie ihm nicht verbauen.

Noch aber ist es nicht so weit. „Filip beschäftigt sich intensiv mit seiner Zukunft, das ist für ihn keine einfache Entscheidung. Er spielt schon lange bei uns, weiß, was er an uns hat. Andererseits hat er sich in den Vordergrund gespielt“, fasst Markus Krösche die Gesamtlage zusammen. „Man wird sehen, wie das ausgeht. Ein Angebot haben wir jedenfalls noch nicht reinbekommen.“ Die Eintracht spekuliert auf ein Paket, das in Summe (mit Boni) knapp 20 Millionen Euro schwer sein soll.

Ein Abgang des Besten wäre schmerzhaft, keine Frage, aber Filip Kostic wird auch schon 30, bei seiner kraftraubenden Spielweise wird er kaum noch drei, vier Jahre auf diesem Niveau spielen können. Dazu lebt er zu sehr von Wucht, Dynamik und Tempo. Ein Verkauf würde den Spielraum für Neuzugänge erweitern, denn ohne Zusatzeinnahmen ist die Eintracht in einem bestimmten Rahmen gefangen. „Wir haben unser Budget, und das ist durch den Europa-League-Erfolg und die Champions League nicht exorbitant gewachsen. Wir haben einen Verlust von 23 Millionen Euro eingefahren. Das sagt doch alles. Wir bleiben daher vernünftig“, betont der Manager. Es gibt fürwahr genügend abschreckende Beispiele von Vereinen, die im Erfolgsfall die Gehaltsspirale immer weiter nach oben gedreht haben – mit der Folge, dass sie ihre Zahlungen kaum mehr leisten konnten, als der Erfolg ausblieb. Das ist ein Vabanquespiel, das die Eintracht nicht mitmachen möchte. „Wenn du einmal Harakiri machst, kriegst du es nicht mehr runtergedreht. Wir werden daher auch gewiss nicht das Gehaltsgefüge sprengen und unsere Zukunft verwetten“, sagt der Sportvorstand. Auch aus finanziellen Gründen klemmt es derzeit beim geplanten Kauf von Lucas Alario von Bayer Leverkusen. Die Gehaltsforderungen sind der Eintracht zu hoch, weshalb auch der Bochumer Sebastian Polter wieder ins Rennen gekommen ist.

Generell aber bleibt es dabei, dass die Eintracht hochtalentierte, junge Spieler entdecken und holen will, die den Verein auf ein anderes Level hieven können, dann aber auch nicht unverkäuflich sind. So wie Linksverteidiger Ridvan Yilmaz von Besiktas Istanbul, den die Eintracht an der Angel hat. Fünf Millionen soll der Rohdiamant kosten. „Wir wollen Spieler einbauen, die jung sind und Potenzial haben, die auch mal Champions League spielen können“, erklärt Krösche. „Und wenn uns mal ein Leistungsträger verlassen sollte, wäre es wünschenswert, dass wir das aus dem eigenen Kader regeln, also aus den eigenen Reihen nachschieben können. Das wird nicht sofort eins zu eins funktionieren, aber das muss perspektivisch unser Ziel sein.“

Bei aller Begeisterung über den wilden Ritt durch Europa, so hat der Manager übrigens die Bundesligasaison nicht vergessen. „Damit können wir nicht zufrieden sein. Das wollen wir ändern, wir wollen deutlich besser abschneiden. Auch wenn wir nicht jedes Jahr europäisch spielen müssen, so ist Platz elf bestimmt nicht unser Anspruch.“ Der Sportchef weiß, dass die Mannschaft dazu aufgepeppt werden muss. „Wir müssen und wollen uns in Zukunft so aufstellen, dass wir in allen Wettbewerben auf einem hohen Level spielen können. Wir wollen schauen, dass wir in der Spitze des Kaders nicht an Qualität verlieren, aber in der Breite zulegen.“ Zunächst einmal muss aber das Aufgebot verschlankt werden. Es ist nämlich mit viel Masse ganz schön aufgebläht.

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