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Die Eintracht ist jetzt Bayern-Jäger Nummer Eins

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt gewinnt ein fahriges Spiel gegen Schalke dank Effizienz und individueller Klasse und pirscht sich an die großen Münchner heran.

Frankfurt – Natürlich kann ein Uli Hoeneß nicht aus seiner Haut, ein Uli Hoeneß doch nicht. Meister werde natürlich der FC Bayern, „zu 100 Prozent“, aber dann musste der aufs Altenteil ausgewichene Ehrenpräsident des Abonnementsmeisters doch konstatieren, dass da aktuell plötzlich andere Klubs ein Wörtchen mitzureden gedenken, die nicht Borussia Dortmund heißen. In Frankfurt also, sagte Uli Hoeneß beim sonntäglichen Sport1-Doppelpass, sei etwas entstanden, was man (als Bayer) ernst nehmen müsse. Die Eintracht müsse man auf der Rechnung haben, „wenn man über den Fußball in den nächsten Jahren spricht“. War das der Ritterschlag für die Hessen? Sind die Frankfurter tatsächlich reif, die Bayern ernsthaft zu jagen, fünf Punkte Abstand beträgt die Differenz zwischen beiden Vereinen, Bayern auf eins, Eintracht auf zwei, und in einer Woche kommt es in Fröttmaning zum Gipfeltreffen.

Ein paar 100 Kilometer weiter nördlich hat der Trainer der Mannschaft, die man auf der Rechnung haben muss, gesagt, ihm sei das alles egal, Tabellenstände im Januar interessierten ihn, Oliver Glasner, nicht die Bohne, seien belanglos: „Wir kümmern uns nicht um unsere Nachbarn, wir kümmern uns um uns.“ Und überhaupt: Wer könne schon ernsthaft über eine Meisterschaft reden, wer dieses 3:0 (1:0) gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht Schalke 04 gesehen habe? „Schalke hat mir fast besser gefallen als das, das wir gezeigt haben. Der Sieg war in dieser Höhe nicht verdient.“

Krösche von Eintracht Frankfurt: „Haben kein gutes Spiel gemacht“

Zwei-, dreimal habe man einen überragenden Kevin Trapp benötigt, um keinen Treffer zu fangen, selbst in der allerletzten Minute der Partie noch. Erst in der Schlussphase hatten die Gastgeber die beiden Tore durch Rafael Borré (82.) und Aurelio Buta (90.) erzielt, die den Sack endgültig zuschnürten. „Wir haben kein gutes Spiel gemacht“, hatte Sportvorstand Markus Krösche die Mannschaft sanft gedeckelt, die nun nach 16 Bundesligaspielen 30 stolze Punkte aufs Konto geschaufelt hat - so viel wie noch nie zu diesem Zeitpunkt seit Einführung der Drei-Punkteregel.

Da nutzt auch der größte Einsatz nichts: Schalke 04, hier Simon Terodde (oben), geht gegen die Eintracht mit Hrvoje Smolcic mit 0:3 baden.
Da nutzt auch der größte Einsatz nichts: Schalke 04, hier Simon Terodde (oben), geht gegen die Eintracht mit Kristijan Jakic mit 0:3 baden. © Jan Huebner/Imago

Aber das ist halt ein Qualitätmerkmal: nämlich auch die schlechteren Spiele zu gewinnen. Thomas Reis, eingangs der 90er Jahre selbst bei der Eintracht am Ball und jetzt Trainer der Schalker, hat dieses Phänomen auf den Punkt gebracht. Man habe „brutal gesehen, warum wir unten stehen und Eintracht Frankfurt oben“ - Effizienz und individuelle Klasse hatten den Ausschlag gegeben. Während die Knappen, die mit neun Punkten und 13 Toren aus 16 Spielen größte Probleme haben werden, die Liga zu halten, nicht nur der Eintracht „den Spaß am Fußball nehmen“ (Reis) wollten, sondern mehr Spielanteile hatten, schlugen die Frankfurter eiskalt zu: Eine wunderschöne Kombination, ausgehend vom eigenen Tor über Eric Dina Ebimbe und Randal Kolo Muani führte zum 1:0 durch Jesper Lindström (22.) - ein Tor, das die Hessen genauso in den Einheiten unter der Woche trainiert hatten. Und der Däne düpierte vor seinem Volltreffer den bemitleidenswerten Schalker Verteidiger Henning Matriciani; es war bereits sein siebter Treffer, ohnehin gehörte Lindström dank seines Tempos und seiner Dribblings zu den auffälligsten Frankfurtern. Nicht umsonst leitete er das 2:0 ein. Eintracht Frankfurt traf, während weitgehend harmlose Schalker durch Simon Terodde und dem frechen Soichiro Kozuki eben nicht trafen. Genau das sind die Unterschiede.

