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Kam nicht nur beim 1:2 zu spät; Simon Falette muss Martin Harnik ziehen lassen.

Werder Bremen - Eintracht Frankfurt

Bloß nicht stören

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Die Abwehr von Eintracht Frankfurt erscheint im neuen Jahr als wackliges Gebilde, das Stärkung braucht.

Ganz am Ende, als auch die fünfte Minute der Nachspielzeit endlich überstanden war, fassten Kevin Trapp, Marco Russ und Simon Falette offenbar den gemeinsamen Entschluss, sich noch auf dem Rasen im Weserstadion kräftig zu drücken. Der Torwart und seine Verteidiger bildeten ein Knäuel und ihre Gesichter verrieten: Zumindest dieses Trio konnte mit dem Punkt gut leben. Das Kontrastprogramm bei der Eintracht stand nahe der Mittellinie etwas unentschlossen herum: Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic, das tollkühne Dreigestirn, von denen schon wieder zwei getroffen hatten, wussten überhaupt nicht so richtig, wie das 2:2 einzuordnen war; in ihren Mienen spiegelte sich mehr Frust als Freude wider.

So unterschiedlich die Gemütslage, so einheitlich die Ursachenforschung: Nur der außergewöhnlich gut besetzte Angriff hatte die Hessen vor einem Rückschlag bewahrt. Die Abwehrreihe stand in vielen Szenen neben sich. Offensive Qualität übertünchte die defensive Instabilität. Bei beiden Bremer Toren durch Maximilian Eggestein (27.) und Martin Harnik (52.) gewährten die Frankfurter fast schon fahrlässig Begleitschutz. Motto: bloß nicht stören.

Der umtriebige Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein wunderte sich schließlich selbst, dass nach seinem Sololauf das Spielgerät immer noch vor ihm lag, nachdem er eigentlich schon die Orientierung verloren hatte – dann schoss er halt das 1:0, wenn ihn niemand daran hinderte. Und beim 2:1 von Harnik gab Falette nur die Karikatur eines Verteidigers ab, der beim Versuch, mit dem langen Bein noch zu retten, vorsichtshalber in die Knie ging.

Abwehrarbeit eines Europapokalanwärters geht eigentlich anders. Weil auch Kapitän David Abraham für jeden ersichtlich weiterhin seine ganze speziellen Probleme hat, schwamm die Hintermannschaft beim Bremer Sturmlauf bedenklich. Trainer Adi Hütter hatte die Formation verändert und Falette aufgestellt, weil er auf den Faktor Erfahrung setzen wollte. Und: „Simon hat gute Trainingsleistungen gezeigt.“ Aber der Plan ging nicht auf: Evan Ndicka dürfte ziemlich erschrocken sein, was der acht Jahre ältere Landsmann bot: eine wenig überzeugende Leistung.

Kommt  Reece Oxford?

Insofern werden sich die Eintracht-Verantwortlichen dringend mit dem Thema Verstärkung auseinandersetzen, ob bis zur Schließung des Transferfensters am Donnerstag noch ein Abwehrspieler kommen muss. Nach dem Abgang von Carlos Salcedo wäre ein Kaderplatz noch frei, und auch genügend Geld ist in der Kasse. Da kommt es nicht von ungefähr, dass gestern die Meldung aus England aufploppte, wonach die Eintracht ihre Fühler nach Innenverteidiger Reece Oxford ausgestreckt haben soll.

Der 20 Jahre alte Engländer steht bei West Ham United unter Vertrag, kam dort bislang aber nicht zum Einsatz. Oxford spielte in der vergangenen Saison für Borussia Mönchengladbach, machte sieben Partien. Die Eintracht würde knapp zehn Millionen Euro bezahlen müssen.

Die aktuelle Anfälligkeit wollte Torwart Kevin Trapp nicht an einzelnen Namen festmachen. „Das hat viel mit der Organisation zu tun. Wir müssen es als Mannschaft viel, viel besser machen.“ In zwei Rückrundenspielen hatte der 28-Jährige viel mehr zu tun als ihm lieb gewesen ist. „Wir haben nach dem Freiburg-Spiel bereits darüber geredet, was schiefgelaufen ist“, sagte der Nationalkeeper. „Wir müssen taktisch besser stehen und disziplinierter auftreten.“ Auch mehr Körperkontakt kann nicht schaden.

„Wir haben zu viele Chancen zugelassen“, stellte Makoto Hasebe fest, der gar nicht so viel Löcher stopfen konnte, wie sich vor und neben ihm auftaten. Der Altmeister stieß an seine Grenzen – und nannte den entscheidenden Namen: „Max Kruse hat uns Probleme gemacht.“ Hütter formulierte es genauso: „Er ist ein Topspieler, der uns weh getan hat.“

Der Bremer Freigeist, sichtlich um einige Kilo erleichtert, zog mit seinem Spielwitz und seinen Spielverlagerungen die Gegnerdeckung auseinander wie Kaugummi. Auf diese Variante hatte die Eintracht kaum eine Antwort, weil die Frankfurter auch im Mittelfeld das Spiel nicht in den Griff bekamen. Das mag auch daran gelegen haben, dass Gelson Fernandes wegen der fünften Gelben Karte fehlte. Der Schweizer mag kein begnadeter Techniker sein, aber einer, der Bälle klaut und Aktionen des Gegner nimmermüd‘ unterbindet, ist er schon. Seinen Wert für die Mannschaft hat man am Samstag gesehen, als er fehlte. Fernandes war vielleicht so etwas wie der heimliche Sieger.

„Wir wollten tiefer und sicherer stehen“, erklärte Marco Russ. „So aber haben wir alt ausgesehen.“ Der Routinier wollte die Mängel aber im Verbund betrachtet wissen: „Wir müssen als Mannschaft wie in der Hinrunde kompakt stehen, dann sieht das auch in der Abwehr souverän aus.“ Dem 33-Jährigen blieb es immerhin vorbehalten, den Höhepunkt in Sachen Abwehrarbeit abzuliefern: Sein Rettungssprung gegen Maximilian Eggestein feierte er in der Nachspielzeit mit erhobener Faust. „Der hat mir fast den Knöchel weggeschossen. Zum Glück hat er in meine Richtung gezielt“, sagte Russ grinsend.

Keine Wahlen

Die ordentliche Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt e. V. , die am heutigen Montag, 19 Uhr, in der Wolfgang-Steubing-Halle am Riederwald stattfindet, sieht keine Wahlen vor. Der Vorstand der Fußball AG, Vertreter des Profiteams sowie Cheftrainer Adi Hütter werden anwesend sein. Zudem wird das Präsidium den Mitgliedern Bericht über die Ereignisse des vergangenen Geschäftsjahres des e.V. erstatten, Vorstandsmitglied Axel Hellmann über die Tochtergesellschaft Eintracht Frankfurt Fußball AG. (FR)

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