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Eintracht: Ganz persönliche Erinnerungen an den Weg ins Finale

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt, Jörg Hanau

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Der Plaza de Espana in Sevilla.
Der Plaza de Espana in Sevilla. © dpa

Zwölf Spiele, sechs Städte – und Eintracht Frankfurt am Ball. Die FR war dabei. Manches ist hängen geblieben jenseits des Ergebnisses. Erinnerungen, Begegnungen am Wegesrand.

Antwerpen – Angst um die Karre, von Ingo Durstewitz: Antwerpen? Hmm. War was? Antwerpen, ach so, klar. Hätte man leicht vergessen können, liegt schon eine ganze Ewigkeit zurück. Für uns das erste Euroauswärtsspiel seit Corona, Salzburg 2020. Mein geschätzter Kollege und ich sind mit dem Auto angereist, viereinhalb Stunden, eine Pobacke, klare Sache. Waren schon früh da und hielten es für eine tolle Idee, unsere deutsche Karre in der Nähe der Royal-Fankneipe „Café Great Old“ zu parken. Alles tutti. Irgendwann erfahren wir, dass ein paar Eintracht-Hools die Bar überfallen hatten. Jo. Kein gutes Gefühl, Auto und so. Nach dem Spiel, 1:0, Paciencia, Elfer, standen dort 1000 sehr vertrauensselig aussehende Antwerpen-Fans, rachelüstern. „Kein Wort“, raunte mir der Kollege zu. „Wir sind Belgier.“ Wir also zum – heilen – Auto geschlichen, das Gaspedal durchgedrückt und abgehauen. Schwein gehabt. Vom Finale war auf der Rückfahrt, glaube ich, keine Rede. Mein Tipp: 3:2 n.E. für die Eintracht, weil Krake Kevin (fast) alles hält.

Barcelona – die Weiße Wand, von Thomas Kilchenstein: Was kommt der Spanier auch so spät. Selbst Schuld. Sitzt bis kurz vorm Anpfiff in der Bodega, trinkt seinen Roten. Dann sind die Weißen halt zuerst da, müsste der Spanier aus Malle eigentlich wissen. Da liegt das Handtuch rechtzeitig auf der Liege. Also. Wir waren ja auch früh da, und das nach einem Gewaltmarsch über diese ganzen Ramblasse, kilometerlange Avenidas und Avinguda Diagonalen, meine Güte, haben die Füße gebrannt. Dann endlich Camp Nou, ausruhen, hinsetzen, und die weiße Mauer bestaunen. Frankfurter, überall Frankfurter, und nicht still. Als Marc-André ter Stegen den Platz zum Warmmachen betritt, pfeift das ganze Stadion, buht den deutschen Torwart und gleich darauf ganz Barca aus. Sind sie nicht gewohnt, die Herren Superstars. Im eigenen Stadion ausgebuht zu werden, niedergeschrieen. War ja kein Spanier da. Pech gehabt. Hauptsache der Rote hat gemundet. Mein Tipp: 1:3, jede Serie reißt einmal, dummerweise die der Eintracht im Finale. Seufz.

Sevilla – ein lockeres Warm-Up, von Daniel Schmitt: Südeuropa, Spanien, Sevilla, Sonne, Sangria ... Nein, nein, Sangria gehörte natürlich nicht zur ersten europäischen Dienstreise des Jahres. Der Rest schon. Und vielleicht ein Cerveza, oder zwei, passte nur nicht rein ins sprachliche Muster, schon eher: ein Sieg. Das Achtelfinalhinspiel in Andalusien, das 2:1 der Eintracht gegen Real Betis, war der Startschuss für all das, was da noch kommen sollte, für Barcelona, für London, für Fußballwunder, für Fingernägelkauen. Und, man möchte es als subjektiv-objektiver Reporter gerne anfügen, für all das, was da noch kommen könnte. Die geballte Rückkehr der Frankfurter Fans ins Stadion, in diese bröckelnde und gleichsam wunderbare Betonschüssel zu Sevilla, ins Estadio Benito Villamarin, die Vereinshymnen der heimischen Béticos und der weitgereisten Adler - es war doch tatsächlich das lockere Warm-Up. Surreal irgendwie. Mein Tipp: 2:1 für die Eintracht, weil Kostic und Kamada treffen, ist Sevillianisches Fußballgesetz.

Frankfurt – Marihuana on air, von Jörg Hanau: Der Kreis schließt sich für mich – wieder West Ham, wieder Halbfinale. Wie schon an jenem denkwürdigen 31. März 1976. Mit unschuldigen 13 Jahren stand ich im Stehblock der Eintracht, obwohl ich am nächsten Morgen Mathe schreiben musste. Danke Mutti, werde ich Dir nie vergessen. 46 Jahre später die Revanche für Grabi, Holz und Charly - die Idole meiner Jugend. Die Eintracht zieht ins Finale der Europa League ein. Kollektives Kribbeln. Volksfest auf dem Rasen - und auf den Rängen. 48.000 Menschen wie im Rausch. Was nicht nur am begeisterten Spiel von Kostic, Kamada und Knauff gelegen haben muss. Früher lag der Geruch von Bratwurst über dem Waldstadion. Diesmal eine süßlich, würzige Mischung, es riecht auf der Tribüne nach Marihuana, Cannabis, Gras. Nicht meins. Ich bleibe lieber bei Senf, Ketchup, Majo. Mein Tipp: 5:0 für die Eintracht, weil ich das schon vor dem Spiel in Barcelona getippt habe - und Trapp die Schotten dicht hält. (Jörg Hanau, Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt)

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