Und wer solche Spiele gewinnt, in denen der Gegner, wie Reis zu Recht sagte, „auf Augenhöhe“ agierte, der hat das Zeug für ganz oben. Trainer Glasner hatte es ja zuvor schon befürchtet, dass sein Team nach der langen Pause noch nicht bei 100 Prozent sei, dass es noch Spiele benötige, ehe die Leistung stimme. Die Hessen ließen Spiel- und Kombinationsfluss vermissen, die ständigen Duelle Mann gegen Mann zermürbten, ja nervten die filigranen Eintracht-Recken, Daichi Kamada, der Feingeist, kam nie in die Gänge, Mario Götze trotz kleiner Kostproben seiner speziellen Kunst erging es ebenso, Randal Kolo Muani war bis auf zwei, drei Aktionen aus dem Spiel genommen. „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, hat mir nicht gefallen“, krittelte Markus Krösche, „viele Dinge“ müsse man besser machen. Nie hatte die Heimmannschaft Ruhe am Ball, vieles wirkte fahrig, überhastet. Glasner wurde deutlich: „Wenn wir viele Spiele so bestreiten wie heute, dann werden wir relativ wenig Punkte machen in der Rückrunde.“

Umso erleichterter war dann die Frankfurter Entourage über diesen „wichtigen Sieg“ (Götze) vor den nächsten beiden Hürden, am Mittwoch beim arg zerzausten SC Freiburg, und schließlich am Samstag beim FC Bayern, eine Partie, die Krösche ausdrücklich „nicht als Bonusspiel“ gewichtet wissen will.

Eintracht Frankfurt: Das Ergebnis stimmt

Eintracht Frankfurt jedenfalls hat seine Hausaufgaben erledigt, das Ergebnis stimmte zum Auftakt. In der Vergangenheit sind solche Spiele gegen schwächelnde Klubs oft schiefgegangen. Und dieser Erfolg gibt Oliver Glasner nun auch die Möglichkeit, in der Analyse kritischer zu sein. Es ist dann ein Meckern auf hohem Niveau. Dennoch gebe es „einige Themen, die wir aufarbeiten müssen“, sagte der Coach.

Dessen ungeachtet hat die schwere Verletzung von Eric Dina Ebimbe Wasser in den Wein geschüttet. Der Franzose musste nach knapp 70 Minuten, einem misslungenen Sprint und einem Zusammenprall mit dem Schalker Jere Uronen den Platz verlassen: Hieß es zunächst aus der Kabine, es sei alles nicht so schlimm, drückte die Diagnose am Sonntag doch arg aufs Gemüt: Der 22 Jahre alte Leihspieler von Paris St. Germain erlitt eine Verletzung am Syndesmoseband am Sprunggelenk und muss sich am Montag einer Operation unterziehen. Dina Ebimbe, der sich auf dem rechten Flügel zuletzt festgespielt hat und Ansgar Knauff auf die linke Seite verdrängt hat, wird der Eintracht wohl acht bis zehn Wochen nicht zur Verfügung stehen. Pikanterie am Rande: Aurelio Buta, Neuzugang und fast ein Jahr verletzt, hatte ihn ersetzt und prompt ein Tor erzielt. Des eine Leid, des anderen Freud. (Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz)

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