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Sieht seine Zukunft vorerst in Bremen: Trainer Florian Kohfeldt, neuerdings mit Dortmund in Verbindung gebracht.

Werder Bremen

Eintracht-Gegner Werder Bremen: Die Klarstellung

Florian Kohfeldt bleibt erstmal ein Bremer.

Florian Kohfeldt erinnert sich noch gut an das erste Mal. Sein Trainerdebüt in der Bundesliga vergisst man ja nicht, wenn der Karriereplan einen solch rasanten Fortschritt gar nicht vorgesehen hatte. 3. November 2017, ein Freitagabend im Frankfurter Stadtwald: Der SV Werder hatte sich zuvor vom überforderten Alexander Nouri getrennt, der seine eigene Unsicherheit längst auf die Spieler übertragen hatte. Nach zehn Spieltagen waren die Grün-Weißen sieglos Vorletzter.

Die Hanseaten hatten sich deshalb mit externen Lösungen beschäftigt, von denen eine Adi Hütter hieß. „Ich hatte mit Frank Baumann ein tolles Gespräch, aber es war für mich nicht der richtige Zeitpunkt, weil ich die Arbeit in Bern einfach auch fertigmachen wollte“, sagte der Eintracht-Coach gerade erst wieder in der Sky-Sendung „Wontorra on Tour“. Die Bremer Geschäftsführung griff zum bewährten Allheilmittel: Beförderung des Coaches der eigenen U23. Der dritte Versuch, das einstige Erfolgsmodell mit Thomas Schaaf langfristig wiederzubeleben.

Kohfeldt will keine Unruhe vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt

Und siehe da: Trotz der 1:2-Niederlage zum Einstand in Frankfurt überzeugte der Novize. Kohfeldt führte das Team in seiner Premierensaison auf Platz elf (42 Punkte), in der vergangenen Spielzeit schnupperten die Hanseaten an den Europapokalrängen, liefen als Tabellenachter (53) nur einen Zähler hinter der Eintracht ein. Kohfeldt hat diese Aufwärtsentwicklung gestaltet, der Standort Bremen hat dank ihm seine Identität zurück, auch wenn die wirtschaftlichen Nachteile zu groß sind, um Dauergast auf internationaler Bühne zu werden.

Der 36-Jährige gehört folglich zu den gefragtesten Fußballlehrern der Branche, im Sommer haben die Norddeutschen das Arbeitspapier mit dem „Trainer des Jahres 2018“ bis 2023 ausgedehnt. Sicher ist sicher. „Ich werde meinen Vertrag bis 2023 erfüllen, wenn Werder Bremen das so will“, teilte Kohfeldt mit.

Bei dessen Berater Marc Kosicke, dem einflussreichsten Netzwerker im Trainermetier und auch Vertreter für den Welttrainer Jürgen Klopp, soll das Interesse anderer Klubs hinterlegt sein. Genannt wird dabei auch Borussia Dortmund. Die Westfalen haben Kohfeldt womöglich auf dem Zettel, wenn das Titelprojekt mit Lucien Favre erneut schiefgehen sollte. Denn der Kandidat ist klarer, packender, emotionaler in seinen Ansprachen als Favre.

Und doch schlafen die Verantwortlichen an der Weser noch ruhig: Deutlich stellte ihr Trainer am Mittwoch klar, dass er von solchen Gerüchten mal gar nichts hält. „Ich habe vor drei Monaten in Bremen verlängert. Ich bin und bleibe in Bremen.“ Der Coach war sogar richtig verärgert, dass das Thema vor dem Auswärtsspiel in Frankfurt behandelt wurde - das sei respektlos gegenüber dem BVB-Kollegen. Und zuvor betonte er: „Der Trainer muss eine gewisse Verbundenheit demonstrieren. In Bremen kann ich mich am besten entwickeln.“

Werder Bremen: Viele Verletzte

Seine Lernfähigkeit hat er früh in dieser Saison unter Beweis stellen müssen. Eine fast unfassbare Verletzungsmisere breitete sich im Kader aus wie ein Virus. Zeitweise brachen bis zu zehn gestandene Profis weg. Mit Niklas Moisander, Milos Veljkovic, Sebastian Langkamp und Ömer Toprak fehlten in Dortmund (2:2) alle vier Innenverteidiger, so dass Christian Groß, 30 Jahre, hochgezogen aus der Regionalliga-Mannschaft, zuletzt mit Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie die Abwehrzentrale bildete. Die Dortmund-Leihgabe Toprak sollte ursprünglich in die Startelf zurückkehren - fällt jetzt aber auch aus.

Im Sturm wiegt der Langzeitausfall von Niclas Füllkrug (Kreuzbandriss) wegen dessen Vorgeschichte schwer. Auch Yuya Osako (Muskelfaserriss) ist nicht ohne weiteres zu ersetzen. Aber Kohfeldt jammert nicht, sondern hat mit seiner Notelf Pluspunkte gesammelt. Mit Milot Rashica ist inzwischen ein Topstürmer zurück, der mit seinen Anlagen nächsten Sommer kaum zu halten sein dürfte. Florian Kohfeldt aber, der soll noch ein bisschen länger Bremer Gesicht bleiben.

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