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Bas Dost: Hoffnungsträger für die Eintracht.

Bas Dost

Bas Dost - Hoffnungsträger mit Traumquote

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    Thomas Kilchenstein
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Nach langem Tauziehen kann die Eintracht einen weiteren Stürmer verpflichten. Bas Dost liebt es, Tore zu schießen - doch im Rückspiel in der Europa League gegen Straßburg darf er noch nicht ran.

Bas Dost war kaum gelandet auf dem Frankfurter Flughafen an diesem Montag, da trug er – dank der PR-Abteilung der Hessen – schon das Eintracht-Trikot mit der Nummer neun. Eine Nummer, die schwer wiegen kann, die Neun trug zwei Jahre lang Sebastien Haller, sein Vorgänger, aber der neue Mann im Sturm ist durchaus mit ordentlich Selbstvertrauen gesegnet. „Ich bin ein Stürmer, der es liebt, Tore zu machen, das ist mein Job.“ Selbstverständlich werde er „auch mitarbeiten, am Ende geht es aber um Tore, dafür haben sie mich gekauft“. Am liebsten will der 30 Jahre alte Niederländer, den Eintracht Frankfurt endlich nach längerem Tauziehen für sieben Millionen Euro Ablöse von Sporting Lissabon loseisen konnte, schon am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf treffen.

Dost, der in 84 Pflichtspielen für Lissabon 76 Tore erzielt hat, erhält einen Dreijahresvertrag. Die Erwartungen an den knapp zwei Meter großen Brecher, ein Mittelstürmer alter Schule, sind in Frankfurt enorm, Haller und Luka Jovic hatten in allen Pflichtspielen immerhin 47 Treffer erzielt. Dost fürchtet das nicht, im Gegenteil: „Ich brauche das.“ Zudem wolle er zeigen, dass Eintracht Frankfurt „eine richtige Entscheidung getroffen“ habe.

„Uns war es nach dem Abgang von Sebastien Haller wichtig, einen adäquaten Ersatz zu finden, der bestenfalls sogar schon über große Erfahrung verfügt und gleich in der Lage ist zu helfen“, ließ sich Eintracht-Vorstand Fredi Bobic am Montag zitieren. „Bas füllt dieses Format aus. Er ist mit seiner Statur und Treffsicherheit ein wichtiger Baustein in unserem Kader.“ Haller 2.0 sozusagen.

SGE: Erster Kontakt mit Bas Dost vor einem Monat

Ersten Kontakt mit den Hessen hatte Dost nach eigener Aussage vor einem Monat, „wie sie sich um mich bemüht haben, hat mit gefallen und mich stolz gemacht“, sagte Dost, der die Bundesliga aus seiner Wolfsburger Zeit (von 2012 bis 2016) bestens kennt. „Eine geile Liga mit geilen Fans.“ Damals hat er sogar mit Makoto Hasebe und Marco Russ zusammengespielt. In Lissabon habe der 30-Jährige fußballerisch noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht, sagte Dost, der sich zwar müde, aber in guter körperlicher Verfassung wähnt. „Ich durfte bis zum Schluss bei Sporting mittrainieren.“

Warum sich sein Wechsel so in die Länge gezogen habe,wollte Dost am Montag bei der offiziellen Präsentation nicht verraten. Dem Vernehmen nach sei es um ausstehende Zahlungen an ihn gegangen. Sporting erhält im übrigen in einem nicht näher definierten Erfolgsfall weitere Bonuszahlungen in Höhe von 500.000 Euro und partizipiert bei einem etwaigen Weiterverkauf des Spielers mit 15 Prozent an der Ablösesumme, dies teilte der portugiesische, börsennotierte Klub auf seiner Website mit.

Nun hat der Mann mit der „unglaublichen Torquote“ (Trainer Adi Hütter) - in seiner Karriere traf Dost in 407 Pflichtspielen 218 Mal - vier Tage Zeit, sich an sein neues Team zu gewöhnen. Gestern war nach der Präsentation für ihn erst einmal die Arbeit getan, „jetzt trinke ich ein Spezi, das habe ich vermisst“. Für die für Eintracht Frankfurt so wichtige Partie am morgigen Donnerstag, steht er noch nicht zur Verfügung, da er dafür keine Spielerlaubnis hat. „Das schaffen die Jungs auch ohne mich.“

SGE: Ganz langsam haben sich einige Zweifel eingenistet

Wirklich? Ein bisschen fühlt sich Kevin Trapp derzeit an die Tage im April dieses Jahres erinnert, an Tage, als sich Eintracht-Vorstand Bobic weit aus dem Fenster gelehnt hat mit seinem frechen Spruch: „Im Rückspiel hauen wird die weg.“ Gerade hatte Benfica Lissabon die Hessen mit 4:2 nach Hause geschickt, die Reise durch Europa war nach der ersten und letztlich einzigen Niederlage arg gefährdet, doch die Stimmung im Frankfurter Stadtwald war dessen ungeachtet von einer bemerkenswerten Zuversicht geprägt. Genau diese Stimmung müsse erneut Einzug halten, forderte der Frankfurter Torwart: „Was mich da gefreut hat, war, dass jeder eine Woche lang positiv war und gesagt hat: ‚Wir schaffen das!‘. Auch in der Stadt hast du nur positive Worte vernommen.“

Ganz so zuversichtlich wie vor vier Monaten ist die Gemengelage aktuell vor dem „wichtigsten Spiel des Jahres“ (Trapp) allerdings nicht.

