Hertha BSC - SGE

Eintracht hängt in den Seilen

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In einem miesen Spiel verliert Eintracht Frankfurt auch in Berlin - und natürlich wird wieder einer wegen einer Dummheit vom Platz gestellt.

Ein paar Minuten vor dem Ende hatte Niko Kovac die weiße Fahne, die, wie die FR am Spieltag  noch titelte,  ja eigentlich in Frankfurt hätte bleiben sollen, doch gehisst. Da pfiff der Eintracht-Trainer seine Ersatzspieler zurück. Eine Wechseloption hätte der Frankfurter Trainer noch gehabt, doch er wollte seinen Fußballern  diesen undankbaren Auftritt ersparen. „Warum sollte ich noch jemanden einwechseln?“, fragte der Coach rhetorisch. „Ich war auch mal Spieler, ich hätte mich über so eine Einwechslung auch nicht gefreut, das wollte ich keinem antun.“

Eine gute Entscheidung. Die Partie im mit 43 000 Zuschauern spärlich besetzten Berliner Olympiastadion war da sowieso schon entschieden, nicht zugunsten der Eintracht, sondern für Hertha BSC. 2:0 führten die Hauptstädter, sie waren auch in Überzahl, weil sich Haris Seferovic zu einem leichten, aber trotzdem völlig unnötigen Schlag gegen Niklas Stark hinreißen ließ und vom Platz gestellt wurde (78.). Vier Minuten später hatten die Berliner das 2:0 durch Vladimir Darida erzielt, den Deckel auf diese Partie gemacht. Die Messe war gelesen.

Es stimmt nicht mehr - weder hinten noch vorne

Die Eintracht    hängt   nach dem 22. Spieltag der Bundesliga so ziemlich in den Seilen, sie hat nun die dritte Niederlage in Serie hinnehmen müssen, auch die Zahl an Gegentoren ist bedenklich geworden: Im neuen Jahr kassierte sie in sechs  Partien insgesamt zehn Treffer, in 16 Partien im alten Jahr zuvor nur zwölf.

Es stimmt nicht mehr, hinten nicht und vorne ebenfalls nicht. „Es ist schwierig gerade“, sagte Makoto Hasebe, dieses Mal Kapitän der Hessen. „Wir müssen endlich mal wieder ein Tor schießen.“ Dazu hatten sie in Berlin die Gelegenheit, die Frankfurter, aber nur genau eine. Die war aber hochkarätig. Haris Seferovic hatte den Ball mustergültig auf Sturmpartner Ante Rebic durchgesteckt, doch der Kroate zögerte zu lange, hätte entweder  flach schießen oder Hertha-Torwart Rune Jarstein umkurven sollen, doch Rebic schoss halbhoch – und der Berliner Keeper parierte (29.). Es war die Riesenmöglichkeit zur Führung, und wer weiß, wie dieses seltsam belanglose Spiel im Olympiastadion gelaufen wäre. Doch der Konjunktiv wird ja meistens nur dann bemüht, wenn unwiderrufliche Ereignisse noch infrage gestellt werden sollen, die von der Realität aber längst überrollt worden sind.

So kam es, wie es kommen musste. Die Eintracht, ersatzgeschwächt  und mit einigen Umstellungen am Start, verlor diese Partie gegen einen Gegner, der an Harmlosigkeit auch nur schwer zu überbieten war. Im Grunde reichten den Berlinern zwei Torschüsse, um dieses Duell für sich zu entscheiden. Es war ein niveauarmes, langatmiges Spiel. Der neutrale Zuschauer hätte ganz sicher nicht erahnt, dass  da der Fünfte (Frankfurt) auf  den Sechsten  (Berlin) trifft – dass   die beiden nach 90 Minuten dann die Plätze getauscht haben, sagt auch nichts über die Kräfteverhältnisse aus.

Eintracht-Trainer Niko Kovac hatte seine Mannschaft ordentlich durcheinandergewirbelt: Er stellte in Guillermo Varela und Taleb Tawatha gleich zwei Spieler auf die defensiven Außenpositionen, die in dieser Saison die Spiele verletzungsbedingt zumeist nur von draußen angesehen haben. Die beiden etatmäßigen Außenverteidiger Timothy Chandler und Bastian Oczipka rückten in die zentrale Deckung, im Mittelfeld auf der Halbposition tat Max Besuschkow Dienst – noch so einer, der bisher fast nie gespielt hat.  Besuschkow durfte sogar gleich Freistöße und Ecken schießen, was auch einigermaßen merkwürdig war und auch nicht wirklich verfing. Zudem saß Alex Meier, der Kapitän, draußen. Bis zum Schluss.

Die Marschroute war klar: Die Eintracht wollte die Null halten, zog den Rückpass dem riskanten Ball nach vorne fast immer vor. Das ging auch lange gut, weil die Berliner eine erschreckend schwache und ideenlose Halbzeit abspulten, gegen Mitte des ersten Durchgangs wurden die Frankfurter etwas agiler, sie waren das  leicht bessere von zwei matten und uninspirierten Teams. Das ist auch der Grund, weshalb Sportdirektor Bruno Hübner die Niederlage als „bitter“ empfand. „Das war total unnötig.“ Er verstieg sich gar zu der These, wonach die Hessen im ersten Abschnitt „klar besser waren  und die klar besseren Chancen hatten.  Das war ein richtig gutes Auswärtsspiel.“ Eine, nun ja, doch  arg optimistische Darstellung.

Und dann ließ sich Michael Hector einmal aus der defensiven Zentrale locken, dann kam ein Pass in die Schnittstelle, dann stand Salomon Kalou plötzlich frei, vielleicht knapp im Abseits und vielleicht behinderte er danach auch Eintracht-Torwart Lukas Hradecky noch ein bisschen und war deshalb wieder im Abseits, vielleicht hätte es aber auch schon Strafstoß geben können, weil Oczipka den Berliner Angreifer arg bedrängte  – das alles „spielt keine Rolle“, wie Trainer Kovac zurecht fand. Vedad Ibisevic erzielte jedenfalls die Führung für die Hertha (52.) Damit, man ahnte es, war die Partie entschieden. Erst recht, nachdem sich Seferovic zu einer Eselei hinreißen ließ.

Zum insgesamt sechsten Mal beendete die Eintracht ein Spiel nicht in voller Mannschaftsstärke, sie gilt mittlerweile sowieso als Tretertruppe der Liga. Kovac war stinksauer auf den Schweizer Nationalspieler. „Eine Dummheit. Das wird sanktioniert“, sagte er. „Ich kann es mir nicht erklären. Ich weiß nicht, was ihn zu einer solchen sinnlosen Aktion veranlasst. Ich erwarte, dass wir uns benehmen, aber anscheinend stoße ich auf taube Ohren.“ Seferovic, der die Eintracht ohnehin verlassen wird, wird in naher Zukunft erst einmal schlechte Karten haben.

Die Eintracht indessen hat ganz andere Probleme. Sie droht, in der Liga durchgereicht zu werden. Am Dienstag geht es im Viertelfinale des DFB-Pokals erst einmal zu Hause gegen Arminia Bielefeld. Eine Angelegenheit, die   die Stimmung aufhellen könnte – oder erst recht vermiesen.

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