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Eintracht-Gegner Real Madrid: Carlo Ancelotti, der Teddybär

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Von: Daniel Schmitt

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Real-Trainer Carlo Ancelotti kann Supercup-Rekordsieger werden - für den „Friedensstifter“ kein Grund für Nervosität.

Frankfurt – Im Spätsommer 2017 begann es, da bekam die Öffentlichkeit ein Bild von ihm vermittelt, von einem der erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte, das nicht viel mehr als Dolce Vita zeigen sollte. Ein Gemälde von einem Mann, der alt geworden ist, der nur noch lümmelt im bequemen Liegestuhl, glücklich und zufrieden zwar, die qualmende Zigarre im Mundwinkel, den Rotwein in der Hand, der italienische Pelz sprießend unter dem aufgeknöpften Hemd. Aber eben auch gemütlich und gleichgültig. Carlo, der nette Teddybär, war auf einmal Herr Ancelotti, der böse Problembär des FC Bayern München. Kurz drauf, Mitte September nach einem Münchner 0:3 in Paris, wurde er entlassen.

Fünf Jahre später wird anders über Ancelotti geurteilt - mit Hochachtung. Schon als Mittelfeldspieler der AS Roma und der AC Milan sammelte er 14 Titel, als Trainer kamen seitdem 22 dazu. Mehrfacher Meister in Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland und England, Pokalsieger sowieso, dazu viermaliger Champions-League-Triumphator, zweifacher Weltpokalsieger, Welttrainer.

Eintracht Frankfurts Gegner hat einen der erfolgreichsten Gegner

Ancelotti, der einst vom großen Arrigo Sacchi lernte, hat so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Auch dreimal den UEFA-Supercup (2004, 2008, 2015), um den sein Team, Real Madrid, an diesem Mittwochabend (21 Uhr/RTL) gegen Eintracht Frankfurt spielt. Ancelotti könnte mit einem vierten Erfolg zum Rekordsieger des Wettbewerbs aufsteigen. Eine Randnotiz. Der 63-Jährige lebt nicht von Titeln wie andere, wie die verbissenen Mourinhos oder Guardiolas, er gewinnt sie einfach.

Carlo Ancelotti ist kein stilprägender Trainer, keiner wie Jürgen Klopp, der seine Teams die Gegner auffressen lässt, oder Pep Guardiola, der sie mit dem ewigen Tiki-Taka aushungert. Er ist kein lauter Einpeitscher, kein ausgewiesener Taktikfuchs, liefert kaum denkwürdige Zitate, und doch war er (fast) immer erfolgreich.

Die linke Augenbraue ist oben, ein untrügliches Zeichen: Real-Madrid-Trainer Carlo Ancelotti ist sauer.
Die linke Augenbraue ist oben, ein untrügliches Zeichen: Real-Madrid-Trainer Carlo Ancelotti ist sauer. © Javier Soriano/afp

Nächster Eintracht-Gegner: Ancelottis Motto lautet stupsen statt schubsen

Dem alternden Real Madrid hat er Frische verliehen, die immer satter scheinenden Stars wie Luka Modric, Toni Kroos oder Karim Benzema noch mal hungrig gemacht und sie am 28. Mai diesen Jahres gegen den favorisierten FC Liverpool erneut zum Triumph in der Champions League geführt. Wobei Führung nicht das trifft, was Ancelotti ausmacht. Natürlich kann auch er, der zweifache Vater, streng sein, muss Entscheidungen treffen, seine eigentliche Stärke aber liegt in der Ruhe. Er schubst seine Spieler nicht in eine Richtung, er stupst sie nur - den Rest müssen sie selbst erledigen. Philipp Lahm sagte einmal über seinen Ex-Trainer: „Was Ancelotti in einer Woche sprach, sprach Guardiola in drei Stunden.“

Dabei gehen dem Sohn eines Milch- und Käsebauerns, geboren und aufgewachsen in der hübschen Emilia-Romagna im Norden Italiens, die schwierigen Charaktere in seiner Trainer-Vita nicht aus. Er coachte egozentrische Spieler wie Zlatan Ibrahimovic, Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos, Franck Ribery oder Arjen Robben und machte sie zu seinen Freunden, nutzte ihre Art gewinnbringend. Er arbeitete für die ganz Mächtigen der europäischen Manager-Zunft, für Silvio Berlusconi, Florentino Pérez, Roman Abramowitsch, Uli Hoeneß, Nasser Al-Khelaifi. Gemocht haben sie ihn eigentlich überall, in Mailand, Turin, Neapel, in Madrid, Paris, London. Selbst in München. Nicht umsonst wird Ancelotti in Spanien „Pacificador“ genannt, der Friedensstifter. Führungspersönlichkeiten innerhalb einer Mannschaft, bedeutete er einmal, werden „von der Gruppe gewählt, nicht vom Trainer oder Präsidenten.“ An dieses Credo hält er sich eisern.

Eintracht Frankfurts Gegner Real: Trainer Ancelotti hat seine eigene Art zu coachen

Seine berühmte linke Augenbraue, hochgezogen bis fast an den Haaransatz, ist das untrügliche Zeichen, wenn dann doch einmal etwas schief läuft. Die Spieler wissen das, die Schiedsrichter sowieso. Carlo Ancelotti muss nicht schreien, schon gar nicht wild gestikulieren am Spielfeldrand, er lässt einfach seine Augenbraue hüpfen. Ansonsten schaut er Spielen oft stoisch zu, kaut auf seinen Kaugummis herum, bis zu 15 Stück pro Partie, und lässt sich innerlich begeistern von seinen Fußballstars.

Nach der Karriere, so hat der Trainer einmal verraten, wolle er das Leben in vollen Zügen genießen. Gemeinsam mit seiner Frau Mariann, eine Kanadierin, in Vancouver, wo sie ein Haus besitzen. Man kann es sich schon bildlich vorstellen: Carlo Ancelotti, der nette Teddybär, im Liegestuhl, die Zigarre im Mundwinkel, den Rotwein in der Hand. Alt, gemütlich und sehr zufrieden. (Daniel Schmitt)

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