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Eintracht-Frauen: Mit ganz viel Adrenalin

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Von: Frank Hellmann, Katja Sturm

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Laura Freigang.
Laura Freigang. © dpa

Frankfurts Nationalspielerin Laura Freigang ignoriert vor der neuen Bundesliga-Rekordkulisse sogar ihre Schulterblessur.

Laura Freigang trug am Tag danach eine Schlinge um den linken Arm, der mit einem Hüftgurt fixiert war. So rauschhaft das Eröffnungsspiel für die Stürmerin von Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern München (0:0) am Freitag auch war, so schmerzhaft endete der Auftritt: Eine Schultereckgelenksverletzung zwingt die 24-Jährige erstmal zu einer Trainingspause, „es muss nichts operiert werden, das geht schon“, sagte die Nationalspielerin am Samstagabend im ZDF-Sportstudio.

Diesen Auftritt wollte Freigang ebenso wenig absagen wie sie sich zunächst nicht hatte auswechseln lassen: zu groß das Verlangen, die durch den EM-Hype in England geschürte Aufmerksamkeit mitzunehmen und aufzusaugen.

Dass sie nach dem verhängnisvollen Zweikampf noch 35 Minuten lang weiterspielen konnte, bevor Trainer Niko Arnautis die Stürmerin für Nicole Anyomi auswechselte, schob die Torjägerin auf das Adrenalin und ihren Willen, die Rekordkulisse von 23 200 Zuschauenden im Waldstadion so lange wie möglich auf dem Feld zu genießen.

„Das Spiel lief so gut, dass ich erst mal nicht wechseln wollte“, sagte Arnautis. „Aber wir haben auch Qualität auf der Bank, und wenn ich Laura nicht runtergeholt hätte, hätte sie durchgespielt.“ Doch auch von draußen genoss Freigang die besondere Atmosphäre, die ihr Team „beflügelte“.

„Du gehst selten in ein Spiel gegen Bayern München und erwartest, dass du mehr Ballbesitz hast“, sagte sie. Die ungewohnt vielen Fans auf den Rängen hätten die Gastgeberinnen gepusht. Arnautis machte „eine Neuentwicklung“ beim Team aus: „Wir haben Bayern nicht nur bekämpft, sondern auch bespielt wie noch nie.“ Man müsse aber am Boden bleiben. „Nächstes Wochenende in Freiburg erwartet uns ein sehr hartes Spiel.“ Das Highlight zum Saisonauftakt soll weiteren Nachhall finden. „Wir haben bei der EM gezeigt, dass wir Menschen mitreißen können“, sagte Freigang. „Jetzt geht es darum, dass Dinge umgesetzt werden, man sein Wort hält.“

Mehr Pfiffe als früher

Ein Wink mit dem Zaunpfahl an Verband und Vereine. Frauenfußball sei zwar eine Investition („Wir können uns nicht selbst finanzieren“) aber diese sei schließlich „sinnvoll und zeitgemäß“. Mit der Art und Weise, „wie wir spielen, tun wir dem Fußball gut, und die Menschen fanden das bei der EM erfrischend“. Eine neue Studie „Stellenwert Frauenfußball“ besagt ja, das von den knapp 40 Millionen Fußball-Interessierten hierzulande knapp die Hälfte am Fußball der Männer wie Frauen interessiert ist.

Bei aller Hochstimmung gab es auch kritische Stimmen in Frankfurt. Treue Anhänger:innen des Frauenfußballs störten sich an den vielen Pfiffen gegen die Gegnerinnen, Störgeräusche, die bei den Männern typisch, aber bei den Frauen selten sind. Wenn beim Umzug in die großen Arenen die Fairness auf der Strecke bleibe, wolle man lieber in den kleineren Stadien verharren, hieß es bei einigen.

Zudem muss der Ortswechsel nicht immer mit einem deutlichen Aufschwung bei der Resonanz verbunden sein: Die TSG Hoffenheim bestreitet gegen Meister VfL Wolfsburg, der zum Auftakt vor 3217 Fans einen Pflichtsieg gegen die SGSC Essen (4:0) landete, am nächsten Samstag (17.55 Uhr/ARD) das erste von bis zu zwölf Live-Spielen in den Öffentlich-Rechtlichen. Auch Hoffenheims Fußballerinnen spielen dafür dann in der großen Arena, bislang sind aber erst knapp 5000 Karten verkauft. Fraglich, ob im Kraichgau die erhoffte fünfstellige Kulisse zustande kommt.

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