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Gegner der Eintracht: Die Werder-Familie funktioniert

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Von: Jan Christian Müller

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Ole Werner von Werder Bremen
Hätte bisher kaum besser laufen können für ihn: Werder-Trainer Ole Werner. © nordphoto GmbH / Rauch / Imago Images

Der SV Werder Bremen hat in der Phase der größten Krise Zusammenhalt bewiesen - nun nimmt er es mit Eintracht Frankfurt auf.

Frankfurt – Es gibt bei Werder Bremen erstaunliche Parallelen zu besichtigen zwischen dem direkten Wiederaufstieg 1981 und jenem von 2022: Damals muss Werder in der zweiten Liga den Cheftrainer Kuno Klötzer nach schwerem Autounfall ersetzen. Manager Rudi Assauer findet dafür Otto Rehhagel, Rehhagel wird zum Glücksfall, Werder beginnt die Aufstiegssaison mit einem 4:2 in Mönchengladbach und einem 1:0 gegen Arminia Bielefeld (bei dem Stopper Norbert Siegmann Stürmer Ewald Lienen den Oberschenkel aufreißt) und qualifiziert sich am Ende mit Platz fünf für Europa. Die Geburtsstunde einer großen Epoche.

40 Jahre später muss Markus Anfang vorzeitig gehen. Der Impfpassbetrug des Cheftrainers wird erneut zum Glücksfall für Werder. Denn es zeigt sich schnell, dass Nachfolger Ole Werner - wie seinerzeit Rehhagel - besser performt als sein Vorgänger. Rehhagel erfand damals das Forechecking neu, die Gegner wurden mit dem Westwind im Rücken förmlich aus dem zugigen Weserstadion gepustet. Forechecking heißt heute Gegenpressing. Ole Werner lehrt es ähnlich solide wie einst „König Otto“ und später Thomas Schaaf.

Eintracht Frankfurts Gegner Werder Bremen: Bemerkenswert menschliches Miteinander

In der derzeit auf Dazn ausgestrahlten Werder-Doku „Ein Jahr zweite Liga“ wird - im Gegensatz zu Hochglanzproduktionen etwa über den FC Bayern München oder Manchester City - keine Heldengeschichte erzählt. Deshalb ist der Sechsteiler auch so sehenswert. Es lässt sich nachvollziehen, welch immensen Druck allen voran Sportchef Frank Baumann aushalten musste und wie tapfer und umsichtig er damit umging. Denn der Verein war durch Abstieg und Corona auch finanziell bis auf die Knochen ausgeblutet.

Der Umgang mit der prekären Situation war auch im menschlichen Miteinander bemerkenswert, wenngleich die Abschiede von Cheftrainer Florian Kohfeldt und Feuerwehrmann Schaaf in der Lage der größten Verzweiflung missrieten. Aufsichtsratschef Marco Bode war sich in der Folge nicht zu schade, die politische Verantwortung zu übernehmen und auf eine erneute Kandidatur zu verzichten.

Der Ex-Nationalspieler stärkte den in Öffentlichkeit und von Ex-Funktionären scharf attackierten Männern wie Baumann und Präsident Hubertus Hess-Grunewald den Rücken. Auch Clemens Fritz, wie Baumann und Bode Ehrenspielführer, machte als Leiter der Lizenzspieler einen Top-Job. In der größten Krise funktionierte die Werder-Familie. Ole Werner schickt sich an, ein bedeutendes neues Mitglied dieser Familie zu werden.

Eintracht Frankfurts Gegner Werder Bremen: Abstieg als Segen?

War der Abstieg gar ein Segen? Finanziell sicher nicht. Aber das nach zwei verkorksten Spielzeiten völlig ungewohnte Gefühl von Werder-Siegen hat Klub und Stadt ein gutes Stück auf dem Weg zum alten Selbstwertgefühl vorangebracht. In den ersten drei Spielen der neuen Saison gelang es Werder jeweils, Rückstände wettzumachen, zuletzt heldenhaft beim 3:2-Sieg in Dortmund.

Am Sonntag (17.30 Uhr/dazn) treffen die Bremer daheim auf Eintracht Frankfurt. Es wäre indes vermessen, von einer Renaissance großer Zeiten zu träumen. Dafür ist Werder, 2010 letztmals in der Champions League, finanziell inzwischen viel zu weit abgehängt worden. Marco Bode hat das ernüchtert in einem Buch zusammengefasst: „Tradition schießt keine Tore“. (Jan Christian Müller)

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