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Steht da drauf, wie man den Griechen beikommt? Trainer Glasner und sein Spickzettel.
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Steht da drauf, wie man den Griechen beikommt? Trainer Glasner und sein Spickzettel.

SGE

Eintracht: Ex-Mitglied der „Büffelherde“ - Sebastien Haller geistert durch Frankfurt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Vor dem Europapokalspiel gegen Piräus nimmt Eintracht-Coach Oliver Glasner seine Neuzugänge in Schutz und erinnert an einen alten Bekannten.

Frankfurt am Main - Die erste Pressekonferenz nach der letzten Pressekonferenz begann der Frankfurter Fußballgelehrte Oliver Glasner mit einer Entschuldigung. Seinen flapsigen Spruch nach der ernüchternden 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC, wonach er sich vielleicht einen „hinter die Binde kippen“ werde, um Antworten auf diesen desolaten Auftritt zu finden, „hätte ich mir sparen können“, findet der 47-Jährige nun. „Damit suggeriere ich ja: ,Wenn es Probleme gibt, dann trink was und du findest die Lösung.‘ Das ist natürlich völliger Blödsinn. Tut mir leid, das gesagt zu haben.“ In Wahrheit habe man sich „nüchtern damit beschäftigt, Lösungen zu finden“. Man darf, ebenfalls ganz nüchtern betrachtet, sehr gespannt sein.

Wie diese Lösungen aussehen könnten, soll seine Mannschaft am Donnerstagabend (21 Uhr/RTL) im dritten Europa-League-Spiel dieser Saison zu Hause gegen den Tabellenführer Olympiakos Piräus zeigen. Klar ist: Eine nochmalige Nicht-Leistung wie gegen die Berliner wird sich Glasners Team kaum erlauben können, zum einen, weil sie die Partie gegen den griechischen Meister dann noch sang- und klangloser verlieren würde als gegen tumbe Herthaner. Und zum anderen, weil sich die ohnehin schon gedämpfte Stimmung dann gänzlich verdüstern würde. Es wäre eine ganze Menge Druck auf dem Kessel, was vor dem Bundesligaspiel am Sonntagabend beim Aufsteiger VfL Bochum nicht besonders hilfreich wäre. Doch Konjunktiv bleibt Konjunktiv.

Eintracht Frankfurt: Nicht alles infrage stellen

Für den Trainer von Eintracht Frankfurt steht dessen ungeachtet fest, dass diese fast schon peinliche Vorstellung gegen den Hauptstadtklub nicht als Maßstab für eine Gesamtbewertung der bisherigen Saison gelten könne. Nach den zwei Siegen zuvor gegen Antwerpen und Bayern herrschte „Rieseneuphorie“, wie der Österreich ausgemacht haben will. Deshalb werde man jetzt nach einem denkbar schwachen Spiel „nicht alles infrage und wieder alles auf null stellen“, sondern vielmehr „nach und nach an den kleinen Rädchen justieren“. Ob das genügt, um die mächtig ins Stottern geratene Maschinerie wieder flott zu bekommen? Zuletzt hatte man eher den Eindruck, das gesamte System krankt.

Das liegt nicht nur, aber auch an den Neuzugängen, die noch nicht zünden wie erhofft. Mittelfeldspieler Djibril Sow, seit zweieinhalb Jahren in Frankfurt und inzwischen der Dauerbrenner schlechthin, spürt sehr genau, welche Last Akteure wie Sam Lammers, Jens Petter Hauge oder Jesper Lindström mit sich herumschleppen. „Man merkt, dass sie unter Druck stehen“, findet der kluge und feinfühlige 24-Jährige. Deshalb liege es gerade an den erfahreneren Spielern, ihnen „diesen Druck zu nehmen und sie zu unterstützen“. Sow, der in seiner Anfangszeit in Frankfurt ebenfalls fremdelte und massive Probleme hatte, in der neuen Liga zurechtzukommen, findet ohnehin, dass der Kopf eine ganz entscheidende Rolle spielt, also das Unterbewusste, die psychische Komponente. „Je länger wir nicht gut spielen und gewinnen, umso schwieriger wird es.“ Gerade deshalb ärgert ihn die Art und Weise, wie sich die Mannschaft gegen die Hertha verkauft hat. „Wir hatten die Möglichkeit, in einen Lauf zu kommen. Und wenn man Spiele gewinnt, ist der Prozess einfacher zu bewältigen als wenn man Spiele verliert.“ Zurückdrehen lässt sich die Zeit aber nicht mehr.

