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Augen zu und durch. Marco Russ (rechts) ist einen Tick schneller am Ball als Pierre-Michel Lasogga.

Eintracht Frankfurt

Die Eintracht kann auch zu Null

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Nach dem Torfestival vor Wochenfrist gibt sich die Frankfurter Mannschaft in Hamburg stabil, aber genügsam. Das Innenverteidiger-Pärchen Russ/Abraham weiß zu gefallen.

Carlos Zambrano, der eisenharte Frankfurter Verteidiger, hat einen geruhsamen Nachmittag in Hamburg verbringen können. Er durfte Daumen drücken, sich eine Halbzeit hinter dem Tor warm machen, zum Einsatz kam er nicht. Das kam nicht ganz überraschend, der Peruaner laboriert noch immer an den schmerzhaften Folgen dreier angebrochener Rippen und „hat noch nicht so viele Einheiten mit uns trainiert“, sagte Trainer Armin Veh. Zambrano ließ sich für alle Fälle eigens einen Carbonpanzer anfertigen, um die lädierten Rippen vor Stößen zu schützen. Gebraucht hat er ihn nicht.

Dicht gehalten

Armin Veh hat natürlich auch deswegen auf die Stammkraft Carlos Zambrano verzichtet, weil er adäquaten Ersatz in der Hinterhand hatte. Wobei Ersatz sicherlich das falsche Wort ist. Marco Russ und David Abraham sind zwei Innenverteidiger, die man jederzeit beruhigt aufstellen kann ohne sich Sorgen machen zu müssen. Beide machten in Hamburg ihre Sache wirklich gut, der Argentinier David Abraham gewann sogar 100 Prozent seiner Duelle Mann gegen Mann, allerdings musste er auch nur in sechs Zweikämpfe gehen.

Russ, der fast die Führung erzielt hätte, beteiligte sich zudem prima am Spielaufbau, 84 Prozent seiner Pässe kamen am richtigen Adressanten an. Schon in der Woche zuvor, beim glorreichen 6:2 gegen den 1. FC Köln, verteidigte dieses Pärchen das Frankfurter Allerheiligstes und erweckten den Eindruck, sehr stabil und solide zu malochen. Die Frage war: Würden sie auch auswärts dicht halten?

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„Ich habe drei Innenverteidiger“, sagt Veh und weiß, dass das Luxus ist. So hat er stets die Qual der Wahl, kann abwägen, welcher Verteidiger am besten zu welchem Gegenspieler passt. Abraham hat dazu noch den Vorteil, der schnellste der drei Stopper zu sein. „Im Grunde ist es aber Wurst, wer spielt“, sagt Marco Russ. In der vergangenen Saison ist verletzungshalber viel rotiert worden, Alexander Madlung und der seit Monaten an einem Knorpelschaden laborierenden Bamba Anderson bildeten da ein abwehrendes Quartett – die Flut der Gegentore (62) konnten sie aber auch nicht verhindern.

Und bei Eintracht Frankfurt harmonierten ja nicht nur die drei Offensiven vorne Meier, Castaignos und Seferovic, sondern „auch wir hinten“. Im zweiten Abschnitt habe er sich an „keinen Szene erinnern können, in der Lukas Hradecky richtig etwas halten musste“, sagte der nach Meier dienstälteste Spieler der Frankfurter Eintracht. Einzig Ivo Ilicevic (49.) hatte einen Treffer auf dem Fuß, doch er drosch die Kugel freistehend überhastet über die Latte. Ansonsten habe man nicht viel zugelassen. Die letzten Pässe habe man „in diesem umkämpften Spiel auf Messers Schneide“ (Russ) stets unterbinden können.

Ein torloses Remis mit Frankfurter Beteiligung ist ein eher seltenes Ergebnis. In der vergangenen Runde gab es das lediglich zweimal, gegen Borussia Mönchengladbach und im vorletzten Spiel bei Hertha BSC fielen jeweils keine Tore. „Wir können auch 0:0“, feixte Veh in Hamburg. Dazu müsse freilich jeder nach hinten arbeiten. „Das haben wir getan.“

Eine Woche nach dem Torfestival im eigenen Stadion hatten viele auf eine Wiederholung gehofft. „Wir können ja nicht immer sechs Tore schießen“, sagt Spielführer Alex Meier. Aber Vehs Mannschaft zieht aus der Hamburger Punkteteilung mehr Positives als Negatives. „Wir können mit der Leistung zufrieden sein“, sagt Russ. Denn: Die Eintracht kann auch defensiv. Doch die nächste Bewährungsprobe steht schon an: Am Mittwoch gegen Schalke 04. Wieder auswärts.

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