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Handverlesen: Besonders viele Fans dürfen nicht ins Stadion, die Eintracht geht dagegen vor.
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Handverlesen: Besonders viele Fans dürfen nicht ins Stadion, die Eintracht geht dagegen vor.

Eintracht-Fans im Stadion

Eintracht kündigt Klage an: „Pandemie 2021 muss anders funktionieren“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Bundesligist Eintracht Frankfurt will vor das Verwaltungsgericht ziehen, weil die Behörden nur 5000 Fans bewilligen.

Frankfurt - Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt will gerichtlich gegen den Beschluss vorgehen, das Saisoneröffnungsspiel am Samstag gegen den französischen Erstligisten St. Etienne nur vor 5000 Fans austragen zu dürfen. Ursprünglich bewilligte das Gesundheitsamt Frankfurt 10.000 Zuschauer:innen, das hessische Sozialministerium kassierte aber den Erlass. Die neue Vorlage ist aber noch nicht offiziell und der Eintracht auch nicht zugegangen. Erst dann hätte der Klub aber die Möglichkeit, überhaupt dagegen vorzugehen.

Sollte die Inzidenz oberhalb von 35 liegen, sei die Kapazität auf 5000 Menschen zu deckeln – impliziert sind explizit auch Geimpfte und Genesene. Das hatte das Gesundheitsamt anders gesehen, ist aber vom Land Hessen und der obersten Behörde überstimmt worden. Für Eintracht Frankfurt ein unhaltbarer Zustand, weshalb der Verein eine einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht Frankfurt beantragen will. Das hat der Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG einstimmig beschlossen und wird von allen Gremien des Vereins unterstützt.

Eintracht Frankfurt: Als erster Klub vor Gericht

Die Eintracht ist damit der erste Klub, der den juristischen Weg einschlagen will. Es ist ein Vorgang mit hoher Brisanz, ein Vorgang, der Konfliktstoff bietet, aber auch Sogwirkung haben könnte. Es handelt sich um einen Präzedenzfall. „Das weiß das Gericht auch“, sagt Eintracht-Justiziar Philipp Reschke. Er ist sich bewusst darüber, dass die Eintracht „Vorreiter“ ist, aber eher zufällig. „Denn wir sind die Ersten, die von diesem Beschluss unmittelbar betroffen sind.“ Und natürlich wünscht sich der Klub einen Fingerzeig für die erste Bundesligaheimpartie am 21. August gegen den FC Augsburg, auch wenn es im konkreten Fall ausschließlich um das Freundschaftsspiel gegen die Franzosen geht. „Wir hoffen, dass wir daraus etwas ableiten können.“

Für den Verein spielt es eine eher untergeordnete Rolle, ob am Samstag 5000 oder tatsächlich 10 000 Besucher:innen ins Stadion kommen dürfen. In der Bundesliga sieht das ganz anders aus, da geht es um die Existenzgrundlage, für viele Vereine ums Überleben. „Die Auswirkungen auf den Spielbetrieb der Saison sind viel größer“, sagt Reschke. Geregelt ist bisher, dass die maximale Auslastung bei 25 000 Fans liegen darf – bei einer Inzidenz von mehr als 35 eben nur bei 5000.

Eine weitere Saison ohne Publikum in den Arenen hätte für einige Klubs verheerende Folgen. „Das wird Konsequenzen haben.“ Pro Heimspiel ohne Fans gehen etwa der Eintracht 2,5 Millionen Euro flöten, sie hat einen knackigen Verlust in Höhe von 45 Millionen Euro eingefahren. Lange lässt sich das nicht verkraften.

Eintracht Frankfurt: 35 nicht haltbar

Für die Verantwortlichen ist es nicht hinnehmbar, dass sich die Verordnung weiterhin ausschließlich an der Inzidenz orientiert, zudem sei die Zahl willkürlich gewählt. „Es ist unklar und nicht schlüssig begründbar, weshalb man die 35 gewählt hat. Das ist kein haltbarer Weg mehr“, sagt Reschke. Der Ansatz sei überholt. „Das ist, wenn man so will, Pandemie 2020. Aber Pandemie 2021 muss anders funktionieren. Die Vorzeichen haben sich geändert.“

Vor einem Jahr habe es keine Massentests gegeben, „keine Testcenter an jeder Straßenecke“, vom Impfen sei man ganz „weit entfernt“ gewesen. „Die Rahmenbedingungen haben sich völlig verändert.“ Selbst das RKI hält das starre Festhalten an der Inzidenz für nicht mehr zeitgemäß und praktikabel. „Das RKI hat einen Paradigmenwechsel eingeleitet“, sagt Reschke. Die Fußball-, Kunst- und Unterhaltungsbrache sei auf „clevere Lösungen“ angewiesen und nicht auf etwas, „das vor fünf Monaten entschieden wurde“.

Er bedauert es sehr, dass der Beschluss des Gesundheitsamtes auf Eis gelegt werden soll. „Das war ein mutiger, salomonischer Weg“, zudem ja nicht von irgendeiner Behörde vorgeschlagen, sondern von „Experten, da sitzt die Kompetenz“. Der langjährige Funktionär hält es zudem für ein fatales Signal für die schleppend laufende Impfkampagne. „Gesundheitsdezernent Stefan Majer hat ja auch die Frage gestellt, wo der Anreiz zum Impfen herkommen soll. Ich finde, das ist eine berechtigte Frage.“

Eines stellte der Jurist klar: „Niemand hat ein Interesse daran, fahrlässig mit der Gesundheit der Zuschauer umzugehen.“ Aber man müsse die Gegebenheiten der Realität anpassen. „Vielleicht wird die Inzidenz immer wieder mal steigen, aber wenn die Mortalität niedrig, die Hospitalisierungsrate stabil bleibt und das Gesundheitssystem keine Überlastung zu befürchten hat“, dann könne man anders mit Corona umgehen. „Wir glauben, dass wir andere Parameter brauchen.“ (Ingo Durstewitz)

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