Mögliche Aufstellung

Frankfurt: Trapp - Ndicka, Hasebe, Hinteregger - Touré, Sow, Jakic, Kostic - Kamada - Borré, Paciencia.
Piräus: Vaclik – Lala, Sokratis, Cissé, Reabciuk - Bouchalakis, M. Camara – M’Vila, Masouras, A. Camara – El-Arabi.
Schiedsrichter: Tiago Martins (Portugal).
Der Eintracht fehlen: Barkok (Knieblessur), Lenz (Faserriss), Ache, Blanco (beide für Europa League nicht nominiert), Younes (freigestellt).

Eintracht Frankfurt: Keine Schuld den Neuen

Auch sein direkter Vorgesetzter ist weit davon entfernt, den Stab über die zuletzt so enttäuschende neue Offensivreihe um Lammers, Hauge und Lindström zu brechen. „Es wäre völlig falsch, die Niederlage ihnen in die Schuhe zu schieben und das auf sie abzuwälzen.“ Er wisse, dass die Erwartungshaltung in Frankfurt sehr hoch sei und Zeit knapp bemessen ist, dennoch sieht er weiterhin das Positive in seinen Zugängen. „Sie haben schon ihren Beitrag geleistet.“ Das aber reicht nicht, um höheren Ansprüchen zu genügen. Glasner erinnert freilich lieber an Sebastien Haller, „der hier am Anfang ähnlich kritisch gesehen wurde“. Nun startet der Mittelstürmer auf höchstem Niveau durch: In der Champions League hat er für Ajax Amsterdam nicht nur einen Viererpack geschnürt, sondern schon sechs Tore in drei Spielen gemacht, am Dienstag zauberte er bei der 4:0-Demontage gegen Borussia Dortmund gemeinsam mit seinen Kollegen, bereitete zwei Treffer vor, erzielte einen selbst. Haller als Blaupause für die zuletzt getadelten Neuen? Man wird sehen.

Für Abräumer Sow ist die jüngste Pleite erklärbar, sie habe nicht am System, der Taktik oder dem Personal gelegen, sondern an der Einstellung. „Wir haben uns hinterfragt, ob jeder alles gegeben hat und voll fokussiert war“, sagt der Schweizer Internationale und gibt die Antwort gleich selbst: „Das war nicht der Fall. So reicht es dann nicht in der Bundesliga.“

Eintracht Frankfurt: Trainer Oliver Glasner räumt Fehler ein

Mit ziemlicher Sicherheit wird Oliver Glasner auf internationalem Parkett den Japaner Daichi Kamada aufbieten, den er zuletzt in der Bundesliga überraschenderweise außen vor ließ. Der Spielgestalter, wiegelt der Coach ab, habe nach der letzten Länderspielreise „nicht den frischesten Eindruck hinterlassen“. Das mag sein, doch selbst ein müder Kamada ist derzeit besser als das zuletzt aufgebotene, ausgeschlafene Offensivpersonal. „Es wäre vielleicht besser gewesen, er hätte von Anfang an gespielt“, räumt der Fußballlehrer ein. „Es ist zu Recht, dass ihr diese Frage stellt.“ Kamada, sagt Glasner, sei aber nach wie vor ein wichtiger Spieler, der „schon viele Einsatzminuten hatte und weiterhin viele bekommen wird“.

Ein Sieg gegen Piräus würde der Eintracht das Tor zum Überwintern auf europäischem Parkett weit öffnen und ihr zusätzlichen Rückenwind geben. Das ist gerade in unruhigen Tagen nicht zu unterschätzen. Glasner, der erstmals den lange verletzten Kapitän Sebastian Rode wieder in den Kader berufen wird, erwartet eine enge Kiste gegen ein ausgebufftes Team. „Das wird ein Spiel auf Augenhöhe, in dem man an die Leistungsgrenze gehen muss, um es zu gewinnen.“ Von der Leistungsgrenze war seine Elf zuletzt meilenweit entfernt. (Ingo Durstewitz)

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