1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt im Trainingslager: Mario Götze präsent, Daichi Kamada prächtig

Erstellt:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

In prächtiger Frühform: Daichi Kamada. Foto: Jan Hübner
In prächtiger Frühform: Daichi Kamada. © Jan Huebner

Die große Show des Japaners im Training. Keine Bewegung bei Filip Kostic, keine neue Offerte hinterlegt.

Windischgarsten – Mario Götze hier und Mario Götze dort. Vorne, hinten, rechts, links, oben, unten. Omnipräsent. Kein Gespräch, ohne dass jemand irgendwas zum Virtuosen am Ball wissen möchte. Wie gibt er sich? Wie bringt er Eintracht Frankfurt weiter? Was gibt er dem Team? Wie gut ist er denn noch? Und so weiter und so fort.

Mario Götze selbst spielt am liebsten nur Fußball. Der 30-Jährige schottet sich keineswegs ab und wird auch nicht abgeschirmt, er hat sich ganz normal eingegliedert, ist angekommen in der Gruppe, die es den Neuen ohnehin immer leicht macht, sich einzufügen. Ohne Allüren, ohne Mätzchen, ohne Sonderbehandlung. Der Ex-Dortmunder hat sich einmal auf einer Pressekonferenz vorgestellt, gab noch ein vereinbartes Interview, ansonsten schwitzt er auf dem Trainingsplatz wie alle anderen auch. So möchte er es, gar nicht anders.

Eintracht Frankfurt: Mario Götze fühlt sich wohl, ist angekommen

Er lacht über die Späßchen von Gute-Laune-Bär Goncalo Paciencia, trägt das Tor weg, er fühlt sich wohl, aufgenommen, angekommen. Das ist ihm anzusehen. Warum auch nicht? Auch gefeierte und dann gefallene Menschen, die ein Tor für die Ewigkeit erzielt und viele Millionen auf dem Konto haben, können ja ganz normale Burschen geblieben sein. Schnöselig soll er mal gewesen sein, der Ex-Nationalspieler, jetzt wirkt er gereift und reflektiert, bescheiden. Am Dienstag arbeitete er nach dem Training mit der Yogalehrerin weiter an seiner Fitness und Stabilität. Anschließend, als alle anderen schon hoch aufs Zimmer sind, gesellte er sich zu den Fans, gab gut gelaunt Autogramme und stand bereitwillig für Selfies zur Verfügung. Götze, der Star zum Anfassen.

Und doch wird einiges auf ihn einprasseln, wenn es losgeht. Die Augen werden auf ihn gerichtet, die mediale Begleitung auf ihn fokussiert sein – einerlei, ob er gut, schlecht oder gar nicht spielt. Damit muss man klar kommen. Nicht nur er, auch die Mitspieler und die Verantwortlichen. Das kann schon mal vom Eigentlichen ablenken. Aber das war ja vorher klar, ist gecheckt und eingepreist, die Chancen höher bewertet worden als die Risiken, weil der Kerl richtig Lust hat, es auf diesem Niveau noch mal anzupacken.

Eintracht Frankfurt: Kostic bleibt? Nur vielleicht

Auf dem Platz ist er ein Leisetreter, fast nie zu hören, er sucht die freien Räume, instinktiv, aber es ist nicht so, dass er im Training schon alles in Grund und Boden spielen würde. Lange nicht. Ab und an blitzt seine Klasse auf, auch im Testspiel gegen Linz mit zwei blitzgescheiten Pässen. Aber ansonsten spielt Mario Götze eher unauffällig mit, er steht ja erst am Anfang der Vorbereitung, musste vor einigen Tagen wegen muskulärer Probleme etwas kürzertreten. Andererseits wird es für die Eintracht in nicht mal drei Wochen schon ernst, DFB-Pokalspiel, erste Runde beim Zweitligaaufsteiger 1. FC Magdeburg. Eine fiese Aufgabe. Nicht mehr viel Zeit. Im Trainingslager in Windischgarsten schont sich Götze nicht, ist bei jeder Einheit dabei.

Und natürlich rätseln viele, was aus Daichi Kamada wird, weil ja jetzt Götze da ist. Muss er auf die Bank? Macht er den Abflug? Der Japaner, in ein paar Wochen auch schon 26, fragt sich das selbst offenbar nicht, denn der Spielleiter ist in einer nahezu unglaublichen Frühform aus den Sommerferien zurückgekehrt. In den Kurzfeldspielen brilliert der elegante Mann aus Nippon auf engstem Raum, fintiert hier, streut mal dort einen Zauberpass ein, Körpertäuschungen, Steckbälle, Abschlüsse. Und robust im Zweikampf.

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada zeigt sich in Höchstform - Zukunft weiter ungeklärt

Kamada überstrahlt alles, die Zusehenden auf dem Trainingsplatz staunen nicht schlecht, schauen ihm fast ehrfurchtsvoll zu. Der Nationalspieler stellt nicht nur Götze, er stellt alle in den Schatten. Kamada auf die Bank? Niemals in dieser Form. Kamada vor dem Absprung? Wird man sehen. So dreht jedenfalls keiner auf, der mit seinen Gedanken woanders ist. Heißt nicht, dass er sicher bleibt, vielleicht geht er ja doch noch, nach England, wo Asiaten gerne sind und gerne gesehen sind. Vielleicht verlängert er aber auch oder bleibt einfach noch ein Jahr.

Das gilt auch für Filip Kostic. Ein Bericht, wonach der serbische Flankengott ein nachgebessertes Angebot der Eintracht annehmen will, entspricht nicht den Tatsachen. Auch die angebliche Offerte von avisierten fünf Millionen Euro per annum ist so nie hinterlegt worden, so viel kann die Eintracht gar nicht bieten. Der Stand ist unverändert, alles offen bis zum Transferschluss, auch wenn Kostic beileibe nicht den Eindruck macht, weg zu wollen. „Schauen wir, was passiert“, sagt Sportvorstand Markus Krösche.

Kevin Trapp exzellent – „Er ist für mich momentan der beste deutsche Torwart“

Zurück zur großen Kamada-Show in Oberösterreich, mit der allerhöchstens noch Kevin Trapp mithalten kann, der Torwart, der seine prächtige Verfassung ebenfalls konserviert hat. Unter dem frenetischen Gejohle der Fans pariert der gerade 32 Jahre alt gewordene Keeper die Bälle in Serie, spektakulär, im Eins-gegen-Eins scheint der Nationaltorwart noch mal eine Schippe draufgelegt zu haben. Kaum einer kommt an ihm vorbei. Exzellent.

„Er ist für mich momentan der beste deutsche Torwart“, lobt Manager Krösche. „Kevin ist extrem wichtig für die Mannschaft, gibt ihr Ruhe, Stabilität und Sicherheit.“ Und er ist ein bedeutender Faktor in der Kabine. „Er ist als Führungsspieler wichtig, weil er den Verein kennt, sich immer um die Neuen kümmert und viele Sprachen spricht.“ Weshalb Trapp nach der letzten Saison und dem großen Titel von Sevilla, den er nicht im Alleingang, aber zu weiten Teilen sicherstellte, nicht mal in einem von vier Länderspielen das Tor hüten durfte und Manuel Neuer den Vortritt lassen musste, konnten viele nicht verstehen und bleibt das Geheimnis von Bundestrainer Hansi Flick. Trapp selbst hat’s verschmerzt. (Ingo Durstewitz)

Auch interessant

Kommentare