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Filip Kostic, Jens Petter Hauge & Co.: So schlagen sich die Eintracht-Abgänge

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Von: Thomas Kilchenstein

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Stammspieler in Turin, aber oft ausgewechselt: Filip Kostic.
Stammspieler in Turin, aber oft ausgewechselt: Filip Kostic. © Franck Fife/afp

Von Kostic bis Hauge: Manch ehemaliger Spieler von Eintracht Frankfurt, überzeugt beim neuen Klub, wo andere dagegen Probleme haben.

Frankfurt – So würde man sich immer den ersten Tag beim neuen Fußballklub wünschen: Gleich in der Startaufstellung stehen und ein Tor schießen.

Genau so hat es Goncalo Paciencia Mitte August gemacht. Der Portugiese, der bei Eintracht Frankfurt kaum noch Aussichten auf Einsätze hatte, traf nach einer guten Stunde zum 2:0 für seinen neuen Arbeitgeber Celta Vigo, am Ende reichte der Kopfballtreffer im Premierenspiel dennoch nicht zum Sieg, Espanyol Barcelona glich noch zum 2:2 aus, der ehemalige Frankfurter Joselu, mittlerweile 32, verdarb Celta und Paciencia in der Nachspielzeit mit einem verwandelten Elfer die Laune. Am sehr gelungenen Einstand von Paciencia änderte das nichts, auch in den nächsten beiden Partien war der 28-jährige Stürmer dabei.

Eintracht-Abgänge: Paciencia mit kurioser Verletzung, Kostic oft ausgewechselt

Dann freilich bremste den temperamentvollen Angreifer, der zum Schluss in Frankfurt vor allem wegen seines sonnigen Gemüts in der Kabine große Wertschätzung genoss, eine ungewöhnliche Verletzung aus: Weil er wegen Muskelbeschwerden nicht von Anfang spielen durfte, war er so sauer, dass er mit der Hand heftig gegen eine Wand hämmerte, mit der Folge – er musste operiert werden. Seitdem hat er in Spanien nicht mehr gespielt, immerhin ist er unlängst auf den Trainingsplatz zurückgekehrt und dürfte alsbald wieder eine Option für sein Team sein.

Alles in allem hat sich der Wechsel nach drei Jahren in Frankfurt (und einem unerfreulichen auf Schalke) für ihn gelohnt. Paciencia steht wieder häufiger auf dem Rasen, das wäre ihm bei der Eintracht angesichts der Sturmkonkurrenz sicher nicht vergönnt gewesen. Aber wie ist es eigentlich den anderen ehemaligen Eintracht-Spielern ergangen, die in diesem Sommer den Klub verlassen haben oder ausgeliehen wurden?

Filip Kostic , der Serbe, der bis 2026 bei seiner neuen großen Liebe Juventus Turin untergekommen ist, hatte natürlich keine Probleme, ins Team zu rücken, sieben Ligaspiele hat er bestritten, zwei Torvorlagen gegeben. Kostic spielt offensiver als in Frankfurt, er bildet quasi mit Arkadiusz Milik und/oder Dusan Vlahovic sowie Angel Di Maria das Sturmtrio, spielt Linksaußen, wird aber deutlich häufiger als in Frankfurt vorzeitig vom Feld geholt, meist eine Viertelstunde vor dem Abpfiff, just dann also, wenn er in Frankfurt regelmäßig noch einmal aufdrehte. Nur zwei Begegnungen in der Serie A absolvierte Kostic über 90 Minuten.

Sportlich läuft es für Juve schlecht, in der Liga rangiert der Abonnementsmeister derzeit nur auf Rang acht – sieben Punkte hinter Tabellenführer SSC Neapel. Am vergangenen Sonntag leistete man sich eine peinliche 0:1-Niederlage beim Neuling Monza, der bis dahin genau einen Zähler auf dem Konto hatte. Kostic verhinderte die entscheidende Flanke vor dem Gegentor nicht und musste sich anschließend Kritik der italienischen Medien ob seines mangelnden Defensivverhaltens gefallen lassen.

Und in der Champions League klappt es ebenfalls nicht besonders gut bei Juve: Zwei 1:2-Niederlagen gegen Paris Saint-Germain und Benfica Lissabon haben die Turiner schon arg unter Druck gesetzt. Immerhin hat Kostic, für den die Eintracht zwölf Millionen Euro und einen Luca Pellegrini bekommen hat, eine weitere Vorlage geliefert, Flanke von der Außenlinie, Kopfball, Tor.

Eintracht-Abgänge: Hauge läuft noch immer nicht rund

Ebenfalls in Italien, und zwar bei Hellas Verona, ist der Australier Ajdin Hrustic unterwegs, dort hat er, auch um sich in WM-Form zu bringen, bis 2026 unterschrieben. Von Erfolg ist sein Unterfangen bisher noch nicht gekrönt, er durfte bei zwei Kurzeinsätzen (zwei Niederlagen) insgesamt nur 80 Minuten spielen. Aber er trägt die Zehn.

