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Bruno Pezzey (Frankfurt, re.) gegen Karl Heinz Rummenigge (Bayern) beim legendären 5:1.

Kolumne „Stillleben“

Frankfurt gegen Lissabon: Alles wird Bambi

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Frankfurt fiebert auf das Europa-League-Rückspiel der Eintracht gegen Benfica hin wie  - ach, lesen Sie selbst. Und zwar die Kolumne.

Donnerstagabend spielt … bitte? Ja, woher wussten Sie das? Donnerstag also Eintracht gegen Benfica, und keine Ahnung, warum mir das gerade jetzt einfällt, aber manchmal scheinen Situationen schwierig, ja fast ausweglos – und am Ende wird doch alles gut.

Man muss dafür keine Fußballzahlen hervorkramen wie das 4:3 gegen Stuttgart 1973 (nach 0:3-Rückstand). Opa Alfred und ich standen jubelnd auf unseren Sitzplätzen, wie Sie sicher schon siebzehnmal gelesen haben. Oder das 5:1 gegen die Bayern 1980 (nach 0:2 im Hinspiel). Das Waldstadion wackelte, als Bruno Pezzey den Ball übers Dach der Haupttribüne ballerte (man hatte damals auf die Schnelle stets nur einen Ball zur Hand, das brachte also noch ordentlich Zeit).

Oder das 5:1 anno 1999, Übersteiger – das Original. Oder das 6:3 anno 2003, Alex Schur. Vor lauter Jubel brach die Gegentribüne zusammen. Ach nee, die war ja vorher schon abgebrochen worden. Aber wissen Sie was? Die wurde wieder aufgebaut, die Tribüne. Schöner als zuvor! Ein weiterer Beweis für die These: Bei der Eintracht wird alles wieder gut.

Wie in der Tierwelt. Denn wie gesagt, man braucht keine alten Fußballergebnisse auszubuddeln, überall siegt am Ende das Gute. Kater Cookie verlief sich im zarten Alter von zehn Monaten, als er mit Frauchen im Hotel in Grasse (Frankreich) übernachten sollte. Eineinhalb Jahre später war Cookie wieder zu Hause – nach einem Solo über 1116 Kilometer. Sie sehen: Alles wird Bambi.

Tierisch willensstark

Oder hier, Katze Monmousse. Fand auch allein heim, 700 Kilometer in zehn Monaten, nachdem sie in den Ferien in Frankreich abhanden gekommen war. Wieso immer Franzosen ihre Katzen verlieren, ist eine andere Frage. Den Hessen geht schon mal der Hund verlustig: Rüde Milo benötigte 40 Stunden, um allein vom Herkules nach Oberzwehren zurückzufinden. Immerhin. Braver Milo. Ein US-Hund lief und lief und lief in die falsche Richtung (Amis eben) nach Ohio und kam doch wieder zur Familie zurück. Er heißt: Bambi. Ich schwöre, das Beispiel habe ich erst für diesem Absatz des Textes recherchiert.

Adler finden aus hoffnungslos scheinender Lage fast immer einen Ausweg. Aber Greifvögel taugen heute mal nicht als Vorbild gegen Benfica, die sind ja Adlerträger wie die Eintracht.

Man muss aber auch nicht unbedingt Tiere bemühen. Schauen Sie: Eine Radiomoderatorin und ein Mann, junger Vater, der einen Schicksalsschlag hinter sich hat, verlieben sich ineinander, ohne sich persönlich zu kennen. Er hat am Telefon den Satz gesagt: „Und dann, nach einer Weile, werde ich mich nicht mehr daran erinnern müssen, jeden Morgen aufzustehen und ein- und auszuatmen.“ Das hat sie umgehauen (und ein paar Hundert Millionen andere Leute auch).

Sie verabreden sich auf der Dachterrasse des Empire State Buildings, verpassen sich, aber der kleine Junge vergisst seinen Rucksack mit dem Teddybär oben, er muss zurück, und oben steht die Radiomoderatorihihihin mit dem Bähähähähääär in der Hand – Verzeihung. Die Gefühle.

So schlaflos wie Tom Hanks und Meg Ryan in Seattle haben alle Frankfurter auf Donnerstag bend hingefiebert. Und als mir 1974 der Papa ein Eis kaufte, auch die Story kennen Sie vielleicht schon, schlenkerte ich vergnügt mit den Armen. Ein bisschen zu vergnügt. Das Bällchen Erdbeereis löste sich durch Zentrifugalkraft aus der Waffel in der rechten Hand, flog in die Höhe, schien verloren, ein Raub des Straßenpflasters auf der Zeil. Doch das Schicksal wollte es anders: Die linke Hand des kleinen Jungen schlenkerte ja ebenfalls. Auf dem Scheitel ihrer Schlenkerbahn traf sie wieder mit dem Eis zusammen und fing es unversehrt. Keine Nasa, kein US-Katastrophenfilmregisseur hätte es besser komponieren können.

Sie sehen, man holt sich durchaus mal klebrige Hände im Leben, aber alles wird Bambi. Auch am Donnerstagabend.

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