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Eintracht freut sich auf eine magische Nacht

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Von: Thomas Kilchenstein

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Auf ihn wird es ankommen: Daichi Kamada. Foto: Imago images
Auf ihn wird es ankommen: Daichi Kamada. © IMAGO/HMB-Media

Eintracht Frankfurt setzt wieder auf das besondere Europa-Gefühl und weiß, dass das Rückspiel gegen Betis Sevilla alles andere als ein Selbstläufer sein wird

Die Linkslastigkeit im Frankfurter Spiel war ja seit Jahren eklatant, über die andere, die rechte Seite ging kaum etwas, und warum das seit ein paar Wochen etwas anders ist, hat der Frankfurter Trainer jetzt enthüllt. „Ich habe ihnen erlaubt, auch über rechts zu spielen“, sagte Oliver Glasner am Mittwoch vor dem Europa-League-Rückspiel gegen Betis Sevilla (21 Uhr/live bei RTL). Vorher musste es immer über links gehen, sonst wäre Filip Kostic sauer gewesen. „Jetzt haben wir ihnen diese Freiheiten gegeben.“

Unüberhörbar: Laune und Stimmung im Frankfurter Lager sind nach den jüngsten drei Pflichtspielsiegen deutlich gestiegen, die Mannschaft strotzt vor neuem Selbstvertrauen. „Am Ende ist es das Wichtigste, was wir machen. Wir haben es in der eigen Hand mit unserer Leistung. Und wenn wir die bringen, dann ist es gar nicht so wichtig, was der Gegner macht“, sagt etwa der seit Wochen in Bestform agierende Torwart Kevin Trapp. Ähnlich argumentiert Glasner, der trotz eines 2:1-Hinspielerfolgs von einer „ersten Halbzeit“ spricht, die gespielt sei. Sein Team müsse ihr Spiel auf den Rasen bringen, sagt er. „Wir wollen nicht lauern, nicht abwarten, sondern aktiv sein und auf Sieg spielen. So, wie man eben bei einer 2:1-Halbzeitführung auf das dritte oder vierte Tor spielt.“ Also genau das tun, was den Hessen vor einer Woche in Andalusien eben nicht gelungen ist, Chancen auf ein 3:1 oder 4:1 waren in Hülle und Fülle vorhanden, die aber vor allem durch Rafael Borré teilweise hanebüchen vergeben wurden. Dass schon in Südspanien die Qualifikation für das Viertelfinale unter Dach und Fach gebracht hätte werden können, was eine Uefa-Prämie in Höhe von 1,8 Millionen Euro in die Frankfurter Kasse spülen würde, hat der Fußballlehrer natürlich nicht eigens thematisiert. Auch mit einem möglichen Elfmeterschießen hat er sich nicht groß beschäftigt, aus nachvollziehbaren Gründen: „Wir bereiten uns nicht auf ein Elfmeterschießen vor. Das würde bedeuten, dass wir von einer Niederlage ausgehen. Das tun wir nicht.“

Und vielleicht ist es angesichts der in Frankfurt längst wieder ausgebrochenen Europapokal-Euphorie ganz gut, dass das Rückspiel heute Abend im Stadtwald sicherlich nicht der Selbstgänger sein wird, der er womöglich geworden wäre, hätte die Eintracht in Sevilla ihre hochkarätigen Chancen genutzt. Die Spannung bleibt damit oben, kein Spieler kann es sich leisten, diese Partie und diesen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Das werde auch nicht passieren, sind sich Glasner und Trapp unisono einig. Viel mehr werde man erneut eine ähnliche „Topleistung an den Tag legen müssen wie im Spiel vor einer Woche. Und ganz sicher werden die Spanier nicht noch einmal so überrascht sein von Körperlichkeit und Galligkeit der Frankfurter, die ihnen im heimischen Stadion ziemlich den Schneid abgekauft hatten mit einer sehr körperbetonten Spielweise. „Wir pflegen einen intensiven Stil“, sagt Glasner, „die Jungs gehen immer an ihren Grenzen“. Und haben sich wieder zu einem, Ensemble gemausert, das „sehr schwer zu schlagen ist“, wie Trapp lobend erwähnt.

Dessen ungeachtet kann das Trainerteam personell aus dem Vollen schöpfen, das bedeutet, dass auch die zuletzt leicht angeschlagenen Jesper Lindström, Sebastian Rode und Danny da Costa wieder an Bord sind. Große Änderungen in der Mannschaftsaufstellung sind allerdings nicht zu erwarten, warum auch, diese elf Spieler, die zuletzt drei Siege errungen haben, sind so etwas wie die Erfolgself. Ob das am Sonntag in Leipzig, in der Bundesliga, ebenso sein oder ob rotiert wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Nur 25 000 Fans zugelassen

Aber damit beschäftigt sich weder der Coach noch die Mannschaft im Augenblick. Ohnehin warnt der Fußballlehrer davor, schon jetzt das Fell des Bären zu verteilen und womöglich über etwaige Wunschgegner im Viertelfinale zu spekulieren. „Wir tun gut daran, keine Luftschlösser zu bauen und jetzt schon darüber nachzudenken, wohin die Reise gehen könnte.“

Eintracht Frankfurt, das ist klar, will weiter auf der europäischen Euphoriewelle reiten, will erneut eine magische Nacht im Stadtwald erleben, selbst wenn die Arena, anders als bis zum Schluss erhofft, aufgrund von Corona-Beschränkungen nur halbvoll sein wird mit 25 000 Fans. „Wir wollen den Fans einen schönen Europa-League-Abend bieten“, sagt Glasner. Dazu bedarf es gar nicht der Reminiszenzen an die glorreiche Saison 2018/19, die erst im Halbfinale endete. Eintracht Frankfurt kann eben Europa, zieht daraus eine besondere Kraft. Kevin Trapp, seinerzeit dabei, sagt: „Jeder hat den Ehrgeiz, so weit wie möglich zu kommen.“ Und „Euphorie kann nie ein Störfaktor sein“, so Glasner. „Wir lechzen danach, die Fans, die Stadt und den Klub emotional zu berühren.“ Es ist angerichtet.

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