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Basels hKapitän Valentin Stocker verdiente einst bei der Hertha sein Geld.

Europa League

Eintracht-Gegner Basel: Aversion gegen den Alltag

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Dem kriselndem FC Basel kommt das Höhepunktspiel in Frankfurt gerade recht.

Gesetzt den Fall, die Frankfurter Fußballer gingen an diesem Donnerstagabend gegen den FC Basel früh mit 1:0 in Führung, sie könnten eigentlich schon einen Strich unter die Partie machen und sich zumindest für einen Moment über den nächsten Heimsieg in der Europa League freuen. Mal davon abgesehen, dass sie das wohl eher nicht machen werden, weil sie ja Vollprofis sind und eine frühe Führung natürlich immer erst noch ausgebaut werden will, nährt eine aus Schweizer Sicht sehr unschöne Statistik aber die Hoffnung, dass es so positiv laufen könnte für die Eintracht.

Denn liegt der FC Basel in dieser Saison einmal zurück, verliert das Team aus der Alpenrepublik fast immer. Nur beim 3:2-Hinrundenerfolg in Thun, Tabellenletzter der Schweiz, und beim 1:1 gegen Neuchatel Xamax, Vorletzter, punkteten die Rot-Blauen trotz eines Rückstands noch. Die anderen sieben Ligapartien, in denen der FCB hinten lag, gingen allesamt verloren. Und in der Europa League? Dort, wo die Schweizer erst durch ihre Gruppe marschierten und diese als Erster abschlossen, ehe sie dann Nikosia im Sechzehntelfinale locker aus dem Wettbewerb warfen? Da lagen sie ohnehin nur zweimal zurück, verloren daraufhin in Krasnodar (0:1) und holten in Trabzon einen Zähler (2:2) – für eine sonderlich ausgeprägte Jetzt-erst-Recht-Einstellung sprechen diese Ergebnisse jedenfalls nicht.

Selbst wenn es für den FC Basel in der Europapokalhistorie in acht Partien auf deutschem Boden noch keinen Sieg gab (zwei Remis, fünf Niederlagen), ist das Team von Trainer Marcel Koller natürlich heiß auf das heutige Achtelfinalhinspiel bei Eintracht Frankfurt (18.55 Uhr/Dazn). Zum einen natürlich deshalb, weil national derzeit aufgrund des Coronavirus‘ gar nichts geht, der Spielbetrieb ist ausgesetzt. Zum anderen, weil die Schweizer als Tabellendritter der Liga bei fünf Punkten Rückstand auf die beiden besser platzierten Konkurrenten den Meistertitel fast schon abhaken können.

Stocker führt das Team

Gerade mit Blick auf die sportliche Krise in der Heimat muten die Ausflüge nach Europa für den FCB in dieser Saison noch mehr wie Ferien für ein Schulkind an – eine ähnliche Gemengelage also wie bei der Eintracht, der die Höhepunktspiele ebenfalls weitaus mehr Spaß (und Erfolg) bereiten als die Alltagkicks.

Angeführt werden die Gäste von ihrem Kapitän, der gleichzeitig der beste Techniker der Truppe ist, von Valentin Stocker. Der 30-jährige Mittelfeldmann ist einer von vier Spielern im Schweizer Ensemble, der einst in Deutschland sein Geld verdiente. Neben Stocker, der von 2014 bis 2018 insgesamt 76 Partien für die Berliner Hertha machte, standen auch die beiden zentralen Mittelfeldspieler Fabian Frei (Mainz 05) und Zdravko Kuzmanovic (VfB Stuttgart) sowie Angreifer Kemal Ademi (TSG Hoffenheim II) in der Bundesrepublik unter Vertrag. Ademi, 24, ist mit wettbewerbsübergreifend zehn Toren der effektivste Offensivmann der Gäste.

Ansonsten finden sich in der Mannschaft von Trainer Marcel Koller kaum Profis, die hierzulande und vor allem bei Eintracht Frankfurt große Furcht auslösen dürften. Die Zeiten, als teilweise die Reservebank des FCB noch mit Nationalspielern besetzt war, sind vorbei. Taulant Xhaka ist noch ein einigermaßen bekannter Name, aber nicht, weil der albanische Nationalspieler besonders große fußballerische Klasse mitbringt, sondern weil er der ältere Bruder von Arsenal-Profi Granit Xhaka ist. Zudem sind die eigentlichen Stammkräfte Luca Zuffi, Kevin Bua, Kuzmanovic und Ricky van Wolfswinkel (dessen klangvoller Namen nur noch von Kollege Afimico Pululu getoppt wird) verletzt.

Valentin Stocker, der einst mit Eintracht-Kapitän David Abraham in Basel zusammenspielte, blickt trotz dieser durchwachsenen Aussichten recht positiv in die Zukunft. Gerade erst sagte er dem „Blick“: „Ich finde, für die Breite unseres Kaders haben wir das sensationell gemacht und die Dreifachbelastung sehr gut gemeistert.“ Das sehen nicht alle in Basel so.

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