Interessanterweise kommt der in Frankfurt gewogene und sehr bald als viel zu leicht befundene Sam Lammers bei seinem neuen Klub, dem FC Empoli, deutlich besser zurecht. Der Angreifer, der bei den Hessen komplett enttäuschte, bestritt beim Tabellen-14. bislang alle sieben Ligaspiele, erzielte ein Tor und lieferte eine Vorlage. Der Holländer ist von Atalanta Bergamo an Empoli für eine Saison ausgeliehen.

Richtig ins Laufen ist Jens Petter Hauge in Belgien dagegen bislang nicht gekommen. Der Zehn-Millionen-Euro-Mann soll bei KAA Gent zurück in die Spur finden, so wie das in den vergangenen Jahren Daichi Kamada (VV St. Truiden) und Tuta (KV Kortrijk) gelungen war. In der Jupiler League kam der Offensivspieler aber allenfalls sporadisch zum Einsatz, wurde viermal eingewechselt und kam auf eine Spielzeit von 81 Minuten. International lief es für ihn nur ein wenig besser, da spielte er häufiger, wenn auch nicht gut, bisher ist er noch ohne Tor oder Vorlage. Zudem schied Gent in der Quali gegen Omonia Nikosia (0:2, 0:2) aus, verpasste die Europa League und muss nun in der Conference League ran. Spuren hat der Norweger bisher keine hinterlassen, was aus Sicht der Eintracht enttäuschend ist. In dieser Verfassung würde eine Rückkehr zu den Frankfurtern kaum Sinn ergeben, wären viele, viele Millionen Euro recht ertraglos in den Sand gesetzt.

Noch ohne Tor und häufig nur Ersatz: Offensivspieler Jens-Petter Hauge (Mitte) bei KAA Gent.
Noch ohne Tor und häufig nur Ersatz: Offensivspieler Jens-Petter Hauge (Mitte) bei KAA Gent. © David Catry/Imago

Unrund läuft es auch bei Ragnar Ache, der für ein Jahr auf Leihbasis beim Bundesliga-Absteiger Greuther Fürth untergekommen ist. Der junge Stürmer machte zwar neun Ligaspiele, schoss ein Tor (gegen den KSC) und legte eines auf. Einen Stammplatz aber hat Ache nicht, obwohl Fürth derzeit nur Tabellenvorletzter ist. Zudem unterlag der Zweitligist mit Ache in der ersten Pokalrunde peinlicherweise gegen den Fünftligisten Stuttgarter Kickers, nächster Gegner der Eintracht. Eine Zukunft bei den Hessen wird der Stürmer kaum noch haben, ebenso wenig wie der in seine Heimat zu Göztepe Izmir verliehene Ali Akman . Der junge Angreifer spielte in der zweiten türkischen Liga bisher 38 Minütchen, kein Tor. Göztepe besitzt eine Kaufoption. Es ist seine zweite Leihe, in Holland, bei NEC Nijmegen lief es bedeutend besser, da erzielte er in 28 Spielen der Eredivisie sechs Tore.

Eintracht-Abgänge: Erik Durm beim FCK auf dem Weg zur Führungsfigur

Unbefriedigend stellen sich bislang die Wechsel von Danny da Costa und Aymen Barkok zum FSV Mainz 05 dar, beide kamen nur jeweils ein einziges Mal für wenige Minuten zum Einsatz, am vergangenen Samstag gegen Hertha (1:1). Da Costa immerhin hat eine Erklärung, er litt an den Folgen einer Schambeinblessur und gehörte in den ersten fünf Partien nicht zum Kader. Barkok indes hat Mühe, Fuß zu fassen beim Nachbarn. Seine Currywurst-Bude („Adlers Worscht“) in Alt-Sachsenhausen soll jedenfalls wesentlich besser laufen.

Stefan Ilsanker , der sich dem italienischen Zweitligisten FC Genua angeschlossen hat, kommt dort nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus und bestenfalls zu Kurzeinsätzen. Erik Durm , der im Sommer trotz Vertrags gehen musste, stand beim 1. FC Kaiserslautern in allen zehn Pflichtspielen in der Startformation, mal als Rechts-, mal als Linksverteidiger, er sammelte bisher vier Gelbe Karten und gab eine Vorlage. Der zurückhaltende Typ ist beim FCK erstaunlicherweise eine Führungsfigur.

Ebenso im deutschen Unterhaus, bei Hannover 96, versucht sich leihweise Jungprofi Antonio Foti, und wie! Bei seinem ersten Einsatz für 96 gegen Regensburg erzielte er kurz nach seiner Einwechslung das 1:0-Siegtor, im nächsten Spiel lieferte er eine Vorlage, das war Mitte August. Danach aber kam der 18-Jährige bei den Profis nicht mehr zum Einsatz, nur noch einmal in der Regionalligaelf, da traf er beim 5:1 gegen Kickers Emden. (Thomas Kilchenstein)

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