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Hannovers Waldemar Anton (rechts) spielt gegen Frankfurts Luka Jovic.

Bundesliga

Eintracht: Souverän nach Standpauke

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    Ingo Durstewitz
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Die Frankfurter Eintracht braucht 45 Minuten, ehe sie ins Rollen kommt. Dann gibt es gegen überforderte Hannoveraner kein Halten mehr.

Nach 45 Minuten ist der Frankfurter Trainer Adi Hütter dann ein bisschen deutlicher geworden, er musste es auch werden. Denn das, was sein Team, bis dato bei den arg im Abstiegssumpf steckenden Hannoveranern zuwege gebracht hatte, sei „alles andere als zufriedenstellend“ und „sehr, sehr wenig“ gewesen, senkte auch Torwart Kevin Trapp den Daumen. 0:0 hat es da noch gestanden und „wir hatten in einigen Szenen Glück gehabt“. Also bat der 49 Jahre alte Fußballlehrer seine Spieler in der Kabine um Ruhe und fand in der Pause klare Worte: Wenn man oben weiter mitspielen wolle, dann müsse hier gewonnen werden, „auch wenn es schwer fällt“. Er habe eine Reaktion sehen wollen von seiner Mannschaft.

Gesagt, getan. Eintracht Frankfurt hat in der Tat in der zweiten Halbzeit ein anderes Gesicht gezeigt und letzten Endes gegen ein komplett verunsichertes Team von Hannover 96 einen ziemlich „souveränen Sieg“ nach Hause gefahren. Ante Rebic (54.), Luka Jovic (63.) mit seinem 15. Treffer und schließlich Filip Kostic, der in der 90. Minute den Schlusspunkt setzte, münzten die spielerische Überlegenheit der Hessen schließlich in drei schöne Tore um. Es war der fünfte Frankfurter Erfolg in der Fremde. Selbst 96-Trainer Thomas Doll, eingangs der 1990er Jahre selbst einmal bei der Eintracht am Ball, lobte: „Die Eintracht ist eine Mannschaft, die in fantastischer Form ist.“ Hannover 96 freilich spielte wiederum aber auch genau ihrem Tabellenplatz entsprechend. Der Vorletzte im Klassement blieb weitgehend harmlos, hatte keine echte gefährliche Torchance und wirkte, wie Trapp treffend fand, „komplett ohne Selbstbewusstsein“. Am Ende verhöhnte selbst die mal wieder wenig leidenschaftliche Anhängerschaft die eigene Mannschaft von den Rängen.

Sportdirektor Bruno Hübner sprach in einer ersten Reaktion sogar von „einer glanzvollen zweiten Hälfte“. Er hob besonders hervor, dass Eintracht Frankfurt immerhin am Donnerstagabend in der Europa League noch eine kräftezehrende Partie in den Knochen hatte, die viel Substanz gekostet habe. Und dann so eine zweite Halbzeit abgeliefert zu haben, „richtig gut Fußball gespielt“ zu haben, das sei aller Ehren wert. „Hier 3:0 zu gewinnen ist ein Schritt, der mich stolz macht“. Von Ermüdungserscheinungen war nichts zu spüren, und das, obwohl Adi Hütter einzig David Abraham und Mijat Gacinovic eine Pause gegeben hatte. Für sie kam Winterneuzugang Almamy Touré zu seinem Bundesligadebüt von Anfang an, zudem stand Rebic in der Startelf.

Eintracht: Wenn Luka Jovic seine Chance genutzt hätte

Die Partie hätte für Eintracht Frankfurt richtig gut beginnen können, wenn Luka Jovic schon nach vier Minuten seine glasklare Chance genutzt hätte. Mutterseelenallein stand er da vor 96-Torhüter Michael Esser, doch statt zu schießen oder dem mitgelaufenen Rebic aufzulegen, wollte der 21 Jahre alte Serbe den Schlussmann überlupfen; ein Unterfangen, das Hübner später „als ambitioniert bei einem gefühlt 2,10 Meter großen Torhüter bei fünf Metern Entfernung“ empfand. Die Partie wäre sicherlich gleich in ruhigeren Bahnen verlaufen, „wir hätten das entspannter angehen können“, ärgerte sich Trapp über diesen Fehlschuss. So waren die Hessen in den ersten 45 Minuten das eine oder andere Mal noch in die Bredouille gekommen, wirklich ernsthaft drohte aber nie Gefahr. Dennoch: „So dürfen wir nicht auftreten.“

Und dann kam die Kabinenansprache des Trainers. Dass Eintracht Frankfurt dann tatsächlich in einem anfangs zerfahrenen Spiel den Schalter noch derart souverän umzulegen in der Lage war, spricht natürlich auch für sich. „Das zeigt unsere Qualität“, sagte Trapp. Der Frankfurter Schlussmann, auch das zeigt den mittlerweile gestiegenen Anspruch, sagte aber auch, dass der Erfolg an der Leine, bei einem Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht, fest eingeplant war. „Das war ein Pflichtsieg, das waren drei Punkte, die wir machen mussten.“ Und dazu reichte im Grunde genommen eine durchschnittliche Leistung und eine Standpauke zur Halbzeit.

Vermutlich ist das in dieser Runde auch der große Unterschied: Je länger ein Spiel dauert, umso mehr setzt sich irgendwann die individuelle Klasse der Eintracht durch. Die Hessen mögen gegen die Top fünf der Liga nicht gewinnen (aber bislang auch nicht verlieren), die von der Papierform schwächeren Teams aber können sie jederzeit schlagen. Der Führungstreffer von Rebic steht symptomatisch für diesen Anspruch und diese Fähigkleit: Martin Hinteregger, der zeitweise die Hannoveraner Angriffe ganz alleine stoppte und eine bärenstarke Leistung bot, hatte seinen Zweikampf gewonnen, den Ball auf Sebastien Haller gespielt, der wiederum Jovic in Szene setzet. Der Stürmer, der im ersten Abschnitt noch eine gewisse Pomadigkeit an den Tag legte, spielte Ante Rebic in den Lauf, der mit einem satten Linksschuss dem tüchtigen Torwart Esser keine Abwehrchance ließ. Die individuelle Klasse der drei Top-Stürmer gab den Ausschlag. Sehenswert auch da 2:0 durch Jovic, als Filip Kostic, mal wieder außerordentlich dominant auf seiner linken Seite, die Kugel perfekt auf den Schädel des Torjägers platzierte. Rechtsverteidiger Danny da Costa übrigens hatte von der Vorentscheidung nichts mitbekommen, er lag noch nimmer nach einem harten Zweikampf auf dem Boden, doch das Spiel lief weiter.

Eintracht Frankfurt bleibt damit in 2019 ungeschlagen. Sechs Spiele in der Bundesliga haben sie nicht mehr verloren, gegen Bremen, Dortmund, Leipzig und Mönchengladbach Remis gespielt, sowie gegen Freiburg und jetzt Hannover gewonnen. Dazu haben sie mit phänomenalen Spielen gegen Schachtjor Donezk das Achtelfinale in der Europa League erreicht. „Es ist eigentlich unfassbar, wie wir spielen“, wunderte sich Kevin Trapp ein bisschen. Von ihm aus könne es so weiter gehen und Spiele alle drei Tage „machen doch einfach nur Spaß“. Vor allem dann, wenn man gewinnt.

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