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Frankfurts Torschützen David Angel Abraham (l) und Martin Hinteregger freuen sich über den 2:1 Sieg.

Euro League

SGE: Zwei Standards gegen Standard Lüttich

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt erfüllt beim 2:1-Sieg gegen Lüttich die Pflicht und steuert mit sechs Punkten auf das Sechzehntelfinale der Euro League zu.

Eintracht Frankfurt hält stramm Kurs auf das Sechzehntelfinale der Europa League, am Donnerstagabend gewann der Bundesligist sein zweites Spiel in der Gruppe F, gegen den belgischen Vertreter Standard Lüttich reichte es zu einem 2:1 (1:0)-Erfolg. Die Eintracht, Vorjahreshalbfinalist, hat damit gute Chancen, im Europapokal zu überwintern. Der wichtige und letztlich auch verdiente Erfolg gegen die Belgier sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gestrige Leistung arg zu wünschen übrig ließ und nicht dem Maßstab entspricht, den die Eintracht auf internationalem Parkett gesetzt hat. 

SGE hinter Arsenal auf Platz zwei

Den Verantwortlichen war das aber herzlich egal, sie freuten sich über die Punkte vier, fünf und sechs in der Gruppe, die der FC Arsenal nach einem umkämpften 3:2-Sieg gegen Vitoria Guimaraes weiterhin souverän anführt. „Standard ist keine schlechte Mannschaft, sie haben das extrem gut gemacht defensiv. Gerade in der ersten Halbzeit. Das Gegentor kann passieren, aber letztlich haben wir das gut über die Zeit gebracht“, sagte Martin Hinteregger bei Nitro. Trainer Adi Hütter musste dann doch ein wenig improvisieren, etwas mehr rotieren als geplant. 

Das lag daran, dass sich Hüne Bas Dost mit Adduktorenprobleme abgemeldet hatte und André Silva mit der gereizten Achillessehne ja ohnehin nicht rechtzeitig fit geworden ist. Und weil Dejan Joveljic, der vierte Stürmer, noch keine ernsthafte Startelfoption ist, wurde aus der favorisierten Doppelspitze zunächst einmal eine einzige Spitze, die auch oft genug ganz schön einsam war.

Das wiederum war nicht der Plan, Daichi Kamda und Mijat Gacinpovic, beide neu in der Anfangsformation, sollten Mittelstürmer Goncalo Paciencia da vorne nach Herzen unterstützen und „immer wieder in die Tiefe gehen“ (Hütter). Das hat, nun ja, nicht ganz so geklappt, wie es an der Taktiktafel ausgetüftelt war. In Wahrheit hing Paciencia ganz schön in der Luft, was aber nicht nur an Kamada und Gacinovic lag. 

Standard gegen SGE nicht mit der stärksten Elf

Die Eintracht brachte einfach kein Bein auf den Boden, der ganze Schwung aus dem Leverkusen-Spiel, als sie die arme Werkself ja förmlich überfallen und überrollt hat, war abgeebbt. Auf einmal herrschte Flaute. Sie brachten kaum einen anständigen Angriff zustande, alles war gestückelt und gekrampft, flüssige, flockige Kombinationen waren auf dem seifigen Geläuf nicht zu sehen.

Dabei hatte das zweite Heimspiel der Gruppe F verheißungsvoll begonnen, die fast schon obligatorische Choreo stimmte beide Teams sehr ansehnlich ein und sollte eigentlich der Auftakt zu einer weiteren magischen Nacht im Stadtwald sein. Doch auch hier schlug die Realität der Theorie ein Schnippchen, und selbst die klare Ansage von Djibril Sow, der seinen Gegenspieler nach nicht mal zehn Sekunden schon das erste Mal sauber gefällt hatte, verpuffte im Nichts. 

