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Torschützen unter sich: Joselu (hinten) und Marco Russ.

Europa League Rückblick

Eintracht Frankfurts  erstaunliche Energieleistung

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Ein Rückblick: Eintracht Frankfurt erkämpft sich im Hinspiel ein 2:2 in Porto.

Der Ausflug ins Sechzehntelfinale, mal wieder von gut 6000 Eintracht-Fans begleitet, schien nach einer guten Stunde beendet, 0:2 lag da die Eintracht im halbleeren Estadio do Dragao zurück, zu stark präsentierte sich der FC Porto. Dabei war fast mit Händen zu spüren, dass es die Portugiesen, im Grunde Abonnementsteilnehmer in der Champions League, ein wenig unter ihrer Würde empfanden, in der Europa League kicken zu müssen. Immerhin war der FC Porto zuvor 27-mal portugiesischer Meister geworden. 25 000 Zuschauer wollten diese Partie im Regen nur sehen. Ohnehin war man in dieser Saison nicht wirklich zufrieden mit der Mannschaft, mit Trainer Paulo Fonseca. Der portugiesische Coach musste übrigens knapp drei Wochen später gehen - und ist mittlerweile Trainer von Schachtjor Donezk.

„Unsere Moral war besser“

Trotzdem waren die Portugiesen in dieser Begegnung anfangs die bessere Mannschaft, die Tore fielen fast folgerichtig, und hätte Jackson Martinez, damals einer der heißesten Stürmer in Europa, nicht so viele Gelegenheiten ausgelassen, die Eintracht wäre weit deutlicher in Rückstand geraten. Den Kolumbianer verkaufte der FC Porto alsbald für 35 Millionen Euro an Atletico Madrid, dann ging er nach China zum Geldverdienen. Mittlerweile hat sich der 32-Jährige an den portugiesischen Aufsteiger SC Portimonense ausleihen lassen.

Doch mit urdeutschen Tugend krabbelten die Hessen wieder aus dem Loch: Den Frankfurter Strohhalm ergriff plötzlich und aus dem Nichts der Spanier Joselu (72,), der den Anschlusstreffer schaffte. Eine verunglückte Kopfballabwehr nahm der Stürmer auf und drosch die Kugel mit Wucht ins Tor. Der Wachmacher. Auf einmal ging ein Ruck durch die Mannschaft, und nur vier Minuten später stocherte Defensivmann Marco Russ aus dem Gewühl und mit Hilfe des portugiesischen Verteidigers Alex Sandro den Ball ins Netz - 2:2, was für eine prima Ausgangsposition! „Nun haben wir eine greifbare Chance auf das Achtelfinale“, ließ sich der damalige Finanzvorstand Axel Hellmann zufrieden zitieren.

In der zweiten Hälfte lieferte die Eintracht eine gute, engagierte und disziplinierte Leistung ab, das Remis war nicht einmal unverdient. Porto sei zwar „eine Idee spielstärker als wir“ gewesen, analysierte Vorstandschef Heribert Bruchhagen, aber die Hessen hatten viel Herzblut und Leidenschaft in die Waagschale geworfen. „Unsere Moral war einfach besser“, sagte Marco Russ, der in diesem Spiel im defensiven Mittelfeld agierte. „Es war dann ein Spiel auf Augenhöhe.“

Und Trainer Armin Veh, der den Klub nach jener Saison verlassen sollte, lobte ausgiebig. „Das war eine richtig gute Leistung meiner Mannschaft“, sagte der Fußballlehrer, der heute als Geschäftsführer mit dem 1. FC Köln aus der zweiten Liga in die Eliteklasse aufsteigen will.

Die Energieleistung der Eintracht gegen ein Champions League-Team war auch insofern erstaunlich, weil die Hessen am Wochenende zuvor aus Dortmund eine 0:4-Klatsche mitgebracht hatten. Ohnehin war der Klub in dieser Runde nicht ganz sorgenfrei, drei Punkte trennte die Eintracht vom Relegationsplatz, der Klassenerhalt war oberstes Ziel. Drei Tage nach der Kür in Porto stand schon wieder ein ziemlich wichtiges Pflicht-Spiel gegen den Abstieg an, gegen Werder Bremen im eigenen Stadion. 0:0 endete es, ehe trostlos, und so ganz anders als auf der großen europäischen Bühne.

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