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Der Brasilianer Davidson (links) bereitete in dieser Europa-League-Saison bislang fünf Tore vor und schoss zwei selbst.

Europa League

Eintracht-Gegner Vitoria Guimaraes: Die Furchtlosen aus der Königsstadt

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Vitoria Guimaraes mutet als schwächster Eintracht-Gegner an, kann aber durchaus Offensivqualitäten vorweisen.

Der FC Porto, Benfica Lissabon, auch Sporting – die großen Drei des portugiesischen Fußballs hinterlassen regelmäßig auch auf europäischer Bühne ihre Duftmarken. Es ist zwar schon ein paar Tage und Jahre her, aber selbst der Champions-League-Pott wanderte einst ins Land am Atlantik. Aber Vitoria Guimaraes? Welch Truppe an begnadeten Kickern soll das denn bitte sein? Ganz klar, vor Bekanntwerden des Aufeinandertreffens mit Eintracht Frankfurt war hierzulande wenig bis gar nichts über den Verein aus Nordportugal zu vernehmen. Nun, da der hessische Fußball-Bundesligist am Donnerstag (21 Uhr/live bei RTL Nitro) im zweiten Gruppenspiel der Europa League in Guimaraes ran muss, ist das anders.

Da sind die offensichtlichen Fakten, für die es freilich keine ausgeprägte Sherlocksche Spürnase braucht, sondern ein schnöder Blick ins Internet genügt. Ebenso wie die Eintracht Frankfurt setzte sich Guimaraes in der Qualifikation zur Europa League durch, ziemlich beachtlich sogar, gegen Jeunesse Esch aus Luxemburg, FK Ventspils aus Lettland und Steaua Bukarest aus Rumänien gelangen fünf Siege, nur eine Partie endete torlos, die Tordifferenz sprach mit 15:0 eindeutig für Vitoria. Auch ist die Mannschaft von Trainer Ivo Vieira in der heimischen Liga nach sieben absolvierten Spielen zurzeit Tabellenvierter.

Eintracht Frankfurt: Theoretisch eine lösbare Aufgabe

Doch wie spielen sie denn nun, diese Fußballer aus Guimaraes?

Am vergangenen Sonntag jedenfalls nicht besonders toll. Zwar setzte sich Vitoria in der portugiesischen Eliteklasse mit 1:0 gegen Pacos de Ferreira durch, der Sieg gegen den Tabellenvorletzten aber kam glücklich zustande. Der portugiesische Widersacher der Hessen zeigte ungewollt auf, dass er für die Eintracht schlagbar sein müsste. Nachdem Abstiegskandidat Pacos de Ferreira in der ersten Hälfte die bessere Tormöglichkeiten vergab, führte erst ein Elfmetertreffer in der Nachspielzeit zum Heimsieg von Guimaraes. Bei Standardsituationen im eigenen Strafraum offenbarte Vitoria sichtbare Schwächen, zudem boten gerade die Außenverteidiger den gegnerischen Angreifern einige Räume an – bekanntlich ist die Attacke über die Flügel ja eine große Stärke des Frankfurters Spiels. Das könnte also passen.

Allerdings: Der sonntägliche Auftritt war denn auch der schwächste der Portugiesen im bisherigen Saisonverlauf. Da waren sich die heimischen Medien einig. Denn die Mannschaft, die von Trainer Vieira häufig im 4-1-4-1-System auf den Rasen geschickt wird, hat durchaus ihre Qualitäten. Vor allem in der Offensive. Vieira, früher eigentlich Verteidiger, lässt seine Jungs gerne stürmen. Guimaraes ist in Portugal dafür bekannt, die Initiative übernehmen zu wollen. Während sich die meisten anderen Vereine vor allem in den Duellen gegen die großen Drei, Benfica und Sporting Lissabon sowie den FC Porto, um den eigenen Strafraum versammeln, wagt Vitoria lieber die Flucht nach vorne.

Vergangene Woche erst war das Team im Ligapokal gegen Benfica die bessere Mannschaft, vergab jedoch zu viele Chancen und musste sich im anfangs in Gruppen ausgetragenen Wettbewerb mit einem 0:0 begnügen. Selbst bei der 0:2-Auftaktniederlage im ersten Europa-League-Hauptrundenduell bei Standard Lüttich zeigten die Südeuropäer eine ordentliche Leistung, hatten mehr Torgelegenheiten, mehr Spielanteile, die besseren Zweikampfwerte, patzten jedoch individuell zu oft, um die Belgier zu bezwingen.

Vitoria Guimaraes mit sieben Brasilianern im Team

Während hinten beim portugiesische Pokalsieger von 2013 – der einzige Titel des Klubs – kernige Kanten aufräumen, sind vorne Brasilianer am Ball. Bruno Duarte, 23, im Sturmzentrum, und Davidson, 28, auf dem linken Flügel befruchten das Spiel von Vitoria mit ihren Einzelaktionen.

Gerade der in Rio de Janeiro geborene Außenstürmer bringt Fähigkeiten mit, um auch die Eintracht in Bedrängnis zu bringen. In den bisherigen sechs Europaauftritten dieser Saison bereitete Davidson fünf Tore vor und schoss zwei selbst. Seine Beinchen flitzen flink über das Grün, dazu agiert er typisch-brasilianisch ziemlich trickreich, und untypisch-brasilianisch einigermaßen zielstrebig auf dem Weg zum Kasten. Davidson, der seine zweite Saison für Guimaraes spielt, soll deshalb bei den großen Klubs des Landes auf dem Einkaufszettel stehen, womöglich, so berichten die Medien, könnte er schon im Winter wechseln.

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Ein Phänomen, das Vitoria in den vergangenen Jahren häufiger ereilte. In Guimaraes, wo 1109 der erste portugiesische König zur Welt kam, dessen Name auch Vitoria-Stadion Afonso Henriques trägt, entwickeln sich talentierte Spieler weiter, machen dort den nächsten sportlichen Schritt, um sich dann einem anderen Verein anzuschließen. Elf Abgängen stehen in der vergangenen Sommerpause wieder mal elf Zugänge gegenüber. Der Kader vereint 13 Nationalitäten – neben Portugiesen zählen unter anderem sieben Brasilianer zum Team sowie Kicker aus Ghana, Venezuela, Libyen, England, und so weiter. Eine kleine Weltauswahl also, wenngleich die Spieler auf internationalem Niveau bisher kaum auffällig wurden.

Überzeugt sind sie von ihrem Weg aber allemal in Guimaraes. „Es läuft ja bisher ganz gut“, sagt Coach Vieira. Der souveräne Einzug in die Gruppenphase des Europapokals hat der Mannschaft, aber auch den Fans, die dem Vernehmen nach eine Choreografie im ausverkauften Stadion für das Spiel gegen die Eintracht vorbereiten, Selbstvertrauen gegeben. Ivo Vieira drückt das so aus: „Die vielen Qualispiele waren motivierend, weil wir mit der Europa League ein lohnendes Ziel hatten. Nun treffen wir auf Mannschaften wir Arsenal London oder den letztjährigen Halbfinalisten Eintracht Frankfurt. Es hat sich also ausgezahlt.“

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