Dabei hatten die Belgier nicht mal ihre stärkste Elf aufgeboten, selbst Eintracht-Coach Hütter konnte nicht umhin, die Aufstellung des Opponenten als überraschend zu bezeichnen. Und so entwickelte sich ein ziemliches Geflipper im Mittelfeld, wobei die Gäste die Räume auch sehr beharrlich und konsequent zuliefen. „Lüttich hat es richtig gut gemacht“, konstatierte Sportdirektor Bruno Hübner. „Im Defensivbereich verdichten sie gut, spielen fast ein 4-5-1.“ Und so waren die Hessen, irgendwie logisch, auf einen ruhenden Ball angewiesen, um das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken. 

Für die SGE treffen zwei Verteidiger

Eine Flanke von Filip Kostic touchierte Standard-Kapitän Mehdi Carcela mit der Hand, den fälligen Freistoß servierte Daichia Kamada an den langen Pfosten, wo Kapitän David Abraham stand und den Ball mit rechts über die Linie drückte (28.). Die erlösende Führung. Für den Eintracht-Spielführer war es das zweite Europapokaltor seiner Karriere, das erste hatte er 2008 für den FC Basel in der Champions League beim 1:2 gegen Donezk gemacht. Da war der 33-Jährige Abraham zarte 22. Vorher und nachher beschwerten sich die Frankfurter noch einmal heftig, weil in elfmeterreifen Szenen die Pfeife von Schiedsrichter Daniel Stefanski jeweils stumm blieb, weder bei Gacinvic (25.) noch bei Kamada (54.) entschied der Pole auf Strafstoß. Zumindest mal diskutabel. 

Glück hatte die Eintracht, als Selim Amallah (43.) und später Duje Cop ihr Ziel, den Kasten, verfehlten. „Wir müssen mehr über die Außen kommen. Es fehlt schon ein zweiter Stürmer, der einen Abwehrspieler bindet“, monierte Manager Hübner in der Halbzeitpause. „Ich denke, dass unser Trainer umstellt und jetzt Kamada ganz nach vorne stellt.“ 

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Gesagt, getan. Das Spiel der Eintracht wurde dadurch zwar nicht um Längen, aber doch um Nuancen besser, es war mehr Zug und Drive in der Partie, auch wenn die großen Chancen ausblieben. Insgesamt war die Überlegenheit aber drückend, die defensiven Belgier konnten sich nur noch allzu selten befreien. Und doch brauchten die Platzherren auch im zweiten Abschnitt einen Standard gegen Standard. 

Nach einem Eckstoß von Kamada war es Martin Hinteregger, der die Kugel per Kopf ins Tor beförderte (73.). Bezeichnend, dass zwei Verteidiger trafen. Standard Lüttich gab sich aber nicht geschlagen, Amallah zielte nach 82 Minuten besser als im ersten Abschnitt und versenkte den Ball flach im Eintracht-Netz. So wirklich in die Bredouille gerieten die Hessen jedoch nicht mehr, mit Geschick und Routine schipperten sie den zweiten Gruppensieg über die Zeit. Es war sicher keine Gala und schon gar nicht magisch, eher eine glanzlose Pflichterfüllung – aber ein enorm wichtiger Dreier.

Eintracht Frankfurt – Standard Lüttich 2:1 (1:0) 

Frankfurt: Rönnow – Abraham, Hasebe, Hinteregger – da Costa, Rode, Sow, Kostic (83. Chandler) – Gacinovic (75. Kohr), Kamada (88. Fernandes) – Paciencia. 

Lüttich: Milinkovic-Savic – Fai (85. Mpoku), Lavalee, Laifis, Gavory – Cimirot, Bastien, Boljevic – Carcela-Gonzalez (75. Oulare), Amallah – Cop (72. Lestienne). 

Schiedsrichter: Daniel Stefanski (Polen) Tore: 1:0 Abraham (28.), 2:0 Hinteregger (73.), 2:1 Amallah (82.) Zuschauer: 47.000 (ausverkauft) Gelbe Karten: Hinteregger (2) -

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