Ganz langsam haben sich in letzter Zeit ein paar Zweifel eingenistet. Es ist nicht so, dass man der Mannschaft eine abermalige Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League nicht zutrauen würde. Auch Racing Straßburg ist ein Team, das die Eintracht zu Hause und vor den eigenen euphorisierten, ganz in schwarz gekleideten Fans, schlagen kann. Zumal die Elsässer im Hinspiel vor einer Woche beim 1:0-Erfolg nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt haben. Aber der ganz große Optimismus, der unbändige Glaube, die unumstößliche Überzeugung, es wieder zu schaffen und wieder mindestens zwei Tore mehr als der Gegner zu erzielen, ist nicht so ausgeprägt wie seinerzeit im April. Das hat natürlich Gründe.

Im April war die Frankfurter Mannschaft gefestigt, sie wusste, was sie kann und sie wusste, um ihre ganz speziellen Stärken, sie war eingespielt und noch dazu verspürte sie als Rückenwind den Flow einer sehr erfolgreichen Europatournee. Aktuell hakt es ein wenig bei der Eintracht, es läuft noch nicht rund, trotz eines Auftaktsieges gegen die TSG Hoffenheim und einer ordentlichen Vorstellung am Sonntag bei RB Leipzig. Denn das Team scheint immer noch nicht komplett, gerade an zentraler Stelle - im Angriff - hat Eintracht Frankfurt bekanntlich enorm viel Qualität verloren. Immerhin ist durch die Verpflichtung von Bas Dost eine Vakanz im Zentrum geschlossen worden. Vom baumlangen Niederländer erwartet sich gerade Adi Hütter endlich die zuletzt schmerzhaft vermisste Durchschlagskraft. Dost wisse, „wo das Tor steht“. Ihn hätte die Eintracht am Donnerstag (20.30 Uhr) gut gebrauchen können.

Dafür könnte es vielleicht ein anderer richten. Einer, um den es zurzeit viele Spekulationen gibt und den viele deswegen nicht mehr lange bei der Eintracht sehen, der aber fester Bestandteil der Mannschaft ist: Ante Rebic, der am Sonntag angeschlagen fehlte. Trainer Hütter sieht den Kroaten auf jeden Fall als Alternative für Donnerstag. Rebic könnte da zudem seine Abschiedsvorstellung bei der Eintracht geben. Die Zeichen verdichten sich,dass der wechselwillige Kroate nun doch den Klub verlässt. Vorstand Bobic hatte bereits konkretes Interesse anderer Klubs bestätigt. „Wir wissen, dass es Anfragen für den Spieler von verschiedenen Vereinen gibt“, sagte Bobic. Er kenne den Wunsch des 25-Jährigen, vielleicht zu einem großen Verein zu wechseln – womöglich gar zu Bayern München und seinem Ziehvater Niko Kovac – , das sei völlig legitim, allerdings „müssen alle Parameter stimmen“, sagte Bobic.

Beschert sich Ante Rebic einen stilvollen Abschied?

Natürlich wollen die Frankfurter eine möglichst hohe finanzielle Entschädigung für ihren Stürmern erlösen, der in 78 Bundesligaspielen zwar nur 17 Tore erzielt hat, aber dank seiner unglaublichen Dynamik und Power oft genug Wegbereiter war und den Unterschied machte. Dazu kommt, dass sein vorheriger Verein, der AC Florenz, mit knapp 50 Prozent an der Ablösesumme partizipiert.

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Dass Rebic in Frankfurt große Wertschätzung genießt, ist kein Geheimnis. „Rebic hat in drei Jahren bewiesen, dass er der Eintracht verdammt viel helfen kann“, erklärte Bobic beim TV-Sender Sky. Unvergessen sind seine beiden Tore beim 3:1-Erfolg im Pokalfinale von 2018 gegen Bayern München, als der Kroate das Spiel seines Lebens machte und wenige Wochen später Vize-Weltmeister wurde. Darüber hinaus seien die Probleme, die es aufgrund seiner lustlosen Vorstellung im Hinspiel gegen Straßburg mit dem Nationalspieler gegeben hat, mittlerweile angesprochen worden. Sollte Rebic tatsächlich gehen, werden die Frankfurter einen weiteren Angreifer zu verpflichten versuchen

Nun könnte sich Ante Rebic selbst einen stil- und würdevollen Abschied bescheren, indem er seine Farben in die Europa League schießt. Oder den Kollegen den Weg dahin bereitet. Es müssen ja nicht immer Stürmer die Tore schießen: Mitte April, im Rückspiel gegen Benfica Lissabon, trafen zum 2:0-Sieg, der den Einzug ins Halbfinale brachte, ja auch Filip Kostic und Sebastian Rode. Und beide sind am Donnerstag dabei - im Gegensatz zu Bas Dost.

(Